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Sparkasse Merzig erweitert Präsenz - Pilotprojekt testet ab Juni neues Beratungsangebot und längere Öffnungszeiten

Merzig. Die Sparkasse Merzig testet an zunächst drei Standorten bis zum Jahresende neue Geschäftsmodelle, die eine ausgebaute Beratung und längere Öffnungszeiten vorsehen. Bei Erfolg soll das Modell auf alle Filialen ausgedehnt werden. Thomas Sponticcia

. Die Sparkasse Merzig-Wadern will sich nicht, wie viele andere Banken, aus der Fläche zurückziehen, sondern ihre Präsenz in ländlichen Gebieten mit einer neuen Strategie noch weiter ausbauen. "Wir sehen uns aus der Sicht des Kunden und wollen uns nicht reflexartig am Trend beteiligen, sich aus der Fläche zurückzuziehen", betont Frank Jakobs, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Merzig-Wadern. "Wir wollen so viel Flächenpräsenz wie möglich erhalten", sagt er. Die neue Strategie, die seit Mai 2014 vorbereitet wird, greift als Pilotprojekt an zunächst drei Standorten ab Juni bis zum Jahresende. Sollte sie Erfolg haben, ist beabsichtigt, das Konzept auf alle Filialen zu übertragen. Pilot-Standorte sind Losheim, Bachem und Wahlen.

Zur Strategie gehören garantierte Kern-Öffnungszeiten montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, ein ausgebautes Beratungsangebot inklusive Terminen bis 20 Uhr, bei Bedarf auch später. Außerdem sollen Beratungstermine auch am Samstagvormittag angeboten werden. Teil der Überlegungen ist es in einem zweiten Schritt, an besonders frequentierten Standorten künftig samstags generell zu öffnen. Jakobs sieht in dem Experiment auch eine Beschäftigungs-Garantie für die 400 Mitarbeiter. Zudem ist daran gedacht, mehr Beratungs-Personal einzustellen. Filialschließungen soll es nicht geben. Zur Optimierung des Angebotes werde aber auch geprüft, ob eine Filiale im Ort möglicherweise an einem anderen Standort im gleichen Ort noch mehr Kundenfrequenz bringen könnte.

Eine Bank müsse Kosten senken, dies könne jedoch nicht das einzige Ziel sein. Man müsse als Erfolgsrezept auch die Erträge steigern und gleichzeitig die Beratungs-Qualität optimieren. Die Sparkasse Merzig-Wadern verfüge über zahlreiche treue Kundenbeziehungen, die teilweise schon über 50 Jahre bestehen. Man wolle der Bevölkerung in ländlichen Gebieten weiter die Chance geben, vor Ort Bank-Dienstleistungen in Anspruch nehmen zu können und treue Kunden nicht verprellen.

2014 war für die Bank "ein gutes Geschäftsjahr. Wir sind ordentlich gerüstet für die Zukunft", so Jakobs. Alle Vorgaben durch Basel III würden jetzt schon erfüllt. Die Bilanzsumme stieg um 28,5 Millionen Euro auf 1,58 Milliarden Euro (+1,8 Prozent). Das Geschäftsvolumen wuchs um 27,3 Millionen Euro auf 1,61 Milliarden Euro (+1,7 Prozent). Die Kundeneinlagen stiegen um 25 Millionen Euro auf 1,22 Milliarden Euro (+2,1 Prozent).

Das Kundenkreditvolumen sank um 7,4 Millionen Euro auf 1,29 Milliarden Euro. Es habe überdurchschnittlich hohe Sondertilgungen gegeben. 48 Prozent der Kreditzusagen gingen an Privatkunden, insbesondere für Immobilienerwerb, 40 Prozent an Betriebe, elf Prozent an öffentliche Haushalte. 16 Prozent der vermittelten Immobilien gingen an Luxemburger. Das Jahresergebnis der Bank liegt bei 3,9 Millionen Euro nach Steuern, das Eigenkapital beträgt 143,4 Millionen Euro . 653 000 Euro zahlt die Bank an den Landkreis aus.


Meinung:

Ein mutiger Schritt

Von SZ-RedakteurThomas Sponticcia

Auf dem Land wohnen viele ältere Menschen. Ihnen wird das Leben durch den Abzug von immer mehr Institutionen schwer gemacht: sei es der Bäcker und Lebensmittelhändler oder eben die Bank. Besonders die großen Geschäftsbanken ziehen sich aus der Fläche zurück. Aber auch Regionalbanken "optimieren" Standorte und legen Geschäftsstellen zusammen. Was dagegen die Sparkasse Merzig-Wadern plant, ein Ausbau des Beratungsgeschäftes mit verlängerten Öffnungszeiten und dem Erhalt von Standorten in der Fläche, ist mutig. Wenn die Kunden dies durch mehr Frequenz honorieren, beweist das, dass man mit intelligentem Service auf dem Land langfristig erfolgreich bestehen kann.