Skrowaczewskis bebende Hand macht Bruckner noch intensiver

Skrowaczewskis bebende Hand macht Bruckner noch intensiver

Saarbrücken. Es ist immer etwas Besonderes, wenn Stanislaw Skrowaczewski am Pult der Deutschen Radio Philharmonie steht. Der nun 88-jährige Maestro blühte auf, als er gestern in der dritten SR-Matinée den Einsatz zu Franz Schuberts siebter Sinfonie, der "Unvollendeten", gab

Saarbrücken. Es ist immer etwas Besonderes, wenn Stanislaw Skrowaczewski am Pult der Deutschen Radio Philharmonie steht. Der nun 88-jährige Maestro blühte auf, als er gestern in der dritten SR-Matinée den Einsatz zu Franz Schuberts siebter Sinfonie, der "Unvollendeten", gab. "Musik ist immer tragisch", meinte unlängst der polnische Dirigent und bewies es mit Schubert. Darüber konnte auch die Ländler-Idylle nicht hinwegtäuschen, denn Düsternis, die Schattenseiten des Lebens, denen sich der innige Melodiker Schubert nicht entziehen konnte, gewannen mit harschen Brüchen immer wieder die Oberhand. "Skrowa", wie ihn die Musiker liebevoll nennen, spannte die Bögen intensiv, entwickelte eine schier atemberaubende Dynamikweite und fand Tempi, die stimmig aufeinander bezogen waren.All diese Tugenden konnte er weiterführen und steigern in Anton Bruckners vierter Sinfonie, vom Schöpfer selbst als "Romantische" bezeichnet. Naturlaute prägen viele der Themen, Vogelstimmen mischen sich ein, kontrapunktiert von den archaischen Blöcken der Blechbläser, den Kantilenen und Pizzicato-Tupfern der Streicher, dem Weben der Holzbläser. Beeindruckend, wie Tempo-Verknüpfungen der erratischen Blöcke gelangen. Balance-Retuschen wurden mit harscher Geste, Intensität mit bebender Hand eingefordert. Wohl mögen kleine instrumentale Unstimmigkeiten nicht zum letzten Glück der Perfektion beigetragen haben. Der Größe Bruckners konnte dies nichts anhaben, denn Skrowa verstand es, das ganze Spektrum von monumentaler Lebenskraft bis zu inniger Intimität stimmig auszubreiten. Auch für das Orchester war dies ein großer Tag. fa

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