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Geisterspiele im Fußball sind weiter fraglich

Das sagt ein Virologe : Die Fragen zu Geisterspielen bleiben offen

Die Politik konnte dem Profifußball am Mittwoch nicht die erhofften Erkenntnisse liefern. Die Frage nach einer Saison-Fortsetzung mit Geisterspielen bleibt damit weiter offen.

Der Spuk ist noch lange nicht vorbei, die Geisterspiele bleiben eine vage Hoffnung: Hinter dem Saison-Neustart im Profifußball steht weiter ein großes Fragezeichen, das positive Zeichen der Politik blieb vorerst aus. Entgegen der Erwartungen bei den Clubs verständigten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch noch nicht darauf, den Weg für Partien unter Ausschluss der Öffentlichkeit trotz der Corona-Pandemie ab Mai freizumachen.

Damit müssen die 36 Proficlubs weiter um ihre Existenz bangen. Eine Entscheidung soll erst bei der nächsten Konferenz der Kanzlerin mit den Länderchefs am 30. April fallen. „Die Bundesliga war kein Thema. Sie wird im nächsten Schritt Thema sein. Ob Geisterspiele möglich sind, werden wir dann diskutieren“, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bei der Pressekonferenz am Mittwochabend. Bei ihrem nächsten virtuellen Krisentreffen am 23. April müssen die Vereine den Wiederbeginn also erneut ohne konkrete Vorgaben der Politik planen.

Da die öffentlichen Restriktionen vorerst bis zum 3. Mai verlängert wurden, könnte der Ball im besten Fall wohl ab dem 8. Mai (Freitag) wieder rollen. Seit einigen Tagen wird bei den Clubs in Kleingruppen trainiert, um sich auf den „Tag X“ vorzubereiten. Da der Profifußball damit gerechnet hat, dass es in diesem Jahr keine Partien mit Publikum mehr gibt, war er auf das Verbot der Großveranstaltungen bis zum 31. August eingestellt. Die Spielzeiten der Bundesliga und der 2. Liga sind seit Mitte März unterbrochen. Es stehen jeweils noch neun Spieltage aus.

Zuletzt wurde über die Zahl von 239 Personen spekuliert, die für den Ablauf eines „Geisterspiels“ zugelassen werden soll. Zudem benötigt der Profifußball etwa 20 000 Corona-Tests für die ausstehenden Begegnungen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) geht in diesem Zusammenhang von einer deutschlandweiten Testkapazität von mindestens 550 000 pro Woche aus. Die Argumentation ist klar: Angesichts einer Kapazität von mehreren Millionen über mehrere Wochen hinweg sind 20 000 Tests für den Profifußball in diesem Zeitraum vertretbar.

Vor den Beratungen der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten hatte die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina empfohlen, „sportliche Veranstaltungen nach und nach“ wieder zu ermöglichen. Konkret wurden die Experten allerdings nicht. Die Lockerungen sollen „in Abhängigkeit von der möglichen räumlichen Distanz und den Kontaktintensitäten der Beteiligten“ geprüft werden. Die DFL arbeitet bereits seit Wochen an der Logistik für die Austragung von Partien unter Ausschluss der Öffentlichkeit. „Wir werden bereit sein“, versprach DFL-Boss Christian Seifert zuletzt, er sagte aber auch: „Es darf nicht der Eindruck entstehen, der Fußball ignoriere in seiner Selbstbezogenheit die Realität.“

Diesen Eindruck will der Profifußball auch bei seiner Sitzung in der kommenden Woche vermeiden. Dennoch geht es in erster Linie um die 770 Millionen Euro, die bei einem Saisonabbruch verloren gehen könnten. Laut dem kicker droht 13 der 36 Clubs die Pleite, falls der Ball in den kommenden Wochen immer noch nicht rollen sollte.

Mitentscheidend dürfte sein, wie der Fußball garantieren kann, dass durch die Ausführung der Spiele keine Gefahren einer Ansteckung bestehen und dass es keinen negativen Effekt für die Allgemeinheit geben wird. Das Szenario für einen Wiederbeginn wird derzeit von der DFL-Taskforce unter der Leitung von Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer aus Saarbrücken erarbeitet.