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Abschied in die NBA
Zeit von Bundestrainer Fleming endet nach EM

DBB-Coach Chris Fleming gibt sein Amt nach der EM ab. Foto: Berney Ardov
DBB-Coach Chris Fleming gibt sein Amt nach der EM ab. Foto: Berney Ardov FOTO: Berney Ardov
Istanbul. Die große Wehmut hat Chris Fleming zumindest vor seinem Abschied noch beiseitegeschoben. Von Florian Lütticke, dpa

„No“, antwortet der 47-Jährige knapp auf die Frage, ob er beim überraschenden Höhenflug der deutschen Basketballer in Istanbul bereits daran gedacht hat, dass seine Zeit als Bundestrainer nach der EM endet. Kurz schüttelt er mit dem Kopf. „Nicht wirklich.“



Nach einer lange Zeit starken Vorstellung setzte es gegen Favorit Spanien im Viertelfinale ein 72:84 (33:34), der Weg ins Halbfinale blieb versperrt. Trotzdem sagte Fleming nach seinem letzten Spiel: „Diese Generation hat eine große Zukunft. Ich bin sehr stolz darauf, wie wir hier gewachsen sind. In meiner Zeit haben sich alle immer extrem reingehangen.“

Nach drei Jahren gibt Fleming sein Amt auf - zwangsläufig, weil die Anstellung als Assistent beim NBA-Club Brooklyn Nets terminlich nicht mehr mit dem Job beim Deutschen Basketball Bund vereinbar ist. Erstmals werden im November Länderspiele während der Saison ausgetragen - die beste Liga der Welt wird dafür nicht pausieren. Und so wird der gebürtige Amerikaner nach diesem Turnier einen jungen Kern um NBA-Jungstar Dennis Schröder hinterlassen, der die Hoffnung auf eine erfolgreiche deutsche Basketball-Zukunft nährt.

„Vielleicht stehen wir als Mannschaft länger zusammen, verstehen uns besser, die Spieler sind reifer geworden“, beschreibt Guard Karsten Tadda die Unterschiede zu Flemings erstem Turnier, dem frühen Aus in der Heim-Vorrunde 2015 in Berlin. „Der Coach hat an seiner Taktik wenig geändert. Er hat schon eine Entwicklung genommen, aber in der Art und Weise, wie er coacht, ist er immer noch der Gleiche.“

Tadda kennt Fleming besser als jeder andere Spieler aus dem aktuellen Kader, gemeinsam feierten beide von 2008 bis 2014 vier Meistertitel und drei Pokalsiege für den deutschen Branchenprimus aus Bamberg. „Er ist ein sehr taktikorientierter Trainer, der ruhig mit den Spielern redet, lauter wird, wenn es sein muss“, charakterisiert Tadda seinen langjährigen Coach. Häufig saß Fleming auch in Istanbul direkt nach dem Training im Foyer der Halle am Laptop, besprach Szenen mit einzelnen Spielern. „Er gibt uns alle Möglichkeiten, um besser zu werden“, sagt Tadda.



Die Zeit in Franken prägte das Bild eines uneitlen, bodenständigen Taktikers. 1994 kam Fleming im Alter von 24 Jahren nach Deutschland. Die Frau eines Kumpels wollte, dass ihr in Niedersachsen spielender Mann nicht mehr so einsam sei und brachte Fleming als Spieler in der zweiten Regionalliga in Quakenbrück unter. Gemeinsam mit dem Club aus dem Artland schaffte er als Trainer den Aufstieg, führte die Dragons in die Bundesliga und zum Pokalsieg.

Auf die Erfolgszeit in Bamberg folgte die Berufung zum Bundestrainer. Nach der bitteren Enttäuschung 2015 und einer holprigen EM-Qualifikation hat das Team nun in Tel Aviv und Istanbul seine Reife unter Beweis gestellt. „Die Jungs haben zwei, drei Jahre, investiert, um hier hinzukommen - das ist eher ihr Verdienst als meine kluge Zusammenstellung“, sagt Fleming bescheiden zum besten EM-Ergebnis einer deutschen Nationalmannschaft seit einem Jahrzehnt.

Parallel zur Arbeit beim DBB auf Honorarbasis erfüllte sich Fleming bereits seinen Traum von der besten Liga der Welt. Nach einem Jahr im Stab der Denver Nuggets ist er seit 2016 für Brooklyn tätig.

Vergangenen Herbst brachte seine Frau die erste Tochter Anne zur Welt. „Ich bin kurz zur Geburt rübergekommen und dann wieder zurück“, erinnert Fleming die „schwierige Phase“ der räumlichen Trennung für seine fünfköpfige Familie, die nun zusammen in den USA wohnt. „Im kommenden Schuljahr starten wir dann erstmals seit drei Jahren alle zusammen.“ Und auch mit seinem sportlichen Erbe ist Fleming im Reinen - „keine bessere Lösung“ als seinen bisherigen Assistenten Henrik Rödl, der als designierter Nachfolger bereit steht, könne er sich vorstellen.

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