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Schnörkellos und feinsinnig: Ingolf Wunder in Saarbrücken

Saarbrücken. Sein herausragendes Klavierspiel fordert Wortspiele mit seinem Namen förmlich heraus: „Wunderpianist“ Ingolf Wunder gastierte gestern als Solist des Staatsorchesters in Saarbrücken. Heute ist er erneut zu erleben. Helmut Fackler

In Kooperation mit den Musikfestspielen Saar gab gestern das Saarländische Staatsorchester sein 4. Sinfoniekonzert. Zu deren Thema "Polen" standen die "Sinfonischen Variationen" von Witold Lutoslawski auf dem Programm. Chefdirigent Nicholas Milton gab dessen kurzen, ganz in der romantischen Tradition stehenden Orchestererstling virtuosen, effektvollen Verlauf und den nötigen finalen Aplomb. Als schöner Kontrast gestaltete sich Ludwig van Beethovens 4. Klavierkonzert, das zusammen mit anderen Werken den "Aufbruch" (so das Konzertmotto) in die noch ferne Romantik markiert und eine neue Ära in der Gattung Solokonzert einläutet. Ingolf Wunder war der stilsichere und feinsinnig gestaltende Solist. Man spürte den gleichen musikalischen Atem mit dem Dirigenten, ein fast intimes, anregendes Miteinander. Schön herausgearbeitet war der Dualismus männlich-weiblich im zweiten Satz und voll Fröhlichkeit der Kehraus des Rondos .

Die schnörkellose Interpretation erhielt stürmischen Beifall, der Zugaben forderte: Tasten-Show mit "Hexameron", Variationen über den Marsch aus Bellinis "Il puritani" aus der Feder mehrerer Pianisten. Chopins Beitrag schmeichelte und der von Liszt ließ virtuosen Klavierdonner erleben, gefolgt von einem sanften Nocturne Chopins.

Die 10. Sinfonie von Dimitri Schostakowitsch ist ein zum Spielen wie zum Hören anstrengendes, ausgedehntes Werk. Sie beschreibt mit Trauer und Pessimismus, aber auch mit Gewalttätigkeit bis an die Schmerzgrenze und aufgesetzter Fröhlichkeit die Ära Stalins und ihre vermeintliche Überwindung. Milton führte das Orchester zu einer großartigen Leistung. In allen Instrumentengruppen wurde charaktervoll und klangschön musiziert, mit vielen intensiv gestalteten Soli. Die Botschaft des Komponisten wurde eindrucksvoll übermittelt, sie wurde (be-)greifbar.

Zweiter Konzerttermin heute Abend, 20 Uhr, in der Saarbrücker Congresshalle. Weitere Informationen im Internet unter:

musikfestspiele-saar.de