Proteste von Fans von Eintracht Frankfurt gegen Andreas Möller

Heftiger Protest gegen Ex-Weltmeister : Möller spaltet die Eintracht-Fans

Frankfurter Sportchef Bobic beugt sich nicht dem Druck der heftig protestierenden Fans. Vorwurf der fehlenden Identifikation.

Der Druck der Ultras ist riesengroß – doch die Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt halten ihm bisher stand. Trotz heftiger Fanproteste verpflichtete der hessische Fußball-Bundesligist den früheren Welt- und Europameister Andreas Möller als neuen Leiter seines Nachwuchszentrums. „Mit Andreas Möller holen wir nicht nur einen der erfolgreichsten Fußballer Deutschlands zu uns, sondern einen erwiesenen Fachmann, der die erklärte neue Schwerpunktsetzung im deutschen Nachwuchsfußball auf individuelle, spielerische Klasse und Tempofußball verkörpert wie kaum ein anderer“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic am Samstag.

Gegen die Verpflichtung Möllers, der als Profi insgesamt 136 Bundesligaspiele für die Eintracht absolvierte und dabei 41 Tore erzielte, waren die Fans zuletzt Sturm gelaufen. „Qualifikation, erfülltes Anforderungsprofil und sportliche Sachzwänge hin oder her – Andy Möller hat bei unserem Verein nichts verloren!“, schrieb der Nordwestkurven-Rat vor einer Woche in einem offenen Brief. Auch beim Bundesliga-Heimspiel gegen Werder Bremen am Sonntag (2:2) war der Protest deutlich sichtbar. Rund um das Stadion hingen zahlreiche Plakate aus, auf denen der 52-Jährige als „Persona non grata“ bezeichnet wurde. Dazu war ein mit einem fetten schwarzen Balken durchgestrichenes Gesicht des früheren Fußballers abgebildet. Mit Spielbeginn wurde in der Kurve ein Transparent gezeigt: „Zu Andy Möller haben wir keine Verbindung, mit Verrätern haben wir nichts zu tun.“ Der erste Fangesang nach dem Anstoß galt nicht der Eintracht, sondern ging ebenfalls gegen Möller.

Die Ultras werfen dem Ex-Profi vor, sich nicht mit dem Club zu identifizieren und stützen diesen Vorwurf auf ein Zitat Möllers aus dem Jahr 2017, wonach er gesagt haben soll, keine Verbindung zur Eintracht und mit Frankfurt nichts zu tun zu haben. „Für uns drängt sich deshalb die Frage auf, wie Andy Möller unseren zukünftigen Spielern die Eintracht-DNA vermitteln soll?“, hieß es. „Er hat sie in der Vergangenheit mehrfach mit Füßen getreten.“

Bobic hatte dies kalt gelassen. Ihn interessiere die Meinung Außenstehender in Personalfragen des Vereins nicht, betonte der Sportvorstand und stellte klar: „Wer gegen Möller ist, ist auch gegen mich.“ Dafür hatte der Eintracht-Boss ebenfalls böse Kommentare geerntet. „Mit welchem Recht maßt sich Fredi Bobic an, die Kritik an der Personalie Möller mit seinem persönlichen Schicksal zu verbinden? Das klingt gleichzeitig nach Gutsherrenart eines Sonnenkönigs, aber auch wie ein beleidigtes, bockiges Kind“, schrieben die Fans.

Am Ende beugte sich die Eintracht dem Druck aus der Kurve jedoch nicht und holte Möller als Nachfolger von Armin Kraaz an Bord. „Ich hatte die Gelegenheit, viele wertvolle Erfahrungen im Bereich des Spitzen- und Nachwuchsfußballs zu sammeln, die ich nun gerne am Riederwald einbringen möchte. Insbesondere der Förderung der individuellen spielerischen Qualität des Eintracht-Nachwuchses will ich mich verstärkt zuwenden“, sagte der Weltmeister von 1990.

Möller, der auch für Borussia Dortmund, Schalke 04 und Juventus Turin aktiv war, wurde als Jugendspieler von den Hessen ausgebildet und gewann mit den A-Junioren 1985 die letzte deutsche Meisterschaft. Der Europameister von 1996 erhält einen Vertrag bis zum 30. Juni 2022 und nimmt seine Tätigkeit mit sofortiger Wirkung auf. Zuletzt hatte der gebürtige Frankfurter, der zwischen 1985 und 1987, 1990 und 1992 sowie 2003 und 2004 gleich dreimal für die Hessen spielte, als Co-Trainer von Bernd Storck bei der ungarischen Nationalmannschaft gearbeitet. Im Zeitraum von 2015 bis 2017 war er dabei auch für die Betreuung der ungarischen U17 und U19 verantwortlich. „Andy ist national und international hoch angesehen und gut vernetzt“, sagte Bobic. „Dass es uns gelungen ist, ihn für Eintracht Frankfurt zu gewinnen, wird dem Verein guttun.“

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