Meistertitiel für Juventus Turin, Paris St. Germain und PAOK Saloniki

Auslandsfußball : Ausgelassene Freude sieht anders aus

Juventus Turin und Paris St. Germain sichern sich die Meistertitel im Vorbeigehen. Partystimmung dagegen in Saloniki.

In Europas großen Fußball-Ligen sind am Wochenende die ersten Entscheidungen gefallen: Die Abonnement-Champions Juventus Turin und Paris St. Germain trösteten sich mit den Meistertiteln in Italien und Frankreich über ihre geplatzten Champions-League-Träume hinweg. Die Fans von PAOK Saloniki sorgten für ein gigantisches Pyro-Meer, nachdem sich der Traditionsclub erstmals seit 34 Jahren die Meisterschaft gesichert hatte.

Keine Vorentscheidung fiel dagegen in England, wo Manchester City sein Tottenham-Trauma aus der Champions League mit einem 1:0 gegen denselben Gegner überwand. Die Tabellenführung verteidigte drei Spieltage vor Schluss zwar der FC Liverpool (2:0 bei Cardiff City) erfolgreich, City kann die Reds mit einem Sieg im Nachholspiel an diesem Mittwoch beim Stadtrivalen Manchester United (0:4 beim FC Everton) aber an der Spitze ablösen.

In Turin fielen die Feierlichkeiten auf dem zentralen San-Carlo-Platz im historischen Stadtzentrum eher zurückhaltend aus – der achte Scudetto in Folge ist Rekord und fiel zu deutlich aus, um Fans und Spieler in Ekstase zu versetzen. Fünf Spieltage vor Schluss hat Juve mit Sami Khedira und Emre Can 20 Punkte Vorsprung auf den SSC Neapel. Tuttosport schrieb schon beinahe gelangweilt vom „endlosen Scudetto“. Zudem sitzt bei Cristiano Ronaldo und Co. der Stachel des Champions-League-Aus gegen Ajax Amsterdam noch tief. Zu groß ist Turins Sehnsucht nach dem ersten Königsklassen-Triumph seit 23 Jahren, den Ronaldo („Ich bleibe zu 1000 Prozent“) und Trainer Massimiliano Allegri der Alten Dame nun im kommenden Jahr bescheren sollen.

Ähnlich verhält sich die Lage in Paris. Der Champions-League-Titel ist das Ziel, die sechste Meisterschale in den vergangenen sieben Jahren nahm PSG in einer Liga mit überforderten Gegnern im Vorbeigehen mit. Auch wenn es für Thomas Tuchel eine Titelpremiere war – mehr als ein kurzes Lächeln huschte dem PSG-Trainer nicht über das Gesicht. Schlecht für die Stimmung im Pariser Rumpfteam (Tuchel: „Ich habe keine Spieler mehr“) war auch die Vergabe von drei Matchbällen. So machte Toulouse den Hauptstadtclub am Sonntagnachmittag mit einem 0:0 gegen Verfolger OSC Lille zum Meister. Immerhin durfte PSG den Titel Stunden später mit einem 3:1 gegen den AS Monaco und der Rückkehr des monatelang verletzten Stars Neymar feiern.

Bei der anschließenden Champagner-Dusche in der Kabine war Tuchel nicht dabei. Immerhin konnte er sich freuen, dass Weltmeister Kylian Mbappé, dreifacher Torschütze gegen die Monegassen, auch weiter für PSG auf Torejagd gehen will und nicht zu Real Madrid wechselt. „Ich habe mich diesem Projekt verschrieben“, sagte er.

Der wiedergenesene Neymar (oben) und Presnel Kimpembe feiern den Titelgewinn von PSG. Foto: AP/Michel Euler

Ganz anders fühlte sich der Titel für PAOK Saloniki an. In der Vorsaison nach Ausschreitungen (PAOK-Präsident Ivan Savvidis mit einer Waffe im Anzug aufs Feld) und Punktabzug um die Meisterschaft betrogen gefühlt, brachen in Saloniki nach dem 5:0 gegen Levadiakos und der ersten Meisterschaft nach 34 Jahren alle Dämme. Beim Spieler-Korso im offenen Bus säumten 100 000 Menschen die Straßen, mit Pyrotechnik und Hupkonzerten feierten die Anhänger den erlösenden Titelgewinn friedlich.

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