Sado-Maso-Spiele unter dem Park: Andreas Maiers "Sanssouci"

Sado-Maso-Spiele unter dem Park: Andreas Maiers "Sanssouci"

Saarbrücken. Andreas Maiers vierter Roman kreist geheimnisvoll um den Tod. Er beginnt mit der Beerdigung des Filmemachers Max Hornung, der unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen ist. Maier spinnt ein kaum durchschaubares Geflecht menschlicher Beziehungen, das sich um den toten Regisseur rankt, der sich mit seinem Doku-Soap-Projekt "Oststadt" Feinde gemacht hat

Saarbrücken. Andreas Maiers vierter Roman kreist geheimnisvoll um den Tod. Er beginnt mit der Beerdigung des Filmemachers Max Hornung, der unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen ist. Maier spinnt ein kaum durchschaubares Geflecht menschlicher Beziehungen, das sich um den toten Regisseur rankt, der sich mit seinem Doku-Soap-Projekt "Oststadt" Feinde gemacht hat. Wie es der Romantitel "Sanssouci" schon suggeriert, verbirgt sich hinter dieser "Oststadt" Potsdam. Trotz der Bezugnahme auf real existierende Straßen, Plätze und Schlösser ließe sich die brandenburgische Landeshauptstadt dennoch gegen jede andere Stadt ihrer Größe austauschen.

In der portraitierten Stadt lebt allerlei buntes Volk nebeneinander: Alternde Ökos, versponnene Pseudo-Radikale und selbsternannte orthodoxe Heilsbringer queren die Wege von bürgerlichen Würdenträgern. So ganz "sans souci" (ohne Sorgen) läuft der Alltag nicht ab, denn im Untergrund brodeln dunkle Geheimnisse. Unter dem Schlosspark wird ein Tunnelsystem vermutet, in dem Sado-Maso-Partys stattfinden sollen.

Maiers seit seinem Erstling "Wäldchestag" (2000) favorisiertes Sujet findet sich hier wieder: die explosive Energie der Gerüchte und die subjektiv gefärbte Wahrnehmung von Realität. "Sanssouci" verliert sich in einem nebulösen Theoriegemisch aus Phrasen, Thesen und Spekulationen. "In dem Buch werde das, was erzählt wird, gar nicht erzählt, und gerade dadurch werde es erzählt." Dieses geheimnisvolle, letztlich selbstcharakterisierende Geraune aus einem Referat über Wilhelm Raabe, das Maier einem Schüler namens Nils in den Mund gelegt hat, ist der einzig aufrichtige Satz eines Romans, der allenfalls Erstaunen und Verwirrung, nicht aber innere Anteilnahme auslöst. pmo

Andreas Maier: Sanssouci. Suhrkamp, 299 S., 19,80 €