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Schweizer Lockrufe

Saarbrücken. Ende nächster Saison verlässt Operndirektorin Brigitte Heusinger das Saarbrücker Theater und wird Vize-Intendantin in Luzern. Bühnen-Chefin Dagmar Schlingmann macht sich nun auf die Suche nach einer Nachfolgerin. Oliver Schwambach

Allzu lange musste Brigitte Heusinger dann doch nicht überlegen: Es lockten nämlich nicht nur der Posten einer Vize-Intendantin am Luzerner Theater - und damit verbunden endlich keine Pendelbeziehung mehr zum Lebensgefährten in der Schweiz. In Luzern hat die Noch-Operndirektorin des Saarländischen Staatstheaters von 2016 an auch die Chance zu einem echten Neustart. Zusammen mit dem designierten Intendanten Benedikt von Peter, einem der markanten jüngeren Regisseure, kann sie die Linie des Dreisparten-Hauses in der Zentralschweiz neu festlegen. Mit Von Peter (Jahrgang 1977) arbeitete die Dramaturgin und Psychologin (Jahrgang 1958) bereits in ihrer Zeit am Basler Theater zusammen. Damals förderte sie noch den Regisseur; jetzt wollte der sie für Luzern haben.

Der Neuanfang in Luzern meint aber nicht nur das Künstlerische. Dank eines generösen Stifters (rund 75 Millionen Euro) rückt ein Theaterneubau in der Stadt am Vierwaldstättersee in greifbare Nähe. Und es wird auch darum gehen, sagt Heusinger, in Luzern die Freie Szene, das Theater und das berühmte Lucern Festival enger zu verzahnen.

All das macht es ihr leichter, 2016 bereits nach vier Jahren, von Saarbrücken wegzugehen.

2012 kam sie als Wunschkandidatin von Intendantin Dagmar Schlingmann , die den Weggang nun "äußerst bedauerlich" findet. Und Heusinger, eine kühle Theaterdenkerin, wirkt da auch wie ein Gegenpol zur Intendantin, deren Inszenierungen durch ihre Emotionalität einnehmen. Heusingers Weg, das zeigen ihre eigenwilligen Schnitte in die Werksubstanz, ist ein anderer: herausfordernd, ja, bisweilen aber auch verkopft und mit Risikikopotenzial. Vier Jahre nur in Saarbrücken , das kann letztlich nur ein Intermezzo sein. Zudem fällt in ihre Zeit auch der Wechsel von Generalmusikdirektor Toshiyuki Kamioka zu Nicholas Milton. Mit Letzterem, mit dem Heusinger spürbar besser harmoniert, bleibt jetzt nur ein kurze gemeinsame Strecke.

Objektiv gesehen hat Heusinger hier bislang aber auch Einiges vorzuweisen. Dazu zählen etwa der "Werther", der für den Theaterpreis Faust 2014 nominiert war. Auch die von ihr betreute "Lucia di Lammermoor" könnte einen Theaterpreis einheimsen. Doch eben diese Produktion fand bloß schleppend ihr Publikum, sorgte für Nervosität ob der schlechten Auslastung. Und die großen Stücke hat Heusinger dem Publikum hier eher nur dosiert gegönnt. Andererseits hat die Operndirektorin mit Schlingmann und der übrigen Hausspitze das Theater durch die schwierige "Außer-Haus-Spielzeit" geführt, als die Bühnentechnik des Großen Hauses saniert wurde; ein Problemfall als Bravourfall. So leicht wird Schlingmann für diese Theaterfrau keinen Ersatz finden.