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Sonnenfinsternis am kommenden Freitag stellt Energieversorgung auch im Saarland auf eine harte Probe

Saarbrücken. In einer Woche wird die Sonne über Europa größtenteils vom Mond verdeckt. In kurzer Zeit fällt dann ein Großteil des Sonnenstroms weg. Die Netzbetreiber bereiten sich seit Wochen auf das Ereignis vor. Joachim Wollschläger

E in ähnliches Spektakel gab es zuletzt am 11. August 1999. Damals war im Saarland eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten. Am kommenden Freitag wird die Sonne über dem Saarland zwar nur zu rund drei Viertel vom Mond bedeckt. Für die Stromnetzbetreiber jedoch bedeutet die teilweise Sonnenfinsternis eine deutlich größere Herausforderung als der Himmelskörper-Totalausfall vor 16 Jahren .

Denn seitdem hat die Menge an Sonnenstrom deutlich zugenommen. Während 1999 noch keine 100 Megawatt an Photovoltaikleistung in Deutschland installiert waren, ist es heute mit knapp 38 Gigawatt rund 400-mal so viel. Sollte also in einer Woche die Sonne über einem wolkenlosen Himmel scheinen, hieße das, dass zu Beginn der Sonnenfinsternis am Morgen recht zügig zwölf Gigawatt Leistung aus dem Netz verschwinden - und am Mittag ebenso zügig 19 Gigawatt wieder zurückkehren, sagt Andreas Preuß vom Netzbetreiber Amprion , der auch für das Saarland zuständig ist. Letztlich ist das so, als ob kurzfristig 30 Kraftwerke der Größe Ensdorfs vom Netz genommen und wenig später 45 Kraftwerke wieder angeschaltet würden.

"Das Gute dabei ist, dass das Ereignis nicht überraschend kommt", sagt Amprion-Sprecher Tom Wiede. "Wir haben uns bereits seit mehreren Wochen auf die Sonnenfinsternis vorbereitet, auch auf europäischer Ebene." Die Netzbetreiber hätten deutschlandweit 8,5 Gigawatt sogenannte Regelenergie reserviert. Diese Regelenergie kann sehr kurzfristig angefordert werden, wenn zu wenig oder zu viel Strom im Netz ist. Dann werden Kraftwerke zu- oder abgeschaltet, je nach Bedarf.

Auch das Kraftwerk Ensdorf ist ein Lieferant dieser Regelenergie: "Wir stehen bereit, die Leistung in Ensdorf sehr schnell hoch oder herunterzufahren", sagt Hanno Dornseifer, Chef des saarländischen Energie-Unternehmens VSE. Auch die Steag-Kraftwerke, einige davon im Saarland, stünden für kurzfristige Maßnahmen bereit, sagt Steag-Sprecher Jürgen Fröhlich.

Die Schwierigkeit am kommenden Freitag besteht, wie Preuß sagt, aber darin, dass sich Sonnenschein, anders als Wind, schlecht vorhersagen lässt: So könnten beispielsweise Hochnebelfelder die Stromproduktion stark beeinflussen. Preuß schließt im Extremfall auch einen sogenannten Lastabwurf nicht aus, bei dem Großverbraucher wie Aluminium-Hütten oder Elektro-Stahlwerke abgeschaltet werden, um das Stromnetz stabil zu halten.

Im Saarland aber werde es zu solchen Abschaltungen nicht kommen, sagt ein Sprecher der VSE-Netztochter VSE Verteilnetz. Sollte es am Freitag sehr sonnig werden, schalte die VSE-Verteilnetz die saarländischen Photovoltaik-Großanlagen bereits im Vorfeld schrittweise ab, um den Leistungsabfall zu glätten. Ebenso würden die Anlagen später schrittweise wieder angeschaltet.

Trotz all der Notfallpläne, die in den vergangenen Wochen erstellt worden sind, hoffen die Netzbetreiber auf eine einfachere Lösung: einen wolkenverhangenen Himmel.