Sie packt den wilden Stier bei den Hörnern

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Die SZ-Kampagne „Made im Saarland“ stellt die Völklinger Rennfahrerin Carrie Schreiner vor

Carrie Schreiner wechselt vom Formel- in den GT-Sport zu LamborghiniMit 18 Jahren in der Welt des großen Motorsports



Nach fünf Jahren Kart-Sport und zwei Jahren in der Formel 4 vollzieht die Völklingerin Carrie Schreiner ihren nächsten Karriereschritt. Sie wechselt diese Saison in das "Young Drivers Development Program" des FFF Lamborghini Squadra Corse Teams in den GT-Sport. Dort ist sie eine der jüngsten Pilotinnen, die je in einem GT-Cockpit saß.

Die 18 Jahre alte Carrie Schreiner aus Völklingen war das erfolgreichste Mädchen im deutschen Kartsport. So hat sie als bisher einzige Pilotin das ADAC Kart Masters, Deutschlands größte und stärkste Serie, mit großem Vorsprung gewonnen und zudem alle regionalen ADAC-Meisterschaften, in denen sie gestartet ist. 2015 schaffte sie den Sprung vom Kart ins Formelauto. In Ihrer Rookiesaison ist sie gleich in der neugeschaffenen ADAC Formel 4, der zurzeit stärksten Nachwuchsserie der Welt im Motorsport, an den Start gegangen.

Im Laufe des Jahres konnte sich Carrie immer mehr steigern und hat einige TOP-15-Resultate in dem riesigen Teilnehmerfeld von mindestens 35 Fahrern aus über 15 Ländern erzielt. Auch 2015 in der F4 war sie wieder das klar beste Mädchen und konnte als einzige in der zweiten Saisonhälfte im Mittelfeld mitmischen. 2016 fuhr sie für das neugegründete Team US Racing des ehemaligen Formel 1 und DTM-Piloten Ralf Schumacher. Ihr Teamchef war der ehemalige AMG/HWA-Mercedes Technik-Boss Gerhard Ungar, der unter anderem mit dem Saarländer Bernd Schneider fünf DTM-Titel gewonnen hat.

Neben der ADAC Formel 4 startete Carrie 2016 auch bei einigen ausgesuchten Rennen der British Formula 4 in England für das Team Double R Racing von Mitbesitzer und Ex-Formel 1-Weltmeister Kimi Räikkönen. In den beiden mit Abstand stärksten der inzwischen insgesamt 12 verschiedenen Formel-4-Serien, die weltweit ausgetragen werden, konnte sie als eine von nur zwei Pilotinnen mehrere TOP 10 und sogar eine TOP-5-Platzierung erzielen.

Dadurch ist auch Lamborghini auf Carrie Schreiner aufmerksam geworden, die ein junges, schnelles Mädchen mit Formelerfahrung für ihr "Young Drivers Development Program" gesucht haben, wie ihr Vater Frank Schreiner erzählt. Nach einem Treffen mit dem weltweiten Sportchef Giorgio Sanna im Werk in Sant‘ Agata Bolognese und zwei TestTagen auf deren Hausstrecke in Cremona konnte sie die Entscheidungsträger der Marke überzeugen und wird 2017 in einem 620 PS starken Lamborghini Huracan GT an den Start gehen.

Mit dem werksunterstützen FFF Lamborghini Squadra Corse Team wird die junge Saarländerin die komplette Meisterschaft der Super Trofeo Serie im Mittleren Osten und Asien bestreiten. Acht Veranstaltungen auf meistens aktuellen Formel-1- Strecken in Abu Dhabi, Sepang, Suzuka oder Shanghai stehen auf dem Programm. Dazu sind noch einige Gaststarts in Europa für sie vorgesehen. Geplant sind Silverstone, Spa und das Heimrennen auf dem Nürburgring. Auch sonst hat Lamborghini mit der schnellen Lady aus Völklingen noch einiges vor.

Ein Engagement als Werksfahrerin für eine Premium-Automobilmarke ist für die Zukunft Carries großes Ziel. Durch ihre Leistungen im Kart- und Formelsport hat sie den ersten Schritt hierfür nun getan.

"Mein Ziel im Motorsport war eigentlich immer schon die GT-Serie"

Der deutsche Motorsportjournalist, Ralph Monschauer, hat mit Carrie Schreiner, der weltweit wohl jüngsten Pilotin einer international renommierten GT-Serie, gesprochen.

Carrie, wie sieht deine Saisonbilanz 2016 aus?
Carrie Schreiner: Das letzte Jahr war für mich absolut zweigeteilt: Die erste Saisonhälfte war, wie man so schön sagt, voller Pleiten, Pech und Pannen. Im zweiten Halbjahr war ich mit meinen Leistungen sehr zufrieden, auch wenn sich das in der ADAC Formel 4 nicht in den Ergebnissen widergespiegelt hat. Was waren die Gründe hierfür? Carrie Schreiner: Am Saisonanfang hatte ich in fast allen Rennen Kollisionen, manchmal technische Probleme, war öfter krank und habe natürlich auch selbst Fehler gemacht. Das war eine schwere Zeit für mich.

Wann kam dann die Wende?
Carrie Schreiner: Das war in der British Formula 4 in Thruxton, auf der wohl schnellsten Rennstrecke Europas. Im F4 ist dort die Durchschnittsgeschwindigkeit über 180 km/h! Da habe ich im Formelauto das erste Mal diesen Flow wie früher öfter im Kart gespürt. In Rennen 2 gelang mir dann einfach alles und ich war in der zweiten Rennhälfte sogar die Schnellste im ganzen Feld. Am Schluss fehlten nur zwei Zehntel zum Podium.

Warum hattest du in der deutschen Serie nicht ein ähnliches Highlight?
Carrie Schreiner: Da muss man einige Dinge berücksichtigen. In der F4 fahren die ehemals besten Kartfahrer der Welt! In Deutschland hatten wir zwischen 35 und 40 Starter. Die Besten, wie Mick Schumacher, sitzen jede Woche im Auto, egal ob bei Tests oder Rennen und sind schon Vollprofis. Die Leistungsdichte ist unglaublich hoch. Beispielsweise hat mir auf dem Nürburgring im Quali exakt 1 Sekunde auf den Schnellsten gefehlt. Das war dann für das 1. Rennen Startplatz 27! Auf dem Red Bull Ring war ich nur um ca. eine halbe Sekunde dahinter. Das war dann direkt schon Startplatz 13! Dementsprechend war es ganz schwer aus dem Mittelfeld herauszukommen. In England gab es im Durchschnitt ca. 20 Starter. Dadurch passieren viel weniger Unfälle und man hat kaum Safety Car Phasen. Deshalb war ich auch mehrfach in den TOP 10. In einigen Rennen war ich bei der schnellsten Rennrunde nur wenige Zehntel hinter der Spitze.

Warum wechselst du jetzt in den GT-Sport?
Carrie Schreiner: Eigentlich wollte ich noch ein drittes Lernjahr im Formelsport absolvieren. Die British Formula 3 wäre der Favorit gewesen. In Silverstone hatte ich dort 3 Testtage und kam mit dem Auto schon erstaunlich gut zurecht. Die möglichen Kurvengeschwindigkeiten sind unglaublich hoch, ich war am Schluss über 9 Sekunden pro Runde schneller als mit dem F4. Dann kam das Angebot von Lamborghini und mein Ziel war immer schon der GT Sport.

Nicht wie bei den meisten jungen Rennfahrern die Formel 1?
Carrie Schreiner: Nein, nein, ich bin Realist und kein Träumer! In der Formel 4 habe ich sehr viel gelernt was ich jetzt in einem Auto mit Dach umsetzen kann. So habe ich auch einen aktuellen TCR-Tourenwagen getestet. Mit dem nicht ganz so leistungsstarken Fronttriebler kam ich mit meinem ruhigen und sauberen Fahrstil auf Anhieb sehr gut zurecht. Trotz einer neuen Strecke war ich am Ende von nur einem Testtag schon fast so schnell wie die dortigen Topfahrer. Mit dem 620 PS starken Hecktriebler dem Huracan Super Trofeo werde ich natürlich ein bisschen länger brauchen, um voll konkurrenzfähig zu sein.

Was sind deine Ziele in diesem Jahr?
Carrie Schreiner: Ich möchte am Ende der Saison voll konkurrenzfähig sein. Dann wäre die Blanc-Pain-Serie im GT3 mit den besten GT Fahrern der Welt für 2018 sicher ein Thema. Du bist also voll im Plan? Carrie Schreiner: Eigentlich ja. Lamborghini baut mit die spektakulärsten Sportwagen der Welt. Mit so einer Marke zusammen zu arbeiten und Rennen zu fahren, ist für ein 18- jähriges junges Mädchen natürlich ein Traum! Ich freue mich riesig auf die neue Herausforderung!