Der Schock ist groß: VfB Stuttgart steigt in die 2. Bundesliga ab

Nach der verlorenen Relegation gegen Union Berlin : Beim VfB Stuttgart sitzt der Schock des Abstiegs tief

Schwaben müssen zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte in die 2. Liga. Gomez bleibt wohl, Verbleib von Gentner und Zieler noch nicht geklärt.

Als die Chartermaschine um kurz nach zwei Uhr morgens in Stuttgart landete, begleitete den VfB-Tross neben dem Makel des Absteigers auch eine gespenstische Stimmung. Mario Gomez und Co. schlichen nahezu wortlos und sichtlich mitgenommen durch die menschenleeren Hallen, Fans waren weit und breit nicht in Sicht. Beschimpfungen blieben dem neuen Zweitligisten somit zwar erspart, doch die Trauer über den Absturz aus der Eliteliga des deutschen Fußballs schmälerte das nicht.

„Es war eine Horrorsaison – von Anfang bis Ende“, hatte Stuttgarts scheidender Interimstrainer Nico Willig vor dem Abflug aus Berlin mit leiser Stimme gesagt. Kapitän Christian Gentner bezeichnete den dritten Bundesliga-Abstieg des VfB nach 1975 und 2016 als „schwarzen Tag“ und berichtete aus der VfB-Umkleide: „Erwachsene Männer, die Tränen verdrücken.“

Wie ein Häufchen Elend trat auch Thomas Hitzlsperger nach dem 0:0 im Relegations-Rückspiel beim Zweitligadritten vor die Presse. „Das ist heftig, sehr heftig“, sagte der Sportvorstand und blickte verschämt zu Boden. Auf die Frage, was sich für die 2. Liga ändern müsse, zuckte der Ex-Nationalspieler ratlos die Schultern: „Das kann ich jetzt nicht beantworten.“

Hitzlsperger wird schnell Antworten finden müssen, allein um den umstrittenen Präsidenten Wolfgang Dietrich vor der vermutlich turbulenten Mitgliederversammlung am 14. Juli aus der Schusslinie zu bringen. Dietrich ist sicher: „Der VfB steigt wieder auf!“ Zuerst steht aber die Aufarbeitung der Katastrophensaison mit nur 28 Punkten an. „Wir haben alle viel falsch gemacht“, sagte Hitzlsperger. Dem seit Februar verantwortlichen Sportvorstand kann man ankreiden, zu lange am glücklosen Trainer Markus Weinzierl festgehalten zu haben. Doch der Hauptgrund für den verpassten Klassenverbleib war, dass der von Vorgänger Michael Reschke zusammengestellte Kader den Ansprüchen nicht genügte und für den Abstiegskampf nicht geeignet war.

Hitzlsperger wird sich in den kommenden Tagen mit dem neuen Trainer Tim Walter (von Holstein Kiel) und Sportdirektor Sven Mislintat beraten – beide anerkannte Fachleute in der Szene. „Ich erhoffe mir“, sagte Hitzlsperger, „dass wir zusammen neue Impulse setzen und alle aufrichten können, die in der Zukunft auch bei uns sind.“

Aber wer ist das? Kapitän Gentner (Vertrag läuft aus) und Torhüter Ron-Robert Zieler (Vertrag bis 2020) ließen unmittelbar nach dem Abstieg ihre Zukunft offen. Großverdiener Gomez, zuletzt nur Ersatz im Sturm, will bleiben. „Mario will mithelfen, den sportlichen Schaden zu reparieren. In dieser Lage wird er den Verein nicht verlassen“, sagte sein Berater Uli Ferber am Dienstag. Der 33-Jährige hat bei den Schwaben noch einen Vertrag bis 2020.

Die gute Nachricht für alle VfB-Fans: Bis auf Abwehr-Talent Ozan Kabak, der im Vertrag eine Ausstiegsklausel in Höhe von 15 Millionen Euro besitzt, hat der Club das Heft des Handelns in eigener Hand. Notverkäufe sind wegen weiterlaufender Sponsorenverträge und der zu erwartenden Treue der Fans nicht zwingend. Die Voraussetzungen für eine sofortige Rückkehr in die Bundesliga sind damit deutlich besser als noch beim letzten Abstieg 2016 – doch die Konkurrenz ist es auch. Vor allem Hannover 96, der Hamburger SV und der 1. FC Nürnberg dürften dem VfB Stuttgart das Leben schwer machen.

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