| 20:06 Uhr

Serienmörder und Sozialromantik

Sophie Stockinger als gebeutelte Jasmin in "Talea". Foto: La banda
Sophie Stockinger als gebeutelte Jasmin in "Talea". Foto: La banda
Beim Schwimmtraining schaut Jasmin (Sophie Stockinger) nur zu. Auch in ihrer Pflegefamilie und in der Schule ist die 15-Jährige eine Außenseiterin. Sie sehnt sich nach ihrer leiblichen Mutter Eva (Nina Proll), die gerade aus der Haft entlassen wurde. Nach einem Streit in der Pflegefamilie haut Jasmin ab und fährt zu ihrer Mutter. Eine zaghafte Annäherung beginnt

Beim Schwimmtraining schaut Jasmin (Sophie Stockinger) nur zu. Auch in ihrer Pflegefamilie und in der Schule ist die 15-Jährige eine Außenseiterin. Sie sehnt sich nach ihrer leiblichen Mutter Eva (Nina Proll), die gerade aus der Haft entlassen wurde. Nach einem Streit in der Pflegefamilie haut Jasmin ab und fährt zu ihrer Mutter. Eine zaghafte Annäherung beginnt. Eine zerrüttete Familie, ein Mädchen auf Identitätssuche - ein typischer Stoff für einen Nachwuchsfilm. Katharina Mückstein aus Wien erzählt in "Talea" behutsam von den Sorgen und Nöten des pubertierenden Mädchens, das sich als Fremdkörper fühlt. Vor allem die Dialoge stimmen, wirken ehrlich und glaubwürdig. "Ich kann nicht schwimmen, weil Du mir's nicht beigebracht hast", schreit Jasmin einmal ihre Wut heraus. Am Ende haben beide von einander gelernt und neuen Lebensmut gewonnen. Und Jasmin lernt endlich schwimmen. tr


Heute 22.30 Uhr, Cinestar; Do 20.45 Uhr, CS; Fr 17.30 Uhr, Filmhaus; So 11 Uhr, Filmhaus.

Erfreulich, wenn sich der Nachwuchs am Genrefilm versucht. "Ein schmaler Grat" von Daniel Harrich (Regie und Buch) ist ein Psychothriller um einen inhaftierten Serienmörder (Heiner Lauterbach), dessen Motive eine Journalistin (Felicitas Woll) erforschen will - doch in den Gesprächsrunden im Gefängnis ist sie ersteinmal hoffnunglos unterlegen gegen die Selbstinszenierung des Mörders, dessen Fassade aus guten Manieren nur langsam bröckelt. Dass der Film sich an die "Schweigen der Lämmer"-Konstruktion anlehnt - geschenkt. Problematisch ist die ständige Überdeutlichkeit in Machart und Dialog. Wenn der Mörder "Ich bin kein Monster" bellt, zoomt die Kamera gleich zweimal hektisch; das Bild des Händewaschens als seelische Säuberung wird überstrapaziert. Und zu einem Serienmörder zu sagen, "Andere Menschen interessieren Sie überhaupt nicht", hat eine gewisse Komik. tok



Heute 12.30, Freitag 12, Sonntag 13.30 Uhr, jeweils Cinestar.

2011 war bei Ophüls Tom Lass' Regiedebüt "Papagold" zu sehen, eine bittersüße Komödie, deren lockere Machart erfreute, auch wenn dem Film am Ende etwas die Luft ausging. Ähnliches gilt auch bei Lass' "Kaptn Oskar", der Liebesgeschichte zwischen Oskar (Lass) und Masha (Amelie Kiefer). Beide haben ihr seelisches Päckchen zu tragen, zumal Oskar noch unter den aggressiven Avancen seiner psychotischen Ex-Freundin (herrlich verdreht: Martina Schöne-Radunski) zu leiden hat. Mit leichter Hand erzählt der Film von einer fragilen Liebe, mit improvisierten Szenen, lockeren Dialogen, mit der einen oder anderen Länge und einiger Komik - Amelie Kiefer als mal zerbrechliche, mal ziemlich harte Masha mit Silberblick ist ein Vergnügen, ebenso Tom Lass. Er spielt den Oskar so hingeschlurft, als sei er ein menschgewordener Pantoffel. tok

Heute, 21.45 Uhr, Cinestar; Donnerstag, 20 Uhr, Filmhaus, Freitag, 13 Uhr, Cinestar, Sonntag 18 Uhr, Cinestar.

Ein junger Mann mit Neonazi-Vergangenheit, der in Berlin-Neukölln strandet und ein neues Leben mit muslimischen Freunden aufbaut - klingt nach filmischer Sozialromantik? Leider ist "Ummah - Unter Freunden" das auch größtenteils. Die gut gemeinte Botschaft "Bewertet Menschen vorurteilsfrei" lastet so bleischwer auf dem Film, dass er seine in Ansätzen vorhandene Leichtigkeit kaum entfalten kann. Schade, denn gerade die humorvollen Momente sind die starken - etwa, wenn Gebrauchtwarenhändler Abbas (in seiner schnoddrig-liebenswürdigen Art hervorragend gespielt von Kida Khodr Ramadan) dem Deutschen mit bauernschlauen Argumenten einen alten Röhrenfernseher andreht. Integrations- und Glaubensdebatte, Milieu-Gewalt und ein aus dem Ruder gelaufener Verfassungsschutz - Cüneyt Kaya möchte vieles aufs Tableau bringen und überfrachtet damit leider seine Geschichte. jkl

Heute, 19.30 Uhr; Donnerstag, 10 Uhr; Freitag, 12 Uhr; Sonntag, 10.30 Uhr. Jeweils Cinestar.