Höhenflug von RB Leipzig geht dank Nationalspieler Timo Werner weiter

Fußball-Bundesliga : Leipziger Höhenflug geht dank Werner weiter

Der Nationalspieler des Bundesliga-Tabellenführers hat nach dem 18. Spieltag schon 20 Saisontore auf seinem Konto.

Auf Gerd Müllers Spuren hatte Timo Werner die eigene Traumtor-Skala gesprengt. Über seinen Kunstschuss in den Winkel zum Rückrundenauftakt gegen Union Berlin staunte selbst der treffsichere Torjäger, der Herbstmeister RB Leipzig fast im Alleingang auf Titelkurs in der Fußball-Bundesliga gehalten hatte. "So ein Tor habe ich glaube noch nie geschossen", sagte Werner über seinen fulminanten Ausgleichstreffer beim 3:1 (0:1)-Sieg zum Rückrundenauftakt bei Sky: "Was soll ich sagen? Der war optimal getroffen. Dass er so reinfliegt, ist super. Es gab aber auch schon Zeiten, da hätte ich ihn vielleicht aus dem Stadion geschossen."

Auf den Rängen geht zurzeit niemand in Deckung, wenn Werner zum Toreschießen ansetzt. Der 23-Jährige ist in der Form seines Lebens. Gegen Union erzielte Werner (51./83.) seine Saisontore 19 und 20. Besonders ihm war es zu verdanken, dass RB das Spiel nach dem frühen Gegentor durch Marius Bülter (10.) drehte und die Tabellenführung ausbaute.

Trainer Julian Nagelsmann stellte Werner fürs Toreschießen die Schulnote "1" aus. Es sei "typisch für Timo", Tore aus Situationen zu erzielen, in denen man keinen Treffer machen müsse. Bundestrainer Joachim Löw, der die Werner-Gala auf der Tribüne verfolgte, dürfte Nagelsmanns Einschätzung teilen.

Werner ist ein Grund für den Höhenflug von RB Leipzig, und RB ein Grund für den Höhenflug des Nationalspielers. In der Vorsaison behinderten Wechselgedanken den Angreifer vor dem Tor. Seit der Vertragsverlängerung bis 2023 ist die Zukunft geklärt – und die Blockade gelöst. Werner trifft und trifft. "Er hat das Selbstvertrauen, fühlt sich wohl. Es herrscht viel Ruhe um seine Person. Er ist ein Spieler, der das braucht", sagte Ersatzkapitän Marcel Sabitzer, der RB in der 57. Minute in Führung gebracht hatte. Scherzend fügte er hinzu: "Es muss jetzt sein Ziel sein, 40 Tore zu schießen. Dann sind wir zufrieden."

40 Tore gelangen in einer Bundesliga-Saison bislang nur Gerd Müller (1971/72). Die Vergleiche mit dem "Bomber der Nation" ehrten ihn, sagte Werner, "aber am Ende der Saison wird abgerechnet". Das gilt für das Duell um die Torjägerkanone mit Bayern Münchens Robert Lewandowski ebenso wie für das Rennen um die Meisterschaft. In diesem sieht es für die Sachsen bestens aus. Durch den Sieg gegen Union vergrößerte Leipzig seinen Vorsprung, was auch am Torhunger der Mannschaft liegt: Im neunten Bundesliga-Spiel in Folge erzielte RB mindestens drei Tore – das ist Rekord.

"Deutscher Meister will jeder werden. Wir sind Tabellenerster nach 18 Spielen. Dass der Ansporn wächst, da oben bleiben zu wollen, ist klar", sagte Werner: "Aber ich rufe hier keinen Meisterschaftskampf aus."

Die Berliner hegten keinen Zweifel, dass sie gegen einen Titelanwärter verloren hatten. "Ihr zählt zu den Mannschaften, die um die Meisterschaft mitspielen können", sagte Trainer Urs Fischer in Richtung Nagelsmann. Mittelfeldspieler Christian Gentner erklärte, in dieser Saison "keinen stärkeren Gegner" gesehen zu haben, "auch von der individuellen Klasse". Gemeint war damit auch Timo Werner...