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Ingolstadt-Krise
Fehlstarter Nouri ernüchtert: Profis „schon im Winterschlaf“

Trainer Alexander Nouri steckt mit dem FC Ingolstadt im Tabellenkeller. Foto: Armin Weigel
Trainer Alexander Nouri steckt mit dem FC Ingolstadt im Tabellenkeller. Foto: Armin Weigel FOTO: Armin Weigel
Ingolstadt. Alexander Nouri beschönigte nichts, gar nichts. Nach seinem Fehlstart mit dem FC Ingolstadt wählte der neue Trainer klare Worte. Von Klaus Bergmann, dpa

Der 39-Jährige war nach dem 1:2 bei seiner Heimpremiere in der 2. Fußball-Bundesliga gegen Union Berlin nicht nur ernüchtert, sondern höchst irritiert von seinen Spielern. „Die Bereitschaft, die auf der anderen Seite da war, hat in der ersten Halbzeit bei uns gefehlt“, sagte Nouri. Dann fügte er einen Satz hinzu, der seinen Frust offenbarte: „Ich muss sagen: Es ist jetzt Herbst, aber ich hatte das Gefühl, dass unsere Mannschaft die ersten Halbzeit schon im Winterschlaf war. Alle Tugenden, die du in der 2. Liga brauchst, um Punkte zu sammeln, hat sie vermissen lassen.“


Rumms, das saß. Nouri dürfte am Montagabend klar geworden sein, dass er beim ehemaligen Bundesligisten, der einen der teuersten Kader der 2. Liga beschäftigt, vor einer sehr herausfordernden Aufgabe steht. Nach vier Niederlagen am Stück deutet der Trend auf Abstiegskampf.

„Es ist kurz in der Saison, aber die Alarmglocken sollten schon klingen“, erklärte Mittelfeldspieler Konstantin Kerschbaumer. Der eingewechselte Angreifer Stefan Kutschke sagte, er müsse „auf die Wortwahl aufpassen“. So geladen war er. „Wir müssen langsam wach werden!“ Es sei lange ein Auftritt „ohne Mut“ und „ohne Herz“ gewesen: „Wie willst du da weiterkommen?“ Kutschke erzielte nach einem Foulelfmeter in der Schlussphase das Anschlusstor. Die griffigen und reiferen Berliner verdienten sich den Sieg mit den Toren von Elfmeterschütze Sebastian Andersson und Akaki Gogia.



„Wir waren bereit für die Aufgabe“, lobte Union-Coach Urs Fischer sein Team. Er sprach damit den wesentlichen Unterschied an. „Wir haben erst ab der 60. Minute angefangen zu fighten, die Leidenschaft und den Kampfgeist an den Tag zu legen, den du brauchst in der Liga“, stellte dagegen Nouri fest: „Es geht darum, ans Limit zu gehen.“

Natürlich hatte Nouri das wohl schwerstmögliche Startprogramm. Erstes Spiel beim Spitzenreiter 1. FC Köln, zweites Spiel gegen die aktuelle Nummer zwei der Liga, Union Berlin. Zweimal 1:2, keine Punkte - der Stimmungsumschwung nach dem Trainerwechsel scheint schon verflogen.

Es gebe keinen Schalter, um eine Krisensituation auf Knopfdruck zu beheben, bemerkte Nouri. Sein neues Spielsystem mit Dreierkette und zwei Stürmern greift noch nicht. Nouri fordert Zeit: „Die Arbeit hat jetzt erst begonnen.“ Er sieht viel Potenzial in einem Team, das auf dem Platz nicht als Einheit auftritt und funktioniert. Kutschke empfahl allen mehr Selbstkritik: „Jeder muss bei sich anfangen.“

Die Tage bis zum Heimspiel am kommenden Sonntag gegen den Aufsteiger SC Paderborn will Nouri auch dazu nutzen, „das Bewusstsein für die Situation zu schärfen“. Im Kreis auf dem Platz habe er den Jungs direkt nach der Niederlage gesagt: „Du musst nicht warten, bis dir einer die Hand reicht, sondern du musst dir selbst helfen. Du bekommst nichts geschenkt, sondern du muss es dir erarbeiten.“

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