1. Saarland

Zweimal Museum im Stadtrat

Zweimal Museum im Stadtrat

Saarbrücken

Saarbrücken. Wie weit ist das städtische Schulamt mit den Vorbereitungen zur Schulbuchausleihe für die rund 5600 Saarbrücker Grundschüler? Wird das Erbe von Weltenbummler Heinz Rox-Schulz verschenkt? Wann wird der Seniorenbeirat seine Arbeit aufnehmen, wie setzt sich das Gremium zusammen, und welche Aufgaben hat es? Ab wann werden die Müllgebühren der Saarbrücker nach dem so genannten Identsystem, also nach der von einem Computerchip registrierten Zahl der Leerungen, berechnet? Darf die städtische Baubehörde den so genannten vierten Pavillon am Saarlandmuseum genehmigen?Das sind einige der Fragen, mit denen sich der Saarbrücker Stadtrat heute ab 16 Uhr im Saal West der Congresshalle beschäftigen wird. Die Sitzung ist öffentlich. Vor allem Anwohner der Bismarckstraße werden das nutzen, um zu sehen, ob der Stadtrat der Empfehlung der städtischen Baubehörde folgt und grünes Licht für den Bau des 14,5 Meter hohen und 35 Meter breiten so genannten vierten Pavillons gibt. Die CDU-Rratsfraktion ist für die Genehmigung, SPD und Grüne sehen noch Diskussionsbedarf. "Die große Frage ist: Was macht die FDP?", sagte der ehemalige Landeskonservator Johann Peter Lüth gestern. Er ist ein erklärter Gegner des Neubaus und hofft, dass die FDP ihrem Koalitionspartner CDU die Gefolgschaft verweigert und das Verfahren offenhält.Mit großer Aufmerksamkeit wird auch verfolgt, ob CDU und Grüne wie im Stadtrats-Kulturausschuss geschlossen dafür stimmen, das Erbe des Weltenbummlers Heinz Rox-Schulz noch vor der Kommunalwal am 7. Juni an ein Völkerkundemuseum abzugeben. Das Interesse an dieser Entscheidung reicht bis weit über die Stadtgrenze hinaus. Freunde des 2004 gestorbenen Abenteurers haben sich in diesen Tagen zu Wort gemeldet, um vor einer Zerschlagung der Sammlung zu warnen und für eine Wiedereröffnung des 2004 geschlossenen Abenteuermuseums zu werben. Eine solche Sammlung und eine solch schillernde Figur wie Rox müsse man in Szene setzen. Saarbrücken habe da einen Schatz, der leichtfertig verschenkt werde. Das befürchtet zum Beispiel Heinrich P. Scierski. Er hat sich aus seiner Wahlheimat Schweden zu Wort gemeldet. "Junge Menschen anzuregen, andere Kulturen kennenzulernen", sei eine lohnende Aufgabe, die nicht von Politikern zerredet werden dürfe. Egal wie der Stadtrat entscheidet, das städtische Schul- und Kulturamt hatte bereits im Kulturausschuss darauf hingewiesen, dass es schwierig ist, bis Sommer einen Abnehmer für die Sammlung zu finden. Das Amt ist nämlich mit der Ausarbeitung eines Investitionsprogramms für die Grundschulen und mit der Schulbuchausleihe sehr beschäftigt. Zu letzter wird es im Rat keine Überraschung geben. Schul- und Kulturdezernent Erik Schrader wird den Rat darüber unterrichten, dass die Stadtverwaltung sicherstellen wird, dass die Leihbücher für die Grundschüler, die das möchten, am 24. August, dem ersten Schultag, bereitliegen werden. "Ich kann aus gebührendem Abstand nur sagen: Es lebe die Provinz!"Heinrich P. Scierski, in Schweden lebender Freund von Rox-Schulz zur Diskussion ums Abenteuermuseum