Pleitenserie: Steht Trainer Pal Dardai bei Hertha BSC Berlin vor dem Aus?

Wackelt nach Niederlagenserie der Trainer? : Abnutzungserscheinungen in Berlin?

Mit Pal Dardai steht bei Hertha BSC der nach Christian Streich dienstälteste Trainer der Fußball-Bundesliga unter Druck. Es verdichten sich die Zeichen, dass die lange Zusammenarbeit nach dieser Saison ein Ende finden könnte.

 Viel war über einen baldigen Abschied von Pal Dardai als Trainer von Hertha BSC spekuliert worden, doch am Freitag übte sich der strauchelnde Hauptstadt-Club demonstrativ in Geschlossenheit. „Ich glaube, dass wir uns grundsätzlich einig sind, dass wir mit elf Punkten in der Rückrunde nicht zufrieden sind“, sagte Manager Michael Preetz vor der Bundesliga-Partie bei der TSG Hoffenheim an diesem Sonntag (13.30 Uhr/Eurosport Player): „Dann muss man sich zusammensetzen, die Köpfe zusammenstecken und überlegen, wie man da wieder rauskommt.“

Viel mehr musste der Manager nicht sagen, Nachfragen gab es wenige – die Pressekonferenz war nach circa sechs Minuten vorbei. Aber so wirklich schaffte es Preetz nicht, den Eindruck auszuräumen, dass die letzten sechs Saisonspiele auch Dardais letzte Partien als Chefcoach der Berliner sein könnten. Dafür wiegt die seit vier Spielen anhaltende Pleitenserie einfach zu schwer, dafür hatte sich Dardai nach der jüngsten 1:2-Heimniederlage gegen Fortuna Düsseldorf zu deutlich geäußert.

„Wenn jetzt ein Stopp kommt, müssen die Spieler das sagen. Dann soll ein anderer kommen. Das ist auch nicht schlimm. Es geht um Hertha BSC, nicht um Pal Dardai. Ich helfe sehr gerne und solange es funktioniert. Bis jetzt hat es hervorragend funktioniert“, gab Dardai dort zu verstehen. Mit einer möglichen Trennung scheint der Ungar sich also bereits beschäftigt zu haben. Die wird in jedem Fall wahrscheinlicher, wenn Hertha weiter verliert.

In Hoffenheim gibt es die nächste Chance zur Wende. „In der Rückrunde sind das Ziel immer noch 20 Punkte. Übermorgen gehen wir erst mal mit dem Ziel hin, einen Punkt zu holen“, sagte Dardai am Freitag. Es war eine typische Dardai-Antwort. Er stapelt gerne tief, denn er weiß, dass mit dem jungen Kader die internationalen Ränge von Anfang an schwierig zu erreichen waren. Hertha ist Elfter, der Abstand nach Europa mit zehn Punkten nahezu uneinholbar.

In Zeiten des Misserfolges wird Dardai seine Zurückhaltung aber negativ ausgelegt. Berlin strebt als Stadt nach dem großen europäischen Fußball. „Es gibt keine Krise, das ist Hertha BSC“, hatte Dardai nach dem Düsseldorf-Spiel, der vierten Pleite in Serie, gesagt. Dafür erntete er in den Medien Kritik, seine Ablösung im Sommer wurde öffentlich zur Debatte gestellt.

Im Verein sind sie Dardai jedenfalls dankbar für die vier Jahre seit seinem Amtsantritt 2015, in denen er Hertha fernab jeder Abstiegsangst hielt. So auch in dieser Saison. Aber reicht das noch? Gibt es Abnutzungserscheinungen beim nach Freiburgs Christian Streich dienstältesten Trainer der Bundesliga? Mit Preetz soll es in der Vergangenheit einige Differenzen gegeben haben. Aber Dardai, dessen Sohn Palko diese Saison bisher sieben Liga-Einsätze hatte, legt ohnehin seine Zukunft in andere Hände.

„Dass ein Trainer gehen muss, entscheidet im ersten Schritt meistens nicht der Manager, nicht der Präsident“, sagte der 43-Jährige zuletzt: „Das entscheiden immer die Spieler.“ Ob die noch auf der Seite ihres Trainers sind, wird sich spätestens nach dem 34. Spieltag zeigen.

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