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Düsseldorf/Pyeongchang
Der Wert des Goldes

Über die Prämie eines deutschen Olympiasieger können Kontrahenten aus anderen Nationen nur lachen. In einem Land allerdings gibt es nur ein Plüschtier für Platz eins. Steven Wiesner

Als Kombinierer Eric Frenzel am Mittwochmorgen deutscher Zeit die Ziellinie im Alpensia-Skilanglauf-Stadion überquerte, werden ihm viele Dinge durch den Kopf gegangen sein. Vielleicht an den Sprung von der Schanze Stunden zuvor, der ihn mit einem Rückstand von 36 Sekunden auf den Führenden in die Loipe schickte. Womöglich die Aufholjagd in der Spur, mit der er diesen Verzug wieder wettmachte. Am ehesten wohl sein Antritt am letzten Anstieg, der ihm die zweite olympische Goldmedaille nach 2014 sicherte. Oder einfach nur ein warmes Bett nach kräftezehrenden zehn Kilometern auf der Piste. Woran er im Moment des Triumphs keinen Gedanken verschwendet haben dürfte, ist die Prämie, die ein deutscher Olympionike von Pyeongchang einstreicht. Dabei sorgt gerade der Wert des Goldes für Gesprächsstoff bei diesen Spielen.



Schon bei den Sommerspielen in Rio vor zwei Jahren hatte Schwimmer Markus Deibler Aufsehen erregt, als er sich darüber echauffierte, dass jemand, der im Dschungelcamp die meisten Maden runterschluckt, mit 150.000 Euro mehr Geld verdient als ein Olympiasieger (siehe Grafik). Er hätte auch Formate wie "Germanys Next Topmodel" oder "Deutschland sucht den Superstar" als Beispiele heranziehen können. Der DSDS-Gewinner ist sogar um eine halbe Million Euro reicher als vor der Show.

Sportler wie Frenzel dagegen, die Gold gewinnen und Deutschland im Medaillenspiegel gut dastehen lassen, bekommen 20.000 Euro. Das sind 5.000 Euro mehr als noch bei den Sommerspielen 2012 in London, nach denen die Vergütung erstmals seit 14 Jahren wieder aufgestockt wurde, und auch 3.000 Euro mehr als in Österreich, wo Olympiasieger ein Münzen-Set im Wert von 17.000 Euro erhalten. Es sind damit aber immer noch weniger als anderswo. Um nicht zu sagen sehr viel weniger.

Spitzenreiter im Prämienspiegel ist Italien, das einen Olympiasieger mit 150.000 Euro belohnt und noch 120.000 Euro auf die nächsten vier Jahre verteilt oben drauf packt. Es folgen Lettland (einmalig 140.000 Euro), Bulgarien (127.000 Euro) und Litauen, das neben den 115.800 Euro noch ein Auto spendiert. Man mag richtigerweise zu bedenken geben, dass solche Nationen ja auch erheblich seltener in den Genuss kommen, einen Olympiasieger zu prämieren. Bis auf Italien hat soweit keiner der genannten Verbände auch nur eine einzige Medaille gewonnen. Aber auch große Sportnationen, die im ewigen Medaillenspiegel mit Deutschland konkurrieren, lassen sich einen Olympiasieger etwas mehr kosten als der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB).

In Russland, dessen Nationales Olympisches Komitee für Pyeongchang gesperrt ist, bekommen Goldmedaillengewinner unter neutraler Flagge das Dreifache von dem, was ihnen hierzulande zustehen würde. Zu der Einmalzahlung von 56.700 Euro gesellen sich nämlich noch ein Luxusauto sowie weitere verhandelbare Boni. Und die USA schütten etwa 30.365 Euro an ihre Helden aus.



Interessante Prämienmodelle haben derweil andere Nationen entworfen. Polen beispielsweise liefert neben einem 50.000-Euro-Scheck eine monatliche Rente ab dem 40. Lebensjahr als Anreiz, die 620 Euro betragen soll. Auch Gastgeber Südkorea sichert seinen Goldathleten eine Art Rente zu mit einer lebenslangen Monatsvergütung von 747 Euro. Darüber hinaus werden diejenigen, die Gold bei den Heimspielen gewinnen, von der Wehrpflicht befreit.

Die Niederlande setzt auf ein Stufenmodell, nach dem ein Olympionike 25.500 Euro für das erste Gold bekommt, 16.830 für das zweite Gold und 8415 für das dritte Gold. Sollte Eisschnellläuferin Ireen Wüst nächste Woche also mit der Frauenstaffel olympisches Gold gewinnen, hätte die Regelung zur Folge, dass sie weniger Geld bekommt als ihre Kolleginnen, da sie schon einmal Gold bei diesen Spielen gewonnen hat über die 1500 Meter. Immerhin: Dieser Entwurf gilt immer nur für eine olympische Veranstaltung. Wüst bekommt 2018 also genauso viel Geld wie bei ihrem ersten Goldlauf 2006 in Turin.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass es Nationen gibt, die überhaupt keine Prämie ausloben. So erhält ein Olympiasieger aus Norwegen lediglich ein Stipendium in Höhe von 12.000 Euro. Allerdings reduziert sich selbiges auch gleich, sollte der betreffende Sportler mehr als 50.000 Euro im Jahr verdienen - und das trifft von vornherein auf die meisten zu. In Schweden gibt es nicht mal das. Dort darf ein Titelträger allein das Olympia-Maskottchen mit nach Hause nehmen.

Egal, aus welchem Land er stammt, hat ein Olympiasieger natürlich noch eine weitere Möglichkeit, an Geld zu kommen. Und zwar indem er seine Medaille veräußert. Das ist zugegebenermaßen nicht sonderlich romantisch, kann ihn aber noch im Nachgang zu einem Millionär machen. Eine Goldmedaille des amerikanischen Sprinters Jesse Owens von 1936 beispielsweise hat bei einer Versteigerung rund 1,5 Millionen Dollar eingebracht. Aber auch daran wird Eric Frenzel beim Erreichen der Ziellinie nicht gedacht haben.