| 12:17 Uhr

Sportchef Becker warnt
Die Minimalisten vom HSV: Mit knappen Siegen an die Spitze

 Hamburgs Lewis Holtby (r) und Orel Mangala feiern nach dem 1:0-Sieg über Dresden. Foto: Christian Charisius
Hamburgs Lewis Holtby (r) und Orel Mangala feiern nach dem 1:0-Sieg über Dresden. Foto: Christian Charisius FOTO: Christian Charisius
Hamburg. Wer aufsteigen will, muss auch Glück haben. Wie Fußball-Zweitligist Hamburger SV am Montagabend gegen Dynamo Dresden. Zwar überlegen gespielt, aber doch nicht zielgerichtet, zwar dominant, aber nicht zwingend. Von Franko Koitzsch, dpa

Erst Kapitän Lewis Holtby hatte den 1:0-Siegtreffer nach grobem Abwehrschnitzer der Dresdner fünf Minuten vor Schluss erzielt und damit die Vier-Punkte-Führung vor dem Aufstiegsfavoriten 1. FC Köln zementiert. In den Jubel anschließend wollte der HSV-Sportvorstand nicht einstimmen. „Das war keine gute Leistung. Das muss man ganz klar so sagen“, befand Ralf Becker und dämpfte die Euphorie.


Der 48-Jährige blieb kritisch trotz der Gratulanten, die dem HSV den 96-prozentigen Aufstieg in die Bundesliga prophezeien. Schiefgehen, so die Meinung der Optimisten, könne nun nicht mehr viel. Schließlich haben in der Liga-Historie von 27 Mannschaften mit mindestens 43 Punkten zu diesem Zeitpunkt der Saison 26 den Sprung ins Oberhaus geschafft.

Becker tut das als Geschwafel ab. „Nach dem Euphorie-Abend gegen Nürnberg, wo alle schon wieder von großen Zeiten geträumt haben, war das heute wieder eine Landung auf dem Boden der Tatsachen“, zürnte der Sportchef und hatte den Trainer auf seiner Seite. „Wir nehmen einige Themen mit, die wir besser machen müssen“, betonte Hannes Wolf.



Der HSV pflegt auf seinem Weg zurück in die Bundesliga ein Paradoxon: Mit den wenigsten Toren unter den Aufstiegskandidaten hamstert er die meisten Punkte: 28 erzielte Tore, 43 Punkte. Verfolger 1. FC Köln hat bei stattlichen 51 Toren nur 39 Zähler. Auch das dann folgende Trio mit 37 Punkten ist treffsicherer: Heidenheim (35), St. Pauli (35), Union Berlin (33).

Die Hamburger sind Minimalisten. Zehn ihrer 13 Siege gelangen mit nur einem Tor Vorsprung, davon fünf mit 1:0 und vier mit 2:1. „Ein Tor Unterschied reicht uns“, erwiderte Innenverteidiger Rick van Drongelen. Was aber an der Spielweise der Hamburger auffällt: Deutlich mehr Ballbesitz als der Rivale in den meisten Begegnungen schlägt bei den Norddeutschen nicht in mehr Torchancen und schon gar nicht in größere Effektivität um. Es fehlen nicht selten präzise Zuspiele, tödliche Pässe, Überraschungsmomente.

Pierre-Michel Lasogga, mit neun Treffern bester HSV-Schütze, räumte ein: „Wir haben nicht immer die torreichsten Partien.“ Er sieht es jedoch pragmatisch. „Im Endeffekt ist es wichtig, dass wir die Siege holen. Wir haben wahnsinnige Qualitäten, dass wir immer bis zur letzten Minuten gefährlich sein können.“

Die Hamburger müssen auswärts jetzt ausnahmslos gegen Teams aus der oberen Tabellenhälfte antreten. Die restliche Rückrunde wird folglich komplizierter als die Hinrunde, in der die Mannschaft in fremden Gefilden sieben Punkte mehr als zu Hause geholt hat. An den beiden nächsten Spieltagen folgen Partien in Heidenheim (4.) und Regensburg (9.). Zwei Auswärtsspiele standen in der Rückrunde schon an. Ergebnis: zwei Niederlagen.

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