Sanktionen träfen Russland hart

Berlin · Gas-Importe stoppen, russische Konten in der EU einfrieren. Außenhandels-Präsident Börner hält Sanktionen gegen Russland für möglich. Er warnt aber auch vor schmerzlichen Folgen.

D ie deutsche Wirtschaft möchte nicht, dass die EU Sanktionen gegen Russland verhängt, weil sie um ihre Geschäfte fürchtet. Eine Analyse des Außenhandelsverbands ergab aber, dass solche Maßnahmen hochwirksam wären. "Für Deutschland wäre ein Handelskonflikt schmerzhaft, für die russische Wirtschaft aber existenzbedrohend", sagte Verbandspräsident Anton F. Börner.

Börner bezog sich auf die härteste bisher angedachte Maßnahme, den Boykott russischen Erdgases durch die EU. Schlagartig würden dem russischen Staatshaushalt dann Einnahmen von 100 Millionen Dollar pro Tag wegbrechen. Zwar decke russisches Gas ein Drittel des deutschen Verbrauchs, doch es gebe hierzulande Reserven für ungefähr ein halbes Jahr - genügend Zeit, um sich nach anderen Lieferanten etwa in Nordafrika umzusehen.

Allerdings bliebe dies nicht ohne Folgen: Die Energiepreise würden deutlich steigen. Außerdem könnte Russland im Gegenzug ausländische Unternehmen enteignen. Ein entsprechendes Gesetz wurde in der Duma bereits vorbereitet. Börner bezweifelte jedoch, dass Russland einen solchen Schritt wagen wird. Er würde Investoren auf sehr lange Sicht abschrecken. Selbst eine solche Eskalation, die einem Wirtschaftskrieg gleichkäme, hätte laut Börner jedoch keine nachhaltigen Auswirkungen auf die sich gerade erholende Weltwirtschaft. Es werde zwar "Sand in das Getriebe" gestreut, mehr aber auch nicht. In Zypern, Griechenland und Österreich könnten einige Banken in Probleme geraten, jedoch sei das zu beherrschen.

Russland hinke technologisch hinterher und habe eine katastrophale demografische Entwicklung. Langfristig liege die einzige Chance für das Land darin, "endlich einen Platz im europäischen Haus zu finden", so Börner. Dafür müssten alle Gesprächskontakte genutzt werden, auch dürfe man Putin nicht in die Ecke drängen. Ein möglicher Hebel, um Moskau zum Einlenken zu bewegen, sind aus Börners Sicht die russischen Eliten. Die von der EU geplanten nächsten Eskalationsstufen, das Einfrieren von Konten und Einreiseverbote, würden diese Gruppe massiv treffen und so einen Keil zwischen sie und Putin treiben.

Börner warnte vor diesen Schritten, riet aber gleichwohl deutschen Unternehmen, sich auf eine Zuspitzung vorzubereiten. Von der Bundesregierung forderte er zudem, Exportgeschäfte mit der Ukraine über Bürgschaften abzusichern.

Wenn die Krim-Krise nicht wäre, stünde die deutsche Exportwirtschaft vor ungetrübt guten Aussichten. Schon 2013 war mit Exporten in Höhe von 1,1 Billionen Euro und Importen von 895 Millionen Euro ein Rekordjahr. 2014 könnte die zwei Billionen-Grenze erstmals geknackt werden.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort