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Alternative zum DFB wächst heran

Fußball : Alternative zum DFB wächst heran

Die Confederation of Football aus Leipzig plant den Aufbau eigener Spielbetriebe.

Zu abgehoben, zu mächtig, kein echter Reformwille – René Jacobi macht dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) seit Jahren schwere Vorwürfe und belässt es nicht bei Worten. Der frühere Schiedsrichter hat 2018 in Leipzig mit der Confederation of Football (CoF) einen alternativen Fußball-Verband gegründet, der vieles anders machen will als der DFB.

Seit einigen Tagen ist Jacobi wieder verstimmt, die Wahl von Fritz Keller an diesem Freitag zum neuen DFB-Präsidenten passt ihm nicht. „Wie Herr Keller ins Amt gehievt wurde, zeigt, dass der DFB und seine Verantwortlichen berechtigte Kritik ignorieren“, sagt Jacobi. Es habe im Vorfeld der Wahlen nur einen einzigen Kandidaten gegeben, mit dem gesprochen wurde, „alle anderen hatten keine Chance“, kritisiert der CoF-Chef.

Die Wahl des DFB-Präsidenten ist aber nur ein Punkt, der Jacobi stört. Das wohl größte Problem sieht der CoF-Gründer in der Monopolstellung des DFB. Von der Kreisliga bis zur 3. Liga kontrollieren der DFB und seine Regional- und Landesverbände sämtliche Spiele, ist nahezu alleiniger Veranstalter im deutschen Amateurfußball. Außerdem vertritt der DFB im Weltverband Fifa und in der Europäischen Fußball-Union (Uefa) deutsche Fußball-Interessen.

Das soll sich ändern. Jacobi und seine Mannschaft sind angetreten, um vor allem in den unteren Klassen eine echte Konkurrenz zu werden. „Mit mir haben viele Leute den Eindruck, dass der DFB den Kontakt zur Basis verloren hat. Den wollen wir wiederherstellen“, sagt Jacobi, beruflich als Unternehmensberater für Kundenservice-Organisationen tätig. In spätestens zwei Jahren will die CoF ihren eigenen Ligabetrieb führen. „Das ist ein erster Schritt. Der Spielbetrieb soll sich dann mehr und mehr ausweiten“, berichtet Jacobi. Mit einem Angebot richtet sich die CoF bereits jetzt an Schiedsrichter, die ein deutlich praxisnäheres Training erhalten sollen als beim DFB. 35 Mitglieder an unterschiedlichen Standorten in Deutschland arbeiten derzeit ehrenamtlich für die CoF. Das Netzwerk soll sich bewusst langsam ausbreiten. „Wir könnten mit plötzlich 1000 neuen Mitgliedern gar nichts anfangen, wir müssen die Strukturen behutsam entwickeln“, meint Jacobi, der selbst lange als Schiedsrichter im Amateurfußball tätig gewesen war.

Erste Erfolge kann der neue Verband bereits vorweisen. Für einen Leipziger Vorortclub organisierte die CoF sowohl für die Herren- als auch für die Frauenmannschaft internationale Freundschaftsspiele gegen einen Club aus Prag. „Das war ein großer Spaß. Vereine aus den unteren Amateurklassen kommen nur selten in den Genuss von internationalen Spielen. Das wollen wir ändern“, betont Jacobi.

Bei seinen ersten Gehversuchen verspürt der neue Verband allerdings auch Gegenwind. Der Fußballverband der Stadt Leipzig (FVSL) wies in einem Rundschreiben an alle im DFB organisierten Vereine daraufhin, dass eine Teilnahme an alternativen Spielbetrieben genehmigungspflichtig sei und drohte mit Sportgerichtsverfahren. „Auch dagegen müssen wir uns wehren“, sagt Jacobi.

Der Hauptsitz des neuen Verbandes liegt pikanterweise in Leipzig, dort wo auch der DFB im Jahr 1900 gegründet wurde. Jacobi hat die Confederation of Football im Jahr 2018 bewusst auch am 28. Januar ins Leben gerufen – auf den Tag genau 118 Jahre nach der DFB-Gründung.

cof.one