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Deutscher Turner-Bund: Pauline Schäfer kritisiert Untersuchungen

Kritik am Deutschen Turner-Bund : Pauline Schäfer zu Untersuchungen: „Nicht wirklich aktives Handeln“

Ex-Weltmeisterin Pauline Schäfer hat die Untersuchungen wegen Fehlverhaltens ihrer früheren Trainerin in Gang gebracht. Mit der bisherigen Aufarbeitung ist die Turnerin aber nicht zufrieden. Auch eine persönliche Entschuldigung habe es bisher nicht gegeben, so die Saarländerin.

Die Aufarbeitung der Vorwürfe von Athleten gegen die Chemnitzer Turntrainerin Gabriele Frehse durch den Deutschen Turner-Bund geht der früheren Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer nicht weit genug. „Entgegen den Äußerungen, die ich aus der Presse entnehmen konnte, ist bis heute keine persönliche Entschuldigung seitens des DTB bei mir erfolgt. Niemand hat sich bei einer der Betroffenen gemeldet“, sagte die 23 Jahre alte Turnerin, die seit ihrem 15. Lebensjahr am Stützpunkt Chemnitz trainiert, am Samstag. DTB-Präsident Alfons Hölzl hatte sich tags zuvor stellvertretend für den Turnsport bei den Athletinnen für das Leid entschuldigt, das sie erfahren haben.

Bis heute habe es auch kein Bedürfnis beim DTB gegeben, über den von ihr angesprochenen Medikamentenmissbrauch bei Turnerinnen am Stützpunkt zu sprechen, beklagte Pauline Schäfer. „Da kam von Seiten des DTB überhaupt nichts. Das ist enttäuschend. Da entsteht der Eindruck, dass von den Funktionären die Wichtigkeit dieser Thematik einfach nicht empfunden wird. Das ist für uns erschreckend“, fügte die Saarländerin hinzu. DTB-Präsident Hölzl sagte dazu: „Der Vorwurf der Medikamentenabgabe, in einem Fall Tilidin, ist durch die von uns beauftrage Kanzlei bestätigt worden. Frau Frehse wurde daraufhin nach unserer Aufforderung durch den Olympiastützpunkt abgemahnt.“

Der Deutsche Turner-Bund hatte am Freitag mitgeteilt, er halte „schwerwiegende Pflichtverletzungen“ für erwiesen. In einer Stellungnahme hatte der Verband die Beendigung des Arbeitsverhältnisses von Trainerin Frehse durch den Olympiastützpunkt Sachsen gefordert. Neben Schäfer hatten ihr auch andere Turnerinnen vorgeworfen, sie im Training schikaniert, Medikamente ohne ärztliche Verordnung verabreicht und keinen Widerspruch zugelassen zu haben.

„Ob die vom Turnerbund geforderte Entlassung nun wirklich passiert, steht noch in den Sternen. Ich sehe da nicht wirklich ein aktives Handeln“, kritisierte Schäfer. „Es kommt mir so vor, als würde sich der Vorstand des DTB jetzt in ruhigen Gewässern wissen. Aber ich
sehe nicht die Dringlichkeit, die in so einem Fall nötig wäre.“

Die Trainerin hatte die Vorwürfe mehrfach bestritten, über die im Vorjahr der „Spiegel“ zuerst berichtet hatte. Es handele sich um haltlose Anschuldigungen und Unwahrheiten. Der DTB hatte eine Frankfurter Kanzlei mit der Aufklärung des Falls beauftragt. Das Gutachten kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass „in 17 Fällen hinreichende tatsächliche Anhaltspunkte für die Anwendung psychischer Gewalt durch die Trainerin vorliegen“.

Darüber hinaus will der DTB auch Strukturreformen und einen Kulturwandel einleiten. Das Geschehen und das Gutachten böten Anlass, „den Turnsport in Deutschland insgesamt mit seinen Strukturen zu hinterfragen und zu reformieren“, hieß es.

(dpa)