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Schwungvoll vorgetanzt: Ein Konzert auch für die Augen

Saarbrücken. Im 2. Studiokonzert der Deutschen Radio Philharmonie am Freitag auf dem Saarbrücker Halberg gab es auch viel zu sehen. Am Pult stand der junge Joshua Weilerstein, derzeit Assistent des Chefs der New Yorker Philharmoniker. Er modellierte die Partituren nicht nur schwungvoll, sondern tanzte sie auch vor

Saarbrücken. Im 2. Studiokonzert der Deutschen Radio Philharmonie am Freitag auf dem Saarbrücker Halberg gab es auch viel zu sehen. Am Pult stand der junge Joshua Weilerstein, derzeit Assistent des Chefs der New Yorker Philharmoniker. Er modellierte die Partituren nicht nur schwungvoll, sondern tanzte sie auch vor. Igor Strawinskys Collage aus Stücken von Pergolesi und anderen stellt zwar den Bauern-tölpel "Pulcinella" in den Mittelpunkt, aber so ganz ohne Spitzentanz sollte diese Ballettmusik nicht abgehen. Die Solisten der kleinen Besetzung lösten ihre Aufgaben mit kraftvollem Esprit (etwas Pech hatte die Oboe), rhythmischer Akkuratesse und bodenständigem Aplomb.Sebastian Klinger am Violoncello brachte dann Samuel Barbers Cellokonzert von 1950 mit großem, warmem Ton und lebhaften Dialogen mit dem Orchester den zahlreich erschienenen Zuhörern näher. Neoromantik mit dissonanten Einsprengseln und rhythmischen Modernitäten, die das Orchester klangvoll ausbreitete, ohne den Solisten allerdings je zu bedrängen. Die Sarabande aus der 3. Solo-Suite von Bach war eine schöne, meditative Zugabe.



Wolfgang Amadeus Mozarts "Jupiter"-Sinfonie gab Weilerstein Anlass zu viel gestischem Aufwand. Zum Glück ließ sich das Orchester von der Hektik am Pult nicht allzu sehr beeindrucken. Sturm und Drang ersetzte formale Gelassenheit, vordergründige Effekte und ständiges Aufheizen bestimmten die musikalischen Verläufe. So wirkte dann vor allem das kontrapunktisch raffinierte, in die sinfonische Zukunft weisende Finale überhitzt und wurde in seiner Massivität und undifferenzierten Dichte zu einem veritablen Schwergewicht. Eine Mozart-Sicht, die den vielschichtigen Bemühungen um stilistische Annäherung an die Entstehungszeit diametral entgegengesetzt ist. fa