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Berliner Notizen
Letzte Hoffnung Hallenhandball

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Kaum hatte Angela Merkel vergangene Woche ihren Rückzug vom CDU-Vorsitz angekündigt, überschlugen sich auch schon die Bekundungen des Bedauerns. „Schade“, meinte etwa Horst Seehofer, dessen tiefe „Freundschaft“ zu Kanzlerin ja bereits Legende ist. Von Stefan Vetter

Einer, der Merkels Entschluss wohl tatsächlich ehrlichen Herzens bedauerte, war Udo Walz. Der Berliner Promi-Friseur legt seit Jahr und Tag Hand an Merkels Haare. Erst vor ein paar Monaten hatte er sie als vorbildliche Kundin gepriesen. Jetzt erklärte Walz, er sei wegen Merkel sogar in die CDU eingetreten. Ob er bald wieder austritt?


 

Die SPD ist bekanntlich wieder mal am Boden zerstört. Angesprochen darauf, wie sie ihrer siebenjährigen Tochter die Krisenlage erklärt, erzählte Parteichefin Andrea Nahles, dass ihre Ella kürzlich zum ersten Mal in einer Geisterbahn gewesen sei. „Das war für sie wesentlich schockierender als SPD-Wahlergebnisse und was Mama gerade alles an den Hacken hat.“ Also, liebe Genossen, öfter mal Geisterbahn fahren, da ist die Horror-Dosis noch höher.



Simone Lange hat noch andere Ideen, wie die Sozialdemokraten wieder Zuversicht schöpfen könnten. Die SPD-Oberbürgermeisterin von Flensburg und erfolglose Nahles-Gegenkandidatin stellte jetzt ihr neues Buch unter dem Titel „Sozialdemokratie wagen“ vor. Der Inhalt lässt sich in drei Kernbotschaften zusammenfassen: Schluss mit Hartz IV, raus aus der Groko, weg mit der amtierenden SPD-Spitze. Für Letzteres fand Lange noch einen sportlichen Vergleich: Flensburg sei im Handball auch deshalb so gut, „weil wir wissen, wann wir abgeben müssen“. Aber an wen?

 

Wolfgang Thierse jedenfalls kommt dafür nicht mehr in Betracht. Seit ein paar Tagen hängt sein Porträt in der Galerie der einstigen Bundestagspräsidenten im Paul-Löbe-Haus. Gemalt hat es Johannes Heisig. Thierse, inzwischen 75, war von 1998 bis 2005 im Amt. Da wurde es für sein Bild in der parlamentarischen Ahnengalerie wirklich höchste Zeit.