Siebenjähriger wird am Westwallbunker nachdenklich

Beckingen : Bunkerfest zeigt Siebenjährigem Wahnsinn des Krieges

„Opa – bloß gut, dass wir keinen Krieg mehr haben!“ Diese anrührende Bilanz zog mein siebenjähriger Enkel nach einem Besuch in Beckingen. Am dortigen Westwallmuseum hatte der Kultur- und Heimatverein Beckingen am vergangenen Wochenende zu einem Bunkerfest eingeladen.

Inzwischen beklagt die Linkspartei, dass ausgerechnet an diesem Antikriegstag in Beckingen an einem restaurierten Westwallbunker dieses Bunkerfest gefeiert wurde.

Ob die Wortwahl „Bunkerfest“ glücklich war, darüber kann man sicherlich unterschiedlicher Meinung sein, aber man darf dem Kultur- und Heimatverein als Ausrichter ausdrücklich dafür dankbar sein, dass er etwa mir mit seiner Einladung Gelegenheit geboten hatte, dem eigenen Enkel einen anschaulichen, dem Alter angemessenen Eindruck von menschenverachtenden Kriegserfahrungen zu vermitteln.

Auch wenn die Veranstaltung „Bunkerfest“ hieß, wurde dort rund um den ehemaligen Westwallbunker nirgendwo der Eindruck vermittelt, dass es wirklich etwas zu feiern gab. Klar kletterte der Siebenjährige mit der Begeisterung dieses Alters zum Beispiel in einen der ausgestellten Jeeps. Gerne ließ er sich auch die angebotene Erbsensuppe aus der Gulaschkanone schmecken. Aber als wir uns dann in die düsteren Gänge und Räume des Bunkers wagten, wurde auch das Gesicht des Enkels ernst. Unter dem originalen Hinweis (aus der Vergangenheit) „Achtung – Feind hört mit“ empfand ich es dann als meine Aufgabe, dem Kind diese Alltagssituation aus Gott sei Dank längst vergangenen Kriegsjahren altersgerecht zu erläutern.

Besonders nachhaltig gelang mir dies offenbar in einem Aufenthaltsraum der früheren Bunkerbesatzungen, wo die Soldaten einst zu dritt übereinander in ausklappbaren Pritschen schlafen mussten.

Grübelnd fragte der Kleine: „Das muss doch für die Leute richtig fies gewesen sein?“ Als wir uns dann nach dem Besuch wieder dem geparkten Auto näherten, stand für mich persönlich fest, dass der Enkel diesen Besuch angesichts der selbst gemachten Erfahrungen und meiner unverzichtbaren Erläuterungen dieses „Bunkerfest“ als ebenso interessantes wie bedrückendes Kapitel der Zeitgeschichte verbucht hat.

Die Frage lautet also: „Kann man einem „Antikriegstag“ im Dialog mit einem Siebenjährigen eigentlich noch nachhaltiger gerecht werden?“