Schichtarbeit macht Seele krank

Schichtarbeit macht Seele krank

Saarbrücken. Saarländische Arbeitnehmer sind psychisch weitaus häufiger krank als ihre Kollegen im übrigen Bundesgebiet

Saarbrücken. Saarländische Arbeitnehmer sind psychisch weitaus häufiger krank als ihre Kollegen im übrigen Bundesgebiet. Grund dafür dürfte nach einer am Freitag vorgelegten neuen Studie der Arbeitskammer und des Saarbrücker iso-Instituts für Sozialforschung und Sozialwirtschaft sein, dass das Saarland beim Anteil der Schicht- Nacht- und Wochenendarbeit an der Spitze aller Bundesländer marschiert. "Mehr als die Hälfte der saarländischen Arbeitnehmer arbeitet mittlerweile außerhalb normaler Zeiten", heißt es in der Studie. Belastungen durch Schichtarbeit brächten Störungen des Biorhythmus, Schlafstörungen sowie gestörte familiäre und soziale Beziehungen. Hinzu komme an der Saar ein hoher Anteil von Leiharbeitern. "Im Saarland ist zudem der Arbeits- und Gesundheitsschutz aus falsch verstandener Wirtschaftsförderung der CDU-Landesregierung zeitweise gezielt heruntergefahren worden", beklagte DGB-Landeschef Eugen Roth bei der Tagung "Gesundes Arbeiten - unser Ziel" in der Saarbrücker Congresshalle. In den Statistiken hätten saarländische Arbeitnehmer - je nach Krankenkasse - um bis zu 50 Prozent mehr psychische und psychosomatische Erkrankungen als im Bundesschnitt. Der Leiter des IG Metall-Bezirks Frankfurt, Armin Schild, regte an, im Saarland ein Landesinstitut Arbeits- und Gesundheitsschutz zu gründen, das die Ursachen wissenschaftlich analysiert und Lösungsmöglichkeiten aufzeigt. So sei sicher auch die beschlossene Rente mit 67 Schuld an der Misere. Das Institut sollte unter Federführung der Landesregierung den Sachverstand der Kammern, Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften sowie der Hochschulen bündeln. Der Arbeitskammervorsitzende Hans Peter Kurtz griff den Vorschlag für ein solches Landesinstitut positiv auf. Er beklagte, dass die CDU-Landesregierung den bis 1999 existierenden "Beirat für Arbeitsschutz" wieder abgeschafft habe. "Wir sind heute einen Schritt weiter weg als vor zehn Jahren." Die Bemühungen für gesundes Arbeiten müssten deutlich verstärkt werden, forderte er. DGB-Chef Roth verlangte zudem, den Beschäftigungspakt für ältere Arbeitnehmer endlich mit Leben zu erfüllen.

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