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Interview mit DEG-Kapitän Alexander Barta
„Deutsche Spieler brauchen mehr Eiszeit“

Alexander Barta
Alexander Barta FOTO: dpa / Uwe Anspach
Der Kapitän der Düsseldorfer EG (35) spricht im Interview über den starken Saisonstart und die seiner Meinung nach mangelnde Eishockey-Euphorie im Land. DEG-Trainer Harold Kreis stellt er ein gutes Zeugnis aus. Von Bernd Jolitz

Alexander Barta (35) hat bei der DEG schon bittere Zeiten erlebt. In seiner ersten Saison am Rhein lief es überhaupt nicht, doch mittlerweile ist er als Kapitän und Torjäger die unumstrittene Führungsfigur im Team des achtmaligen deutschen Eishockey-Meisters.


Herr Barta, Sie haben sich während der Vorbereitung noch recht skeptisch geäußert. Hat Sie der starke Saisonstart der DEG überrascht?

BARTA Sagen wir mal so: Dass wir die ersten sechs Saisonspiele allesamt gewinnen, damit hatte ich ganz sicher nicht gerechnet. Aber das hat nicht nur mich überrascht.



Ist Ihr Team wirklich so stark?

BARTA Man darf jetzt nicht ständig die rosarote Brille tragen. Das habe ich nach unserem Sieg in der Vorbereitung in Krefeld nicht getan, und ich setze sie auch jetzt noch nicht auf. Wir haben doch gegen Nürnberg am Sonntag gesehen, wie schnell es gehen kann, wenn wir unsere Vorgaben nicht erfüllen und nicht unser Spiel spielen.

Aber Sie haben doch 4:3 gewonnen?

BARTA Ja, aber es war dennoch unser schlechtestes Saisonspiel. Wenn wir öfter so auftreten, dann war es das bald mit der Siegesserie.

Macht es nicht gerade eine gute Mannschaft aus, dass sie ihre schlechten Spiele gewinnt?

BARTA Stimmt, aber das bezieht sich dann eher auf Spiele, in denen es einem körperlich nicht so gut geht oder die Schiedsrichter merkwürdig pfeifen. Wir wären es gegen Nürnberg selbst schuld gewesen, weil wir viel zu viele Scheibenverluste hatten und die Ice Tigers eingeladen haben.

Was macht die Stärke der DEG aus?

BARTA Es kommt vieles zusammen. Wir haben Qualität hinzubekommen durch unsere Zugänge, haben jetzt vier Sturmreihen, die allesamt Spiele entscheiden können. Früher gab es bei der DEG oft nur eine Reihe, die gepunktet hat. Zudem spielen wir defensiv sehr diszipliniert und sind richtig gut in Unterzahl.

Trainer Harold Kreis lobt gern Ihren Teamgeist…

BARTA …und das ist ja auch richtig so! Wir marschieren alle in eine Richtung. Der gute Saisonstart hat natürlich das Fundament dafür gelegt. Man kann auch mal Kritik üben, ohne dass der Angesprochene gleich beleidigt ist. Dieses Jahr sind wir uns einig, Kritik wird angenommen. Jeder weiß, was er zu tun hat.

Ist das das Verdienst des Trainers?

BARTA Grundsätzlich wusste auch letztes Jahr jeder, was er zu tun hat – nur ist es an der Umsetzung gescheitert. Harry kriegt es hin, dass wir ihm alle folgen. Er hat eine Art an sich, dass alle zufrieden sind. Wir vertrauen ihm, dass unser Weg der richtige ist. Das ist die Qualität eines Trainers. Aber auch die Mannschaft hat es gut hingekriegt, wir haben eine Reihe von Führungsspielern.

Wobei Philip Gogulla sagt, dass Kenny Olimb und Sie das Sagen haben.

BARTA Philip gehört auch zu den Führungsspielern. Man wird es nie hinkriegen, dass alle 25 Spieler der gleichen Meinung sind. Aber andere Meinungen müssen akzeptiert werden. Bei uns ist der Respekt gegeben. Wir haben uns gesucht und gefunden. Aber wir haben bisher auch nur gewonnen – interessant wird’s, wenn es mal schlecht läuft. Aber ich bin guter Dinge.

Die erste Niederlage wird sicher kommen, aber es muss nicht gleich am Dienstag gegen Ihren Heimatklub Eisbären Berlin sein, oder?

BARTA Nein, das darf ruhig noch ein bisschen dauern.

Ihre persönliche Geschichte bei der DEG ist kurios. Sie kamen mit großen Hoffnungen, und im ersten Jahr gelang gar nichts. Was hat den Schalter so nachhaltig umgelegt?

BARTA Das Wichtigste war, dass ich das Vertrauen des Vereins, von Geschäftsführer Stefan Adam und von Manager Niki Mondt, gespürt habe. Dann lag der Ball auf meiner Seite, und da hat mir mein Ehrgeiz geholfen. Ich habe mir gesagt: Das bin nicht ich, so will ich nicht spielen.

Zum deutschen Eishockey: Spüren Sie nach Olympia-Silber noch etwas von der Euphorie?

BARTA Ein wenig schon, in persönlichen Gesprächen. Aber mir ist das noch zu wenig mit der Euphorie nach einem solchen Riesenerfolg. Es ist noch viel Luft nach oben.

Woran hapert es noch?

BARTA Die jungen deutschen Spieler brauchen mehr Eiszeit. Als ich 2001 anfing, haben wir mit 13 Ausländern gespielt, jetzt sind es neun. Die Reduzierung geht mir nicht schnell und nicht weit genug. Die DEG hat vor Jahren aus finanzieller Not heraus junge Leute wie Bernhard Ebner oder Manuel Strodel spielen lassen. Freiwillig hätte der Klub das wohl nicht getan. Jetzt zahlt es sich aus. Bernhard und Manuel sind großartige DEL-Spieler geworden. Unserer ganzen Sportart würde es gut tun, wenn mehr Deutsche spielten.

Bernd Jolitz führte das Gespräch.