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Schmal das Budget, füllig das Programm

Saarbrücken. Einen Preis hätten sich die Tage Alter Musik im Saarland, kurz „Tamis“, bereits vor dem heutigen Start verdient: Mit Mini-Budget schafft das Festival dank ausgezeichneter Kooperation ein großes Programm. Oliver Schwambach

Richtig dick ist es geworden, das "Tamis"-Programmheft im 15. Jahrgang des Festivals. Diesmal spannt sich die Reihe mit mehr als 40 Terminen über sieben Wochen (13. März bis 5. Mai). Gewaltig in der Zahl und mit langem Atem, doch Lutz Gillmann, der aktuelle künstlerische Leiter, wollte die Gunst des frühen Oster-Termins nicht verstreichen lassen, um rund um das christliche Fest der Auferstehung thematische Akzente zu setzen.

Wechselnde Leiter gehören zum Konzept von "Tamis": So überraschen Jahr für Jahr andere Handschriften. 2016 wird Violinistin Mechthild Blaumer, wie Gillmann Vorstandsmitglied der veranstaltenden Akademie für Alte Musik im Saarland, die Linie vorgeben.

Gillmann, Spezialist für historische Tasteninstrumente, will nun auch Ensembles der Region eine Plattform bieten. So ist etwa die Evangelische Chorgemeinschaft dabei (26. April, Stiftskirche St. Arnual) mit Bachs Oster- und Himmelfahrts-Oratorium. Doch auch der Figuralchor, den der neue Kantor an der Saarbrücker Ludwigskirche Ulrich Seibert erst vor ein paar Monaten gegründet hat, beteiligt sich. Bachs selten aufgeführte zweite Fassung der "Johannespassion" werden der Figuralchor und Musiker der Akademie am 22. März (17 Uhr) in der Ludwigskirche aufführen. Ein Projekt, bei dem die Akademie den neuen Ludwigskirchenchor mit Instrumentalisten unterstützt.

Jeder steuert etwas bei - so funktioniert "Tamis" auch als Musterbeispiel der Vernetzung. Viele vergleichsweise kleine Partner schaffen gemeinsam doch ein stattliches Festival. Was natürlich auch heißt, dass der ehrenamtliche künstlerische Leiter ein tatkräftiger Organisator sein muss. Lediglich 25 000 Euro stehen als Etat zur Verfügung, gut 10 000 Euro sollen durch Eintrittserlöse refinanziert werden; in einem normalen Jahr hat das Festival rund 2500 Besucher, diesmal könnten es 4000 werden. Der Rest des Budgets muss von Sponsoren und öffentlichen Geldgebern kommen. Doch es sind nur kleine und kleinste Beiträge, die Norbert Hartmann, der Kassenverantwortliche der Akademie, da addiert.

Bewährte "Tamis"-Mitstreiter sind die Saarbrücker Musikhochschule (HFM), aber auch die Stiftung Historische Musik, die am 21. März, in der Stiftskirche und im Gemeindezentrum St. Arnual, einen ganzen Konzerttag zu Johann Sebastian Bachs 330. Geburtstag beisteuern wird; Bach ist ohnehin der Fixstern dieser "Tamis"-Ausgabe.

Wichtig ist Gillmann aber auch die Beteiligung des Landesjugendchors. 2012 errang der beim Internationalen Chorwettbewerb eine ersten Preis für "Alte Musik/Klassik". Eine erstklassige Empfehlung wohl für "Tamis". In St. Arnual (16. April) und Losheim (17. April) werden die jungen Choristen die Ostergeschichte in Werken von Bach bis Weyrauch spiegeln. Zuvor kann man bereits bei öffentlichen Proben des Chores in der Saarbrücker Musikhochschule dabei sein (9. - 11. April). Auch beim Meisterkurs des Blockflötisten Peter van Heyghen (vom 13. März an in der Musikhochschule) ist Zuhören - kostenlos - erlaubt.

Einen starken Beitrag liefert auch Kino Achteinhalb mit einer Musikfilm-Reihe ab, darunter die im Speyerer Dom gedrehte "Johannes-Passion" und "Rhythm is it" mit den Berliner Philharmonikern. Gerade in diesen Filmen bewegt sich "Tamis" aber weg von dem, was der Festivalname verspricht, Alte Musik nämlich. Gillmann, der selbst ursprünglich von der Neuen Musik kommt, sieht das nicht als Widerspruch, sondern als Bereicherung. Schließlich gehe es ja bei allem, was man "über Aufführungspraxis der jeweiligen Zeit wissen kann und beachten soll, darum, was wir heute mit dieser Musik anfangen können", sagt er. Von Aufführungen, die bloß "museale Schaustücke sind", hält er wenig. Insofern sollten diese Tage der Alten Musik wohl Tage unserer Musik werden.


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Auf einen BlickHeute Abend (20 Uhr) beginnt "Tamis" mit dem Konzert in der Alten Kirche St. Johann in Saarbrücken . Das Trio Hyazinth spielt Streichtrios von Haydn, Beethoven, Jadin und David. Am Sonntag, 19.30 Uhr, wird im ökumenischen Festivalgottesdienst in der Saarbrücker Ludwigskirche u. a. Buxtehudes Kantate "Jesu meine Freude" zu hören sein (Figuralchor, Leitung: Ulrich Seibert). Am Montag, 16. März, 19 Uhr, (HfM Saarbrücken ) stellen sich die "Tamis"-Förderpreisträger TriTonus und Il bell'humore vor. oliWeitere Informationen und Karten gibt es unterTel. (06 81) 910 10 13 und www.alte-musik-saarland.de