| 20:36 Uhr

Berliner Notizen
Skat und Currywurst beim Sondieren

FOTO: Robby Lorenz / SZ
CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hat mit seinem Zeitungsbeitrag für eine „bürgerliche Revolution“ und gegen die „linke Meinungsvorherrschaft“ viel Spott auf sich gezogen. Groß war das Gekicher auch über den Satz: „Deutschland ist nicht der Prenzlauer Berg.“ Dabei ist kein anderer Berliner Bezirk so bürgerlich, obwohl die Bewohner gerne Latte Macchiato schlürfen, Hipster-Klamotten tragen und im Bioladen einkaufen. Aber wehe, man vergisst die Kehrwoche oder steht einem Kinderwagen im Weg, dann… Einfach mal hingehen, Herr Dobrindt.



Wolfgang Kubicki meinte vor Jahren mal: Er wolle nicht nach Berlin als Abgeordneter, weil er dort „zum Trinker und Hurenbock“ werde. Pech gehabt. Jetzt ist er sogar Bundestags-Vizepräsident. Also wurde der FDP Mann neulich gefragt, wie es denn derzeit um ihn stehe. Kubickis Antwort: „Letzteres ist altersbedingt schon nicht mehr zu erreichen.“ Außerdem solle man sich keine Sorgen um ihn machen. „Meine Frau ist öfter in Berlin – das begünstigt meinen sittlich-moralischen Reifeprozess.“

Bei den Sondierungen hielt das Schweigen der Lämmer von Union und SPD weitgehend. Weshalb in manchem Bericht Unwesentliches wesentlich wurde. Zum Beispiel, dass Peter Altmaier zur ersten Runde mit dem Rad kam. Der Kanzleramtschef ist sowieso häufig auf dem Drahtesel unterwegs, also nichts Besonderes.

Sondierungen können echt langweilig sein. Vor allem, wenn man vor den Türen warten muss. Also nutzten Innenminister Thomas de Maizière, Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (beide CDU) und SPD-Vize Ralf Stegner die Gelegenheit für eine Runde Skat. Wer wen am erfolgreichsten reizte, fiel unter das Schweigegelübde. Manch einer lästerte via Twitter auch über das Buffet im Willy-Brandt-Haus, speziell über die Currywurst. Nur einer nicht: „Mir schmeckte es mit jeder Portion besser!!!!“, verkündete Freitagmorgen um 4.03 Uhr – na wer wohl? – Schwergewicht Peter Altmaier natürlich.