Wunderkind Doncic macht Legende Nowitzki vergessen

Basketball : Wunderkind Doncic macht Legende Nowitzki vergessen

Der 20-jährige Slowene besticht in seiner erst zweiten NBA-Saison mit unglaublich guten Leistungen. Die Dallas Mavericks sind plötzlich Titelkandidat.

Die Spitze gegen Vereins-Legende Dirk Nowitzki konnte sich Luka Doncic nicht verkneifen. Auf die Frage nach der verbesserten Defensive seiner Dallas Mavericks antwortete das 20 Jahre alte Basketball-Wunderkind: „Letzte Saison hatten wir Dirk in der Verteidigung, wir mussten ihn mitschleppen, das war hart.“ Erst lachten die Reporter, dann lachte auch Doncic laut los: „Ihr wisst, ich mache nur einen Spaß.“ Als direkter Nachfolger Nowitzkis hat der Slowene derzeit viel zu lachen, denn er pulverisiert sämtliche Rekordmarken – und wird in den unterschiedlichsten Statistiken schon mit Superstars wie LeBron James oder NBA-Legende Michael Jordan verglichen.

In der ersten Saison nach 21 Nowitzki-Jahren erinnert nicht mehr viel an den gebürtigen Würzburger. Dallas spielt dynamisch und frech, verteidigt besser und glänzt offensiv – vor allem dank Doncic. „Luka schmeißt die Show. Wir alle hängen von ihm ab“, sagt Kristaps Porzingis, ebenfalls ein Basketball-Juwel, das die Zukunft der Mavericks in den kommenden Jahren prägen soll.

Der 137:123-Sieg bei den Houston Rockets oder die 114:100-Gala bei den Los Angeles Lakers, beides Titelkandidaten, sind ein Zeichen der Stärke des neuen Teams in Dallas. Blickt man auf Doncics Zahlen in seiner gerade mal zweiten NBA-Spielzeit, erinnert das an die ganz Großen dieser Sportart: 30,7 Punkte, 10,3 Rebounds und 9,4 Vorlagen im Schnitt pro Spiel. Diese Werte übertreffen die allermeisten Spielzeiten von Jordan oder James – und das mit 20 Jahren. Doncic gehört inzwischen zum engsten Favoritenkreis auf die Auszeichnung zum wertvollsten Spieler (MVP) in der besten Basketball-Liga der Welt.

Trainer Rick Carlisle, der über ein Jahrzehnt mit Nowitzki arbeitete, sagt über Doncic: „Besonderen Spielern wie ihm muss man vertrauen.“ Seinen Vorzeige-Schützling würde er nach eigenen Angaben „gegen keinen Spieler dieser Liga tauschen“. Der Slowene selbst bleibt indes bescheiden. „Für mich geht es immer noch darum, die Playoffs zu erreichen. Wir haben die Playoffs noch nicht erreicht, wir müssen einfach weitermachen“, sagt Doncic. Mancher Experte hält Dallas schon für einen Titelkandidaten.

Nowitzki, 2011 NBA-Meister mit den Mavericks, beobachtet all das aus der Ferne. Am Mittwoch erhielt er in Berlin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für sein soziales Engagement das Bundesverdienstkreuz am Bande. Nowitzki fördert seit langem Projekte mit Kindern. Die Auszeichnung sei eine große Ehre, sagte er. Der 41-Jährige lebt mit Frau und Kindern weiter in der Metropole in Texas, hat sich nach seinem Rücktritt im April aber zurückgezogen.

Beim 143:101 gegen die Cleveland Cavaliers vor zwei Wochen war Nowitzki erstmals wieder in der Halle. Er sah, wie Doncic 30 Punkte und 14 Assists in gerade einmal 28 Minuten verbuchte. „Luka spielt, als wäre er nicht von dieser Welt“, lobte Nowitzki. Mit den beiden wäre der Würzburger gerne noch mal in eine 22. Saison gezogen, sagte er jüngst: „Ich könnte mich noch mal ein Jahr motivieren mit Luka und Kristaps, da wäre ich gerne noch dabei gewesen. Mit dem Fuß war es aber unmöglich.“

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