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Spitze Feder, spitzes Kinn

„Merchandise“ gab es also schon, bevor das Wort bei uns gebräuchlich wurde: das Brettspiel „Kombiniere: Wer mich hat, gewinnt“ aus den 1950er Jahren. Alle Fotos: Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst, 2015
„Merchandise“ gab es also schon, bevor das Wort bei uns gebräuchlich wurde: das Brettspiel „Kombiniere: Wer mich hat, gewinnt“ aus den 1950er Jahren. Alle Fotos: Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst, 2015
Saarlouis. Mit spitzem Kinn und flotten Pointen wurde Nick Knatterton ein Klassiker der deutschen Comic-Kunst. Das Museum Haus Ludwig in Saarlouis zeigt nun Originalzeichnungen und andere Werke des Knatterton-Vaters Manfred Schmidt. Tobias Kessler

War das nun seine ehrliche Meinung? Oder eine flapsige Form von Eigen-Legendenbildung? Manfred Schmidt , Vater des legendären spitzkinnigen Meisterdetektivs Nick Knatterton, bezeichnete die Comic-Kunst zeitlebens als lächerlich und fand das Schönste an Knatterton, dass der ihm ein finanziell gut gepolstertes Leben ermöglicht hat. Im Spätherbst seines Lebens warf Schmidt (1913-1999) dann kartonweise Knatterton-Zeichnungen ins Altpapier und fühlte sich "befreit". Falls Schmidt eine solche Abneigung gegen seinen größten Erfolg entwickelt haben sollte, merkt man die seinen Arbeiten nicht an.

Das Saarlouiser Museum Haus Ludwig zeigt nun fast 200 Exponate Schmidts; sie stammen aus dem Museum Wilhelm Busch in Hannover und aus Leihgaben aus dem Nachlass - Schmidt hat also nicht alles zum Altpapier gebracht. Im Erdgeschoss kann man schwelgen in den Abenteuern des adlernasigen Kriminalisten, die in den 50ern in der "Quick" erschienen, danach in Buchform, und verfilmt wurden sie auch. In Fällen wie "Der Schuss in den künstlichen Hinterkopf" oder "Der indische Diamantenkoffer" bekommt es Knatterton mit einem kalauernd getauften Personal zu tun: ein Juwelendieb heißt Max Klaut, ein Maharadscha nennt sich Nawarthmal von Lextropur, und eine pralldekolletierte Gangsterbraut hört auf den schönen Namen Virgina Peng. Autor und Zeichner Schmidt verbindet Kalauer aber stets mit Hintersinn, Ironie und dem Sinn fürs nahezu Surreale: Jahre vor 007 hat Knatterton einen Fallschirm im künstlichen Bart; seine Tritte gegen Kriminellen-Kinne beim "weltberühmten Maulesel-K.O." sind besonders effektiv dank "Hufeisen-Absätzen".

Enorm hoch ist die Gagdichte der Bildfolgen, die man im Museum als Originale sehen kann, die größer sind als man es aus den Büchern kennt - so kann man sich besonders an Schmidts präzisen Zeichnungen und an den vollen, aber nie übervollen Panels erfreuen. Zudem bieten sie eine Reise zurück in der Zeit: Vespas brausen, die Insel Capri glitzert verheißungsvoll, und auch Konrad Adenauer taucht auf (siehe unten). Dass Knattertons Abenteuer schwer in ein anderes Medium zu übertragen sind, zeigen Zeichentrick-Episoden, die Schmidt in den 1970er Jahren inszeniert hat - Tempo und humoristischer Charme fehlen.

Im ersten Stock zeigt die Ausstellung eine andere Seite des Zeichners Schmidt: Zigarettenwerbung von 1937 etwa, in der ein Detektiv in kariertem Anzug auftaucht, wie ein Vorbote Knattertons; zu sehen sind auch etwas unbeholfene Kinderzeichnungen Schmidts, ein kunstvoller Bühnen-Entwurf aus den 30ern für das Berliner Varieté Scala und ein Malbuch namens "Der fröhliche Bleistift" aus dem Jahr 1952 . Am Interessantesten sind die Illustrationen Schmidts zu seinen eigenen Reisereportagen in der "Quick" - über den Rummel in Cannes, über "Venedig, fest in deutscher Hand", wo Tauben auf dem Markusplatz zu Tode gefüttert werden; und über Touristen, die in ihrem festungsähnlichen Bus durch die Welt schweben, ohne auszusteigen: Schmidt liebte das Reisen und hasste wohl den Massentourismus - auch wenn sein freundlicher Zeichenstil die ätzende Kritik etwas mindert.

Zum Abschluss findet sich eine Knatterton-Rarität: Eine Bildfolge aus dem Abenteuer "Die Million im Eimer" von 1957, in der ein Waffenfabrikant den damaligen deutschen Verteidigungsminister Franz Josef Strauß als "mein bester Kunde" bezeichnet. Das fand Strauß wohl weniger komisch - in den Buchausgaben fehlt diese Stelle bis heute.

Bis 10. Mai. Di-Fr 10-13 und 14-17 Uhr; Sa, So 14-17 Uhr. Am Sonntag, 22. März, 11 Uhr, spricht Michael Rother , Kurator des Wilhelm-Busch-Museums, über Manfred Schmidt .

Manfred Schmidt
Manfred Schmidt
Ja, es ist Konrad Adenauer: In „Die Goldader von Bloody Corner“ (1952) taucht der Kanzler als Indianer auf. Und „Lehr“ (statt leer) verweist auf den damaligen Bundesinnenminister Robert Lehr.
Ja, es ist Konrad Adenauer: In „Die Goldader von Bloody Corner“ (1952) taucht der Kanzler als Indianer auf. Und „Lehr“ (statt leer) verweist auf den damaligen Bundesinnenminister Robert Lehr.