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Gerichtsentscheidung
Sami A. muss aus Tunesien zurück nach Deutschland geholt werden

Der Streit um die umstrittene Abschiebung des Islamisten Sami A. geht weiter. Das zuständige Bundesamt ist mit einem Änderungsantrag zum Abschiebeverbot gescheitert.

Der abgeschobene Gefährder Sami A. muss weiterhin aus Tunesien zurück nach Deutschland geholt werden. Das hat das Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen am Freitag entschieden. Das Gericht lehnte einen Antrag des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) ab, ein seit Juni 2010 geltendes Abschiebeverbot für den Tunesier aufzuheben.


Das Bamf hatte argumentiert, dass Sami A. seit seiner Abschiebung aus Deutschland in Tunesien nicht gefoltert worden sei. Somit seien die Bedenken des Gerichts unbegründet. Die Richter schlossen sich dieser Sichtweise allerdings nicht an. Nach ihrer Ansicht hat sich die Menschenrechtslage in dem nordafrikanischen Land in den vergangenen Wochen nicht geändert. Für Sami A. bestehe weiterhin „beachtliche Gefahr einer menschenrechtswidrigen Behandlung“, heißt es in der Begründung.

Das Verwaltungsgericht hatte bereits am 12. Juli die Abschiebung des Islamisten mit der Begründung abgelehnt, dass dem Mann in seiner Heimat Folter drohe. Einen Tag später hatten die Behörden Sami A. in Düsseldorf in ein Flugzeug gesetzt und nach Tunesien geflogen. Die offizielle Begründung lautete damals, die Entscheidung des Gerichts vom Vorabend sei noch nicht bekannt gewesen.



Das Bundesamt hatte in seinem Änderungsantrag argumentiert, dass auch ohne diplomatische Zusage aus Tunis dem ehemaligen Leibwächter von Al-Qaida-Führer Osama bin Laden keine Folter drohe. Das Bamf gab laut Gericht als Begründung die Aussagen staatlicher tunesischer Funktionsträger an, dass in dem Land Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte gewährleistet seien.

Dem Verwaltungsgericht reichte das aber nicht. Der Zeitraum von vier Wochen seit der Abschiebung sei zu kurz, um eine grundlegende Änderung der Umstände in Tunesien festzustellen. Die Ermittlungen gegen Sami A. in seiner Heimat dauerten weiter an. So könne es jederzeit zu weiteren Verhören kommen. Auch überzeugte ein Telefonat der deutschen Botschaft in Tunis mit einem Vertreter der tunesischen Staatsanwaltschaft das Verwaltungsgericht nicht. „Die Äußerungen sind nicht mit einer diplomatischen Zusicherung vergleichbar“, heißt es in der Beschlussbegründung.

Das juristische Tauziehen um die umstrittene Abschiebung von Sami A. geht aber auch nach der Entscheidung aus Gelsenkirchen weiter. Am Montag gegen Mitternacht läuft eine Frist am Oberverwaltungsgericht (OVG) des Landes NRW in Münster ab. Die Stadt Bochum wehrt sich in zweiter und letzter Instanz in einem Eilverfahren gegen den Rückholbeschluss des Gerichts in Gelsenkirchen, wonach die Stadt Sami A. zurück nach Deutschland holen muss. Wann das OVG eine Entscheidung verkünden wird, ist noch offen. Nach Angaben eines Sprechers geschieht dies „zeitnah“.

(mba/dpa)