Seiner Geschichte bewusst

Seiner Geschichte bewusst

Das Saarland hat über einen langen Zeitraum eine einzigartige Entwicklung genommen, die an vielen Stellen noch heute spürbar ist. Mit den Jahrhunderten wuchsen die Einflussfaktoren ständig und prägten die Region bis zuletzt. Diese Geschichte soll und muss bewahrt werden. Dafür sorgen die zahlreichen Museen und Ausstellungen, die das Land zu bieten hat.

Auch das Saarland brauchte einige Jahrmillionen, um seinen einzigartigen Charakter zu entwickeln. Zunächst startete es bei null – so wie alle Regionen der Erde. In „Gondwana – das Praehistorium“ in Landsweiler-Reden lassen sich diese frühen Anfänge eindrucksvoll nachvollziehen. Alleine das Durchwandern des prähistorischen Museums ist ein Erlebnis für sich. In atemberaubenden, naturgetreuen Landschaften der Erdgeschichte kann die Historie mit allen Sinnen erlebt werden. Dramatische Effekte wie herabstürzende Wassermassen, sich bewegende Dinosaurier oder wechselnde Tageszeiten machen das Erlebnis zu einem urzeitlichen Abenteuer. Wem das nicht reicht, der kommt spätestens bei der „weltweit größten Dino-Show“ auf seine Kosten.

Wenige Orte im antiken Europa wurden von den Römern verschont. Auch ins Saarland bahnten sich die Eroberer ihren Weg. Noch heute zeugen historische Stätten von ihrem Leben – allen voran die Villa Borg in Perl. Im Gegensatz zu anderen reinen Ausgrabungsstätten ist das Ziel der Villa Borg, möglichst genau zu zeigen, wie die damaligen Lebensbedingungen waren. Zu diesem Zweck wurde auf den Ausgrabungsruinen ein antikes römisches Herrenhaus rekonstruiert. Parallel zum täglichen Besucherbetrieb wird weiterhin ausgegraben, sodass die Villa stets dem aktuellen Wissensstand angepasst werden kann. Im Herrenhaus enthalten sind eine authentische antike Küche, das Villenbad sowie das Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Außerhalb des Hauses lassen sich das Torhaus und eigens angepflanzte Gärten bestaunen.

Auch das Römermuseum Schwarzenacker in Homburg lädt zu einer antiken Zeitreise ein. Auf einer Fläche von 25 bis 30 Hektar lebten dort zu Römerzeiten etwa 2000 Menschen. Heute ist die Siedlung teilweise als Freilichtmuseum wiederaufgebaut. Häuserfassaden, Abwasserkanäle, Tempel und andere Gebäude wurden freigelegt und zum Teil rekonstruiert. Sehr lebendig vermitteln sie einen Eindruck über das Leben in einer gallorömischen Etappenstadt.

Für das volle Erlebnis bietet das Museum eine sogenannte „Erlebniswelt“ an. Hier können sich Schulklassen, Kindergeburtstage oder andere interessierte Gruppen wie Schuhmacher und Bäcker vor 2000 Jahren fühlen.

Nun sind all diese antiken Erlebnisse beeindruckend, doch prägen sie wirklich das heutige Saarland? Tun sie. Viele der heutigen Verbindungen zu römischen Städten wie Mainz, Trier oder Metz sind auf alte Römerstraßen zurückzuführen. Und auch die Namensgebung heutiger Orte hat häufig einen römischen Hintergrund. Das können recht offensichtliche Plätze sein, wie das Römerkastell in Saarbrücken. Oder aber sie sind aus dem Lateinischen abgeleitet. So wurde Dudweiler etwa von den alten Römern als Duodonis Villare bezeichnet und Roden als Rodena.

Genau wie der antike Eroberungszug der Römer ging auch das Mittelalter nicht spurlos an der Region vorbei. Mehr als 200 Burgen, Festungen und Schlösser sind in der Großregion SaarLorLux mehr oder weniger gut erhalten geblieben. Eine Ausstellung des Historischen Museums Saar am Saarbrücker Schlossplatz bringt Besuchern diese „Steinerne Macht“ näher. Unter diesem Namen wurde die bisherige Ausstellung „Von der Burg zum Schloss“ neugestaltet. Zum ersten Mal lässt sich die Saarbrücker Burg bestaunen, so wie sie im Spätmittelalter aussah. Darüber hinaus werden Computerrekonstruktionen kaum noch erhaltener Anlagen gezeigt, darunter das Schloss La Fontaine in Luxemburg und das Schloss Karlsberg.

Exponate aus dem Saarland sowie aus renommierten Sammlungen und Museen in Frankreich, Luxemburg, Belgien und Deutschland runden das Erlebnis ab. So werden beispielsweise großformatige Gemälde und Karten aus Luxemburg, Bitche oder Metz ausgestellt.

Wenige Dinge haben das Saarland in seiner Geschichte so geprägt wie der Bergbau. Auch heute noch – sechs Jahre nach Schließung des letzten Kohlekraftwerks – haben viele Saarländer eine enge Verbindung zu Kohleförderung und Stahlproduktion. Zeugen der alten Zeiten sind ehemalige Fördertürme, die das Landschaftsbild prägen. Einige der stillgelegten Betriebe wurden zu großen Teilen zu Museen umfunktioniert.

Das bekannteste Beispiel hierfür ist wohl das Welt-
kulturerbe Völklinger Hütte. Anhand der originalen Anlage lassen sich die Mechanismen der Stahlproduktion genau nachvollziehen. Sinterhalle, Gebläsehalle und Möllerhalle können ebenso besichtigt werden wie die beeindruckenden Hochöfen. Von der Glichtbühne bietet sich außerdem ein wunderschöner Panoramablick über Völklingen und das aktive Werk der Saarstahl AG.

Steinkohlebergbau zum Anfassen gibt es im Saarländischen Bergbaumuseum Bexbach. Von den frühen Anfangszeiten im 15. Jahrhundert bis in die heutige Zeit ist hier die gesamte Entwicklung des hiesigen Bergbaus abgedeckt. In der siebten Etage des Hindenburgturms befindet sich eine verglaste Panoramafront. Von dort lässt sich eine Landschaft bewundern, die durch mehr als zwei Jahrhunderte Bergbau gestaltet wurde. So verhält es sich an vielen saarländischen Orten.

Ob prähistorische Zeiten, Römerinvasionen, Burgen und Schlösser oder der Bergbau, alle gemeinsam machen das Saarland zu dem, was es heute ist: Einzigartig. Sowohl die Regione als auch ihre Bewohner sind geprägt von seiner reichen Historie. Umso wichtiger ist es, sich diese immer wieder ins Gedächtnis zu
rufen. Und was gäbe es da Besseres als einen Museumsbesuch? mtr