1. Saarland

Zweifel an der Schulreform

Zweifel an der Schulreform

Köllertal

Köllertal. Kerstin Jugl-Koch (Foto: Becker & Bredel), Rektorin der Erweiterten Realschule (ERS) Püttlingen mit 383 Schülern, sieht die vom Landtag auf den Weg gebrache Schulreform positiv: "Sie erleichtert den Eltern, die künftig nur noch unter zwei Schulformen wählen müssen, die Entscheidung und bietet den Schülern einen wesentlich entspannteren Weg zum Abitur als das Gymnasium." Sorgen um die Zukunft ihrer Schule muss sich Jugl-Koch keine machen: "Wir haben 67 Neuanmeldungen für das kommende Schuljahr und können wie bisher dreizügig, also mit drei Fünferklassen, weitermachen."Eine Bestätigung für das pädagogische Konzept der Püttlinger Schule, die auf die Nachmittags-Betreuung in Form der Freiwilligen Ganztagsschule setzt. "Hier besteht ein Riesenbedarf, dem wir bisher auch entsprechen konnten", betont Kerstin Jugl-Koch.

Ebenfalls eine leichte Steigerung der Schülerzahlen für das kommende Schuljahr registriert Günter Engel (Foto: Becker & Bredel), Rektor der Gesamtschule Riegelsberg mit 466 Schülern: "Uns liegen 89 Neuanmeldungen vor, so dass wir sogar schon über über einen Aufnahmestopp Eltern an andere Schulen verweisen mussten." 40 Kinder nehmen derzeit in Riegelsberg die Freiwilige Ganztagsschule am Nachmittag in Anspruch: "Tendenz steigend, so dass wir auch hier schon unsere räumlichen Kapazitäten ausgeschöpft haben." Beim Thema Schulreform bedauert Engel, dass der in Riegelsberg gut eingeführte Namen Gesamtschule künftig entfällt. Ansonsten begrüßt er aber die Pläne des Bildungsministeriums, die künftige Gemeinschaftsschule (mit Abitur in neun Jahren) als Alternative zum Gymnasium (mit G 8-Abitur) zu entwickeln: "In Riegelsberg passiert das schon. Wir haben 30 Prozent Schüler mit gymnasialer Empfehlung", sagt Günter Engel, der anregt, in den künftigen Gemeinschaftsschulen den Klassenteiler deutlich zu verringern, um gemeinschaftliches Lernen mit dem Ziel eines möglichst hohen Bildungsabschlusses noch mehr zu erleichtern.

"Es bestehen Zweifel, dass die neue Schulform wirklich zur angekündigten gleichwertigen Säule neben dem Gymnasium wird", meint Ludwig Geiser (Foto: Schule), Leiter der ERS Heusweiler (Friedrich-Schiller-Schule). Begründung: "Wenn im Gymnasium in den ersten Jahren das Sitzenbleiben wegfällt, ist zu erwarten, dass zum Nachteil der Gemeinschaftsschule der Zulauf zum Gymnasium größer wird." Wie sein Kollege Engel fordert Geiser "deutlich kleinere Klassen und ein Mehr an Lehrkräften", um das aus seiner Sicht begrüßenswerte Eckpunktepapier zu größerer individueller Förderung der Schüler zu verwirklichen. Bereits abzusehen sind nach seiner Meinung Probleme im Bereich der Fremdsprachen: "Hauptschüler sind in der Regel damit überfordert, zwei Fremdsprachen zu lernen. Es wäre wesentlich sinnvoller, diese Zielgruppe stärker als bisher ausbildungsfähig machen zu können", sagt Geiser, der darüber hinaus auch mehr Schulsozialarbeit und mehr Personal für den Förderunterricht einfordert: "Dies scheint aber nicht eingeplant zu sein." An der ERS Heusweiler (Gesamtschülerzahl: 470) sind bisher 39 Schüler für das kommende Schuljahr angemeldet worden; das entspricht einem Minus von 15 gegenüber dem laufenden Schuljahr. Geiser: "Es gibt also im kommenden Schuljahr zwei Eingangsklassen in der Klassenstufe 5." In der Freiwilligen Ganztagsschule Heusweiler befinden sich derzeit 40 Schüler, zehn weitere wollen im kommenden Schuljahr dieses Angebot nutzen.