1. Sport
  2. Fußball
  3. 1. Bundesliga

Halbe Freude: So ist Training in Kleingruppen für die Fußballprofis

So ist Training in Kleingruppen für die Spieler : „Training light“ macht Profis nur halb glücklich

Seit Montag trainieren die meisten Bundesligisten wieder auf dem Platz. Doch die vielen Einschränkungen dämpfen die Freude.

Endlich wieder den Ball am Fuß, endlich wieder Rasen unter den Stollen – doch so ganz glücklich ist Havard Nordtveit nicht. „Ich würde liebend gern grätschen, aber das kann ich jetzt nicht, dann kassiere ich eine Strafe“, sagte der Defensivspieler von 1899 Hoffenheim.

Der Mindestabstand von zwei Metern muss zwingend eingehalten werden, Körperkontakt ist strengstens verboten. So groß ist die Gefahr aber gar nicht, denn die meisten seiner Kollegen sieht Nordtveit überhaupt nicht. Das Kleingruppentraining, das separate Umziehen und die eingeschränkten Übungen dämpfen auch bei anderen Bundesliga-Profis die Freude über die Rückkehr auf den Platz. Es ist halt eher ein „Training light“.

„Es war schon ein sehr ungewohntes Gefühl, in Kleingruppen ein Training abzuhalten“, sagte Kapitän Manuel Neuer vom FC Bayern München. Der Rekordmeister trainiert an der Säbener Straße auf vier verschiedenen Plätzen in maximal Fünfergruppen. Geduscht wird hinterher zu Hause. Generell sei es „ein schönes Gefühl“, nach der wochenlangen Pause „ein bisschen Fußball zu spielen und die Kollegen wiederzusehen“, sagte Fortuna Düsseldorfs Torjäger Rouwen Hennings: „Klar kann man keine Zweikämpfe oder großartig Taktik trainieren, aber ich denke, für das Hier und Jetzt ist es ganz gut geregelt.“

Auch Trainer David Wagner vom FC Schalke 04 sah in freudige Gesichter beim Wiedersehen: „Die Fitnesstrainer können sich richtig austoben, und die Jungs haben auch noch Bock dazu.“

Bis wieder Ligaspiele stattfinden werden können, müssen die Profis aber auch an ihrer Technik feilen. „Du brauchst einfach regelmäßig den Ball am Fuß, das habe ich in den ersten Tagen schon gemerkt“, sagte Nordtveit und ergänzte: „Die Ballkontrolle war bei mir nie perfekt, aber den Kollegen merkt man auch an, dass sie drei Wochen ohne Ball trainiert hatten.“

Abwehrspieler Christopher Lenz von Union Berlin sagt: „Ich erlebe die skurrilste Situation meines Lebens.“ Bei Union werden nach jeder Gruppe die Kabinen desinfiziert. Von einer anderen Maßnahme berichtet Maximilian Arnold vom VfL Wolfsburg: „Wir müssen aus hygienischen Gründen zum Beispiel Handschuhe tragen – bei 22 Grad. Das ist natürlich notwendig, aber auch ein bisschen lustig. Es ist schon besser, als allein daheim zu trainieren. Doch es hat mit Normalität nichts zu tun.“

Die Trainer sehen in den überschaubaren Gruppen jede Schwäche. „Niemand kann sich verstecken“, sagte Trainer Uwe Rösler von Fortuna Düsseldorf über einen Vorteil des Kleingruppentrainings. Körperliche Probleme hat zumindest Trainer Steffen Baumgart von Schlusslicht SC Paderborn keine ausgemacht: „Die Jungs stehen im Saft.“ Für die Wettkampfhärte müsste dennoch nach Ostern das komplette Mannschaftstraining wieder erlaubt sein, ansonsten scheinen Ligaspiele Anfang Mai illusorisch. Dafür bedarf es jedoch der Genehmigungen durch die örtlichen Behörden – länderübergreifend.