| 15:15 Uhr

Textblöcke im Stadion
Mehr Transparenz für den Videobeweis

Nach den positiven Erfahrungen bei der WM haben die DFL und der DFB einige Neuerungen beim Videobeweis in der Bundesliga eingeführt. Eine betrifft die Zuschauer im Stadion direkt.

Neustart für den Videobeweis auf der Bundesligabühne: Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) haben aus den Fehlern der Vorsaison sowie den Erfahrungen der WM gelernt und das umstrittene Hilfsmittel für die Schiedsrichter reformiert. Künftig werden kurze Textblöcke auf den Videowänden das Geschehen im Stadion erklären. Die Video-Assistenten im Kölner Kontrollzentrum können zudem auf kalibrierte Abseitslinien zurückgreifen.


"Wir freuen uns sehr, dass diese Linien jetzt kommen", sagte Schiedsrichter Jochen Drees, der ab dem 1. Oktober hauptamtlich die Rolle des Videochefs beim DFB übernimmt: "Das wird uns helfen, noch mehr Sicherheit zu bekommen. Das sind faktische Entscheidungen, ähnlich wie bei der Torlinientechnik, bei denen wir jetzt ein technisches Hilfsmittel ohne Interpretationsspielraum bekommen."

Die Neuerungen werden schon beim Supercup am Sonntag (20.30 Uhr/ZDF) zwischen DFB-Pokalsieger Eintracht Frankfurt und dem deutschen Meister Bayern München angewendet. Durch Einspielungen der Stadionregie werden die Zuschauer über den Grund eines Eingriffs, der bei Torerzielung, Elfmeter, Roter Karte oder Spielerverwechslung erfolgen kann, sowie die finale Entscheidung des Unparteiischen auf dem Platz aufgeklärt. Dieselben Informationen stehen für Zuschauer an den TV-Bildschirmen zur Verfügung.



"Die Rollenverteilung zwischen dem Schiedsrichter auf dem Platz als Entscheider und dem Video-Assistenten als zusätzliche Unterstützung wurde in der Winterpause noch einmal präzisiert. Ebenso, dass es ausschließlich um klare und offensichtliche Fehlentscheidung geht. Die Suche nach Fehlern wurde nicht mehr detektivisch geführt, was zuvor zu einer deutlich höheren Anzahl an Checks geführt hatte", begründete DFB-Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich die Neuerungen.

Eingeflossen ist bei den Maßnahmen die Analyse der WM in Russland. Die Informationen für die Fans hatten dort zum Erfolg des Videobeweises beigetragen. In der vergangenen Bundesliga-Saison war lediglich angezeigt worden, dass der Video-Assistent eingreift - aber nicht, warum dies geschieht. Die virtuellen Abseitslinien hatte die DFL zu Beginn der vergangenen Spielzeit getestet, allerdings nach technischen Problemen wieder abgeschafft.

"Der Videobeweis war vergangene Saison extrem neu. Ich war immer sehr skeptisch, wurde dann auch bestätigt in der Vorrunde, die meiner Meinung nach katastrophal war. Die Rückrunde war klar besser. Ich war begeistert, wie der Videobeweis bei der WM umgesetzt wurde", sagte Bayer Leverkusens Sport-Vorstand Rudi Völler beimm Fußball-Gipfel der Rheinischen Post. Er begrüßt die Reform: "Der Fußball ist gerechter geworden."

DFL-Direktor Ansgar Schwenken hofft, dass die Verbesserungen von den Fans angenommen werden: "Von den nun vollzogenen Schritten, die immer weiter verbessert werden sollen, erwarten wir uns unter anderem eine noch stärkere Akzeptanz für den Video-Assistenten, der in der vergangenen Saison auch für die Fans doch ein völlig neues, gewöhnungsbedürftiges Element darstellte."

Die erfolgreiche Nutzung der Abseitslinie bei der WM wird von DFL und DFB als "Qualitätssiegel" für den Einsatz in der Bundesliga gewertet, zumal die in Russland tätigen deutschen Video-Assistenten die Abseitslinie als sehr hilfreich eingestuft haben. Unterstützung bietet bei besonders knappen Szenen zudem die Möglichkeit einer 3D-Variante.

Zudem wurde der Schiedsrichterfunk mit dem Videoassistenten optimiert. Darüber hinaus gehen die Unparteiischen mit einer neuen Uhr in die bevorstehende Spielzeit, die am 24. August mit der Partie Bayern München gegen die TSG Hoffenheim eröffnet wird. In der 2. Liga wird der Videobeweis in der bereits laufenden Saison im "Offline"-Modus getestet, also ohne, dass ins Spielgeschehen eingegriffen wird.

(sid)