Sorge um Fortbestand des Kraftwerks Ensdorf wächst

Saarbrücken. Innerhalb der VSE, in der Landespolitik und bei den Gewerkschaften wächst die Sorge um den Fortbestand des Kraftwerks Ensdorf. Peter Gillo, Aufsichtsratsmitglied der VSE, bestätigte gegenüber unserer Zeitung Überlegungen, das Kraftwerk Ensdorf notfalls auch ohne die RWE weiter zu betreiben. Gemeinsam mit neuen Partnern. Diese müssten aber erst gefunden werden

Saarbrücken. Innerhalb der VSE, in der Landespolitik und bei den Gewerkschaften wächst die Sorge um den Fortbestand des Kraftwerks Ensdorf. Peter Gillo, Aufsichtsratsmitglied der VSE, bestätigte gegenüber unserer Zeitung Überlegungen, das Kraftwerk Ensdorf notfalls auch ohne die RWE weiter zu betreiben. Gemeinsam mit neuen Partnern. Diese müssten aber erst gefunden werden. Erste Option bleibe allerdings ein dauerhaftes Engagement der RWE in Ensdorf.Das Kraftwerk Ensdorf ist das Einzige, das unter saarländischer Beteiligung betrieben wird. Den Block 3 betreibt die RWE, den Block 1 die VSE. Die VSE sorgt im Auftrag der RWE auch für den laufenden Betrieb des Blocks 3.

Ob das Kraftwerk Ensdorf wirtschaftlich arbeitet, ist offen. In der Kalkulation zu berücksichtigen sind dafür unter anderem die Entwicklung der Energiepreise sowie die Versorgung des Kraftwerks mit Importkohle. VSE-Vorstand Leo Petry hat bereits mehrfach Millionen-Investitionen hervorgehoben, mit denen das Kraftwerk fit gemacht werde für die Zukunft. Erst kürzlich hat die RWE eine umfangreiche Revision vorgenommen.

Die Vorstände von RWE und RWE Power haben jedoch auch in ihrer jüngsten Sitzung unmittelbar vor Weihnachten keine Entscheidung über ein weiteres Engagement an der Saar getroffen. Manfred Lang, Pressesprecher von RWE Power, sagte, man untersuche permanent alle Standorte im Hinblick auf ihre Wirtschaftlichkeit. Allerdings "schätzen wir das Marktumfeld auch angesichts der aktuellen Preisentwicklung als ausgesprochen schwierig ein". Noch immer würden aber alle Optionen für den Kraftwerksblock geprüft.

Sowohl der VSE-Aufsichtsrat, als auch die Saar-SPD fordern von der RWE eine schnelle Entscheidung. Heiko Maas betont: "Ein Abrücken seitens der RWE vom Ensdorfer Kraftwerk wäre ein schwerer Schlag für den Industriestandort Saarland. Gerade die energieintensiven Industrieunternehmen in der Stahl- und Automobilbranche sind auf eine sichere Energieversorgung angewiesen."

Alfred Staudt, Chef der Gewerkschaft Verdi, fordert die Landesregierung auf, "endlich aus ihrem Jamaika Selbstverteidigungscamp rauszukommen und aktiv Industriepolitik anzupacken". Ministerpräsident Peter Müller müsse mit Wirtschaftsminister Christoph Hartmann oder Georg Weisweiler, der auch hohes Ansehen in der Wirtschaft habe, nach Essen fahren und gegenüber der RWE-Spitze saarländische Interessen artikulieren. Nach Informationen von Staudt prüft die RWE-Spitze derzeit anhand von Arbeitspapieren die Folgen längerer Laufzeiten von Atomkraftwerken sowie die Kosten aller RWE-Kohlekraftwerke. Dies sei Grundlage für die weitere Strategie. Staudt erwartet die RWE- Entscheidung im Frühjahr.

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