Sänger, Lieder-Sammler, Adelige

Sänger, Lieder-Sammler, Adelige

Das Saarland hat eine reiche Musikgeschichte. Das verdeutlicht auch ein Sammelband, der kürzlich erschienen ist: „Zwischen Kult und Experiment“ haben ihn die Autoren vom „Arbeitskreis Musikgeschichte in der Region“ betitelt. Am Mittwoch wurde er vorgestellt.

Es ist sicher kein Zufall, dass als Ort der Buchvorstellung am Mittwoch die Hochschule für Musik Saar gewählt wurde, ist sie doch für das Saarland ein wichtiges kulturelles Zentrum, in dem Vergangenes lebendig gehalten und so auch Zukünftiges ermöglicht wird. Mit einer reichen Musikgeschichte ist das Saarland gesegnet. Die jüngste Publikation des "Arbeitskreises Musikgeschichte in der Region" zeigt das einmal mehr.

"Zwischen Kult und Experiment" lautet der Titel des im Saarbrücker Pfau Verlag erschienenen Werkes, das auf eine Intiative der Akademie für Alte Musik im Saarland zurückgeht. Sechs Autoren behandeln verschiedene Stationen historischer Musikpraxis und leisten so ihren wertvollen Beitrag zur Erschließung des regionalen kulturellen Erbes. Für ihre Texte befassten sie sich mit den Nachlässen besonderer Musikerpersönlichkeiten und werteten diese zusammen mit historischen Quellen aus. So entstanden umfassende Gesamtbilder von Leben und Wirken der Ausgewählten. "Attraktiv und erkennbar für die Öffentlichkeit" solle der Inhalt des Buches vermittelt werden, sagte Joachim Fontaine, Musikwissenschaftler, Co-Autor und Herausgeber. Sein eigener Beitrag handelt von dem Adligen Joseph-Napoléon de la Moskowa, der durch seine Liebe zur Musik maßgeblich an der Gründung einer der ersten Chorgesellschaften in Frankreich beteiligt war.

Eine ganz andere Richtung schlug Werner Spaniol ein. Er schrieb über Olga Schwind, eine mittelalterliche Instrumentalistin und Sängerin mit Wurzeln in Tholey. Spaniol begutachtete Instrumente des Tholeyer Museums, sogar Tagebücher und Briefe der Musikerin flossen in seinen Text mit ein. Auch der Saarländische Rundfunk konnte mit archivierten Hörbeispielen zur Recherche beitragen. Bernhard H. Bonkhoffs widmete sich den beeindruckenden Feldstudien des Volksliedforschers Louis Pinck, Michael-Hubert Lamla einer Episode aus dem Leben des Cembalisten und Pianisten Fritz Neymeyer. Dem illustren Kirchenmusiker Karl Rahner widmete sich Joachim Conrad.

Finanziell ermöglicht wurde das Gesamtwerk durch die Union Stiftung und ihren Vorsitzenden Rudolf Warnking. Sigrid Konrad vom Pfau Verlag und Christian Grün, die zusammen das Lektorat übernommen hatten, wiesen bei der Buchvorstellung auf die vielen ungesicherten Komponistennachlässe im Saarland hin, die zukünftig mehr Wertschätzung erfahren sollten. Institutionen wie das Robert-Hahn-Archiv oder die Fritz-Neumaier-Akademie könnten helfen, die Mengen ungeordneten Materials zu sichten. Fontaine sagte, man wolle das Buch als einen "Blick zurück" präsentieren, der zugleich eine "Einladung zur Entwicklung" sein soll.

Zwischen Kult und Experiment: Stationen historischer Musikpraxis in der deutsch-französischen Grenzregion, hrsg. von Joachim Fontaine, Pfau Verlag, 163 Seiten mit zahlr. Abbildungen, 19 Euro.