1. Saarland

Zwischen Tränen und Triumphen

Zwischen Tränen und Triumphen

E s war nur eine Minute, aber es war eine der schönsten und wichtigsten in seinem Leben: 23. Mai, Boca Raton/Florida, 22.

15 Uhr: Philipp Wollscheid feiert sein Debüt in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. In der 90. Minute wird der Morscholzer im Länderspiel gegen Ecuador eingewechselt. Ein paar Tage später gegen die USA darf der 24-Jährige sogar eine Halbzeit lang ran. Ein Traum wird wahr. Es ist der - vorläufige - Höhepunkt in Wollscheids Karriere.

Einer Karriere, die stotternd begann, dann aber umso rasanter verlief. In Saarbrücken wollten sie ihn vor vier Jahren nicht mal für die Regionalliga-Mannschaft, jetzt ist er Nationalspieler. "Im Nachhinein finde ich es auch krass, dass alles so gelaufen ist", sagt Wollscheid. Dass er in der Nationalelf, anders als bei seinem Club Bayer Leverkusen, derzeit nicht gesetzt ist, darüber macht er sich keine Sorgen. "Es gibt viele gute Innenverteidiger, da habe ich momentan vielleicht schlechtere Karten. Aber ich werde weiter hart trainieren", sagt Wollscheid. Ganz getreu seines Mottos: "Wenn die anderen glauben, man ist am Ende, muss man erst richtig anfangen."

Auch die Fußballer im Kreis haben 2013 Grund zum Jubeln: Landesligist FC Brotdorf spielt eine phänomenale Saison 2012/13. Im Pokal wird die Mannschaft erst im Halbfinale von Saarlandligist FC Wiesbach gestoppt. In der Liga hält niemand den Siegeszug auf. Folge: Das Team fährt so früh den Titel ein, dass der Verband noch nicht mal die Meisterschalen fertig hat. Die gibt es erst mit Verspätung.

Auch zwei A-Ligisten schreiben Geschichte: Die Spvgg. Merzig holt den ersten Titel seit 24 Jahren. Noch vier Jahre länger mussten die Fans des FC Düppenweiler warten. Entsprechend ausgiebig wird gefeiert. "Die nächste Trainingseinheit wird am Tresen stattfinden", kündigt Spielertrainer Mathias Tritz an.

Die Männer des SV Bardenbach haben ebenfalls was zu feiern: Ihnen gelingt der Aufstieg in die Landesliga. Doch die Freude im Club ist etwas getrübt: Die Frauen steigen nach nur einem Jahr aus der 2. Liga ab. Danach bricht die Mannschaft auseinander - und ist auch in der Regionalliga wieder Letzter. Es droht der direkte Durchmarsch in die Verbandsliga.

Davon ist der SV Mettlach weit entfernt. Am 13. November wirft die Mannschaft Drittligist 1. FC Saarbrücken mit 2:1 aus dem Saarlandpokal und schafft damit die große Sensation, in der Liga überwintert der SVM auf Platz sechs. Dagegen erwischt es den FC Reimsbach richtig böse: 18 Jahre lang gehörte der Club ununterbrochen der höchsten saarländischen Liga an, spielte lange in der Spitze mit. Udo Hölzer zieht im April die Reißleine und tritt nach 13 Jahren zurück - doch auch das kann den Absturz nicht verhindern.

In der Verbandsliga erwischt es sogar gleich zwei Teams aus dem Kreis: Für Ex-Saarlandligist SG Perl-Besch geht die Talfahrt weiter Richtung Landesliga, und auch der SV Schwemlingen-Ballern steigt ab. Immerhin: In den neuen Klassen kriegen die Teams die Kurve und stehen jetzt mit an der Spitze.

Rückschläge wegstecken, nicht unterkriegen lassen: Das gilt 2013 auch für die Tennis- und Tischtennisspieler. Die Tennis-Asse des TC Merzig starten optimistisch in ihre vierte Oberliga-Saison, steigen am Ende nach viel Verletzungspech aber ab. Die Tischtennis-Spielerinnen des TTV Rimlingen-Bachem (Regionalliga) und die Tischtennis-Freunde Besseringen (Oberliga) zahlen viel Lehrgeld und werden wohl nächstes Jahr ebenfalls eine Klasse tiefer spielen.

Besser klappte es da bei den Handballern - zumindest am Anfang. Obwohl ihr Alphatier Peter Laux fünf Monate ausfällt, schnappen sich die Wölfe der HF Merzig-Brotdorf souverän den Titel in der Saarlandliga und kehren in ihr angestammtes Jagdgebiet, die Oberliga, zurück. Dort gelingt ein Start nach Maß, dann aber verlieren die Wölfe den Biss und rutschen sogar auf einen Abstiegsplatz ab. Trainer Thomas Schmitt wirft Mitte Dezember das Handtuch, kurz vor Weihnachten brennt somit der Baum. Mal sehen, was 2014 so alles passiert. Auf ein gutes Neues.