Zwei Urgesteine aus Blieskastel

Zwei Urgesteine aus Blieskastel

Blieskastel. "Ihr seid eine Bereicherung für unsere Stadt", auf diesen Eintrag der Bürgermeisterin in das Gästebuch zu ihrer Goldenen Hochzeit sind Elly und Carl-Oskar Kunz sehr stolz. Wenn auf jemand die Bezeichnung "Blieskasteler Urgesteine" zutreffen sollte, dann sicherlich auf die beiden rüstigen Pensionäre

Blieskastel. "Ihr seid eine Bereicherung für unsere Stadt", auf diesen Eintrag der Bürgermeisterin in das Gästebuch zu ihrer Goldenen Hochzeit sind Elly und Carl-Oskar Kunz sehr stolz. Wenn auf jemand die Bezeichnung "Blieskasteler Urgesteine" zutreffen sollte, dann sicherlich auf die beiden rüstigen Pensionäre. Hoch oben am Schlossberg in der Birkenstraße steht ihr schmuckes Häuschen, einen tollen Blick hat man von dort auf die Stadt und weiter bis hinüber nach Webenheim und Mimbach.Beide sind nach wie vor in vielen Vereinen aktiv, weit über die Grenzen Blieskastels bekannt wurden die rüstigen Rentner allerdings durch ihr Engagement und durch Auftritte auf den närrischen Brettern der Blieskasteler Fastnacht. Schon bei der Gründung der Blieskasteler Karnevalsgesellschaft (BKG) vor 50 Jahren "musste" der junge Carl-Oskar in den Jungelferrat. Der damalige BKG-Präsident Josef Kockler wollte, dass die jungen Blieskasteler Geschäftsleute durch ihr Engagement bei der Fastnacht auch bei den Kunden bekannt wurden. "Unsere Familie stammt aus dem rheinhessischen Alzey, schon die Vorfahren saßen in Mainz im Elferrat".

Aber das Dasein als Elferrat wurde Carl-Oskar schnell zu langweilig, er ging (sehr erfolgreich) immer wieder in die Bütt. Und seine Frau Elly folgte kurze Zeit später dem Mann nach, seither steht die nun knapp 80-Jährige in der Bütt. Allein 14 Jahre verkörperte sie den "Blieskasteler Stallbock", und zum diesjährigen 50. BKG-Jubiläum schlüpfte sie in der Kampagne erneut in diese Rolle. "Ich habe das Talent zum Reimen", weiß Elly Kunz, unzählige Reden hat sie für sich - und auch für andere - schon geschrieben. Auch in der legendären "Blieskasteler Altstadtrunde", die sich an jedem ersten Donnerstag im Monat im Hinnereck trifft, darf sich jeder Teilnehmer zum Geburtstag auf ein paar gereimte Zeilen von Elly freuen.

Seit zehn Jahren nimmt sie das lokale Geschehen bei ihrer Kerweredd auf die Schippe, entstanden durch eine spontane Idee. "Und dann sprudelte es nur so aus ihr raus, ich konnte gar nicht schnell genug mitschreiben", erinnert sich ihr Mann Carl-Oskar an die erste Kerweredd. Inzwischen ist diese Rede schon Tradition, Elly Kunz muss die Rede immer am Kirmessonntag und -montag halten. Daneben engagiert sich Elly Kunz bei den Turnerfrauen des SC Blieskastel, wo sie auch als Turnwartin im Vorstand ist. Auch ist Elly die "Rädelsführerin" der närrischen Weiber am Fetten Donnerstag. Bei unzähligen Festen, vom Altstadtfest bis zum Bohnenfest, ist Elly immer wieder aktiv. Aber auch ihr Mann ist sehr engagiert: Vielen Bliestälern ist er als Fotograf in Blieskastel ein Begriff, das vom Vater übernommene Fotogeschäft hat er bis zu seinem Ruhestand geführt. Unzählige Kommunionkinder etwa hat er jahrelang am Tag nach dem Weißen Sonntag fotografiert, oft 200 Kinder an einem Tag. Kein Passbild in Blieskastel und Umgebung, das nicht von Carl-Oskar Kunz "geschossen" wurde. Er war zwölf Jahre im Innungsvorstand und auch bei der Prüfungskommission. Vor zwei Jahren erhielt er sogar den Goldenen Meisterbrief. Lange Jahre war er aktiver Schütze beim Schützenverein Blieskastel, den er 20 Jahre als Vorsitzender geführt hat.

Er erhielt das Verdienstkreuz der Schützen in Bronze, die höchste Auszeichnung die man - abgesehen vom Bundes- oder Landesvorsitzenden - beim Schützenbund erhalten kann. Gemeinsam mit seiner Frau ist auch er seit der Gründung der zweiten Blieskasteler Fastnachtstruppe, der HKG, aktiv. Und sportlich aktiv sind beide noch jeden Donnerstag, wo im Blieskasteler Schwimmbad 40 Bahnen gezogen werden. Beide lieben Blieskastel als ihre Heimatstadt: "Hier kennt jeder jeden", stellt Elly Kunz fest. Und ihr Mann fügt hinzu: "Wenn meine Frau in Blieskastel oder Umgebung ein Lokal betritt, hört man immer wieder: Awei kommt's Elly".

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