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2:0-Sieg gegen Leverkusen
Hofmann führt Gladbach zum Sieg

Seit Januar 2016 spielt Jonas Hofmann für Gladbach. Gegen Bayer Leverkusen erzielte er sein erstes Bundesliga-Treffer für die Borussen. Sein Elfmetertor brachte den Erfolg gegen den rheinischen Rivalen auf den Weg. Fabian Johnson erzielte das 2:0. Von Karsten Kellermann

Jonas Hofmann stand bislang nicht eben für Tore in Mönchengladbach. Keines hatte er geschafft in der Bundesliga, seit er im Januar 2016 von Borussia Dortmund gekommen war. Am Samstag platzte der Knoten. Nachdem Thorgan Hazard in der ersten Halbzeit einen Elfmeter verschossen hatte, übernahm Hofmann beim zweiten Strafstoß Verantwortung und beendete seine Flaute. Am 2:0 durch Fabian Johnson war er beteiligt. Somit war Hofmann der Mann des Tages beim vor allem aufgrund der zweiten Halbzeit verdienten Auftaktsieg. Die neue Position als Achter ist für ihn offenbar ein Neubeginn bei Borussia.


Dieter Hecking hatte angekündigt, dass es personelle Härtefälle geben könne, wenn er alle Spieler beisammen hat. Nachdem Christoph Kramer schon im Pokalspiel beim BSC Hastedt nicht dabei war, fehlte er nun auch beim Bundesliga-Auftakt, wie in Bremen bekam Tobias Strobl den Job als Single-Sechser. War es gegen den Bremen-Ligisten noch ein „Härtefällchen“, so war es nun gegen seinen Ex-Verein schon ein echter Härtefall für Kramer. Auch Alassane Plea, der 23-Millionen-Euro-Stürmer, saß zunächst auf der Bank, für ihn gehörte Fabian Johnson zum Dreierangriff. In der Abwehr kam Eigengewächs Jordan Beyer mit 18 Jahren und 98 Tagen zu seinem Bundesliga-Debüt.

Für den Teenager war es eine große Herausforderung, bekam er es doch mit dem pfeilschnellen Leon Bailey zu tun. Überhaupt setzte Leverkusens Trainer Heiko Herrlich, einst Torschützenkönig für Gladbach, auf extreme Geschwindigkeit im Angriff. Neben Bailey spielten Lucas Alario, Kevin Volland und Julian Brandt. Letzterer war es auch, der die erste Großchance des Spiels mit seiner Flanke von rechts vorbereitete, doch Baileys Kopfball landete an der Querlatte. Yann Sommer, der erstmals in einem Bundesligaspiel Kapitän der Gladbacher war, hätte da keine Abwehrchance gehabt.



Borussia tat sich schwer, die Vorzüge des neuen 4-3-3-Systems auf den Rasen zu bringen. Florian Neuhaus und Hofmann schafften es zu selten, im Verbund mit den drei Angreifern – Raffael und Thorgan Hazard spielten mit Johnson vorn – Druck auf Leverkusens Abwehr zu machen. So hatte Bayer die Anfangsphase für sich, erst nach und nach kam Gladbach stabiler ins Spiel und hatte längere Ballbesitzphasen. Wenn es aber darum ging, konkret zu werden in Richtung Tor, stimmte oft das Timing nicht.

Als Jonas Hofmann dann mal Raffael in der Tiefe fand, wurde dessen Hereingabe abgeblockt, Hofmann konnte den Abpraller aber nicht kontrolliert aufs Tor bringen und verzog (28.). Danach versuchten die Borussen öfter, ins Pressing zu kommen, und liefen den Gegner im Aufbau beherzter an. Doch Bayer konnte sich immer wieder befreien und hatte die nächste große Möglichkeit: Brandt brach rechts durch, er bediente Volland, dessen Schuss aber Beyer auf der Linie klärte. Beyer machte seine Sache gut beim Debüt. Links hingegen hatte Routinier Wendt doch einige Probleme, immer wieder kam Leverkusen über seine Seite zu Chancen.

In der 38. Minute bot sich aber den Borussen die größtmögliche Einschussmöglichkeit: Benjamin Henrichs bekam den Ball von Johnson im Strafraum an die Hand, Hazard trat zum Elfmeter an. Er schoss durchaus platziert, doch Bayer-Keeper Ramazan Özcan flog schnell und richtig und parierte den Ball. Es blieb beim 0:0. Hazard setzte damit seine Verpasste-Chancen-Geschichte gegen Bayer fort, in der vergangenen Saison hatte er aus drei Metern freistehend den damaligen Torhüter Bernd Leno angeschossen, statt das frühe 2:0 zu machen. Nun verpasste er vom Elfmeterpunkt das erste Saisontor und die wichtige Führung der Gladbacher.

In der zweiten Halbzeit übernahm Hofmann dann Verantwortung. Zunächst versuchte er es aus der Distanz, doch der Schuss war zu lasch. Dann gab es in der 54. Minute den nächsten Elfmeter, nachdem Neuhaus im Strafraum zu Boden gegangen war – und Hofmann schnappte sich den Ball. Raffael kam kurz dazu, doch er blieb dabei: „Ich schieße!“ Er tat es und traf, nach zweieinhalb Jahren bei Borussia erzielte Hofmann sein erstes Bundesliga-Tor für Gladbach. Seinen letzten Liga-Treffer hatte er, da noch für Borussia Dortmund, am 20. September 2015, erzielt – auch gegen Leverkusen und just an dem Tag, als Lucien Favre in Gladbach zurücktrat.

Hofmann war wenig später erneut beteiligt, als das zweite Tor fiel. Er schickte Raffael, der spielte Doppelpass mit Johnson, der schließlich zum 2:0 einschoss. Das war eine sehenswerte Kombination, die Borussias Fans verzückte. Binnen vier Minuten hatten die Gladbacher zweimal getroffen und damit das Versprechen auf Spaßfußball eingelöst. Nun klappte das Pressing weit besser, insbesondere Hofmann machte sich darum verdient.

Nach dem 2:0 war Gladbach tatsächlich in feinster Spiellaune und hätte weitere Tore nachlegen können. Nachdem Hofmann abgeblockt wurde, scheiterte Raffael am gut reagierenden Özcan, dem bester Leverkusener. Danach gab es eine Mehrfach-Chance für die Borussen, bei der aber immer ein Leverkusener auf der Linie stand und das dritte Gegentor verhinderte. Die Szene hatte skurrile Züge, aber die Vorentscheidung blieb aus.

Leverkusen bemühte sich, nochmal ins Spiel zu kommen, doch Borussia Defensive mit dem starken Innenverteidiger-Duo Matthias Ginter und Tony Jantschke hielt dicht, kurz vor Schluss bestätigte auch Keeper Yann Sommer seine Form des ersten Halbjahres mit einer ganz starken Parade. In der 79. Minute noch Alassane Plea sein Liga-Debüt. Ein Tor gelang dem Franzosen nicht mehr, dennoch startete Borussia nach dem 11:1 im Pokal auch in der Liga optimal in die Saison. Und Trainer Dieter Hecking schaffte den ersten Sieg gegen den Kollegen Heiko Herrlich.