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Die Sport-Welt trauert um Superstar Bryant

Basketball : Die Sport-Welt verliert einen ihrer Größten

Basketball-Superstar Kobe Bryant stirbt bei einem Helikopter-Absturz in Kalifornien. Die Anteilnahme ist gewaltig.

Auch die große Bühne im Dolby Theatre, am weltberühmten Hollywood Boulevard, konnte Kobe Bryant bespielen. Als der Weltstar den Oscar in Händen hielt, legte er ein Lächeln auf, packte einen Scherz aus und bedankte sich auf Italienisch bei seiner Familie. Ganz so, als würde er bei den Academy Awards jedes Jahr da oben stehen, als wäre es das Normalste der Welt. Bryant trat im dunklen Smoking mit dem gleichen Selbstverständnis auf wie im Basketball-Trikot der Los Angeles Lakers, durch nichts zu beeindrucken und durch nichts aus der Ruhe zu bringen.

Kein Traum zu kühn, kein Ziel unerreichbar – „Sky is the limit“ war immer Bryants Credo, im Sport und im Leben. Der Sohn eines NBA-Profis, geboren in Philadelphia, als Kind in Italien groß geworden, hat es weiter gebracht als alle anderen – aus gutem Grund. Bryant zeichnete nicht nur sein besonderes Talent aus, sondern auch seine Leidenschaft, sein Wille, seine Arbeitsmoral. Ein wahrer Champion und eine Inspiration für Menschen auf der ganzen Welt.

„Mein Verstand kann noch, mein Herz sowieso, aber mein Körper sagt nein“, schrieb Bryant vor seinem Abschied aus der NBA in einem Gedicht. Es war eine Liebeserklärung an seinen Sport. „Lieber Basketball, es ist Zeit, Goodbye zu sagen“, hieß es dort, das Werk war die Grundlage des Animationsfilms, für den er zwei Jahre nach seinem Rückzug den Oscar bekam. Später moderierte und produzierte er beim TV-Sender ESPN die Show „Detail“, die Karriere nach der Karriere hatte Bryant längst auf den Weg gebracht.

Die „Black Mamba“ musste sich unfreiwillig neu orientieren, mit 37 Jahren hatte er schweren Herzens aufgegeben. Bryant, eine der schillerndsten Figuren der NBA, zog am 13. April 2016 zum letzten Mal das Trikot aus. Aber zuvor zeigte er im Staples Center noch einmal, was er am besten konnte: punkten. 60 Zähler steuerte er bei, wenn auch mit freundlicher Hilfe der Utah Jazz. Bryant trat hollywoodreif ab. Es passte, denn er war nie ein Mann für den Abgang durch die Seitentür.

Bryant brachte alles mit, was es für eine große Karriere braucht. Mit seinem Charisma drang er in die höchsten Kreise vor, als Gesicht der Lakers ist er in einem Atemzug mit den Ikonen seines Sports zu nennen. Mit Michael Jordan, mit Magic Johnson, mit Kareem Abdul-Jabbar. Fünf Mal NBA-Champion, 18 Mal Allstar, zwei Mal Olympiasieger: Bryant hat tiefe Spuren hinterlassen. Und seine Laufbahn hatte wenige Makel. 2003 musste er wegen Vergewaltigungsvorwürfen einer Hotelangestellten vor Gericht. Für ihn geschah alles einvernehmlich, er entschuldigte sich bei seiner Frau Vanessa für den Ehebruch und wurde nie verurteilt.

Bryants Name bleibt auf ewig mit dem Gold und Violett der Lakers verbunden. „Sky is the limit“ war sein Credo, dass er bei einem Hubschrauberabsturz starb, ist bittere Ironie. Tausende Fans weinten in den Straßen von Los Angeles und ließen Kerzen brennen für ihren Helden. „Worte können nicht den Schmerz ausdrücken, den ich fühle. Ich habe Kobe geliebt – er war wie ein kleiner Bruder für mich“, sagte NBA-Legende Jordan. Deutschlands Superstar Dirk Nowitzki twitterte, der Tod der „Black Mamba“ treffe ihn „wirklich hart“. Er habe „so viele rund um die Welt inspiriert, mich eingeschlossen, Du wirst immer vermisst werden“, teilte Nowitzki mit.

Der tragische Helikopter-Absturz, der am Sonntagabend deutscher Zeit neben Bryant auch dessen Tochter Gianna (13) und sieben weitere Menschen aus dem Leben riss, erschütterte die Welt über den Sport hinaus. So wurde die Grammy-Verleihung im Staples Center – der Heimstätte der Los Angeles Lakers, für die Bryant 20 Jahre lang gespielt hatte – in der Nacht zum Montag kurzerhand dem fünfmaligen NBA-Champion gewidmet. „Wir stehen hier mit gebrochenem Herzen buchstäblich in dem Haus, das Kobe Bryant gebaut hat“, sagte Soulsängerin Alicia Keys, die sichtlich ergriffen durch den Abend führte.

Bryant war so groß, sein Tod hat staatstragende Züge. US-Präsident Donald Trump, dessen Vorgänger Barack Obama und das Internationale Olympische Komitee (IOC) meldeten sich allesamt zu Wort. „Schrecklich“ finde Trump den Vorfall, Obama wandte sich an Bryants Frau Vanessa und wünschte der gesamten Familie Kraft. Für IOC-Präsident Thomas Bach war Bryant ein „wahrer Olympiasieger“, der die Kraft des Sports genutzt habe, „um Menschenleben zu verändern“.

Hier, in Calabasas in Kalifornien, geschah das Unglück: Feuerwehrleute sind an der Absturzstelle des Hubschraubers im Einsatz. Kobe Bryant und auch dessen 13 Jahre alte Tochter Gianna waren an Bord. Foto: dpa/Mark J. Terrill
Tausende Fans gedenken des verstorbenen Basketball-Superstars Kobe Bryant in der Nähe des Staples Center in Los Angeles, der Heimstätte der Lakers, für die Bryant in seiner gesamten Karriere spielte. Foto: dpa/Michael Owen Baker
Bei einer Gedenkminute für Kobe Bryant vor dem NBA-Spiel Denver Nuggets gegen Houston Rockets brechen die Spieler Tyson Chandler, Austin Rivers und P.J. Tucker (von links) in Tränen aus. Foto: dpa/David Zalubowski
Kobe Bryant hat im Basketball-Sport alles gewonnen, was man gewinnen konnte. Mit den Los Angeles Lakers, für die er 20 Jahre spielte, wurde er fünf Mal NBA-Champion, mit den USA 2008 und 2012 Olympiasieger. Foto: dpa/David J. Phillip

Warum der Helikopter in Calabasas, einem Vorort im Nordwesten von Los Angeles, abstürzte, ist weiterhin nicht geklärt. Wie ESPN mit Berufung auf Ermittlungskreise berichtet, habe sich der Hubschrauber im Steigflug befunden, bevor er abstürzte. Laut US-Medien war die Maschine des Typs Sikorsky S-76 auf dem Weg zur Mamba Sports Academy in Newbury Park, ungefähr 137 Kilometer entfernt vom Abflug-Ort in Santa Ana. Gianna Bryant sollte am Zielort an einem Basketball-Spiel teilnehmen. Dort kam sie aber niemals an.