1. Saarland

Zwei Mal auf dem guten Jakobs-Weg

Zwei Mal auf dem guten Jakobs-Weg

Oberwürzbach. Wolfgang Seel (Foto: Malter) hat gute Erinnerungen an den 4. September 1974: Um 22.05 Uhr ging im St.-Jakob-Stadion in Basel für den Saarländer ein Telegramm ein. Absender: der Sportverein Kirkel. Weltmeister Deutschland war gerade als 2:1-Sieger gegen die Schweiz in die Kabine gegangen

Oberwürzbach. Wolfgang Seel (Foto: Malter) hat gute Erinnerungen an den 4. September 1974: Um 22.05 Uhr ging im St.-Jakob-Stadion in Basel für den Saarländer ein Telegramm ein. Absender: der Sportverein Kirkel. Weltmeister Deutschland war gerade als 2:1-Sieger gegen die Schweiz in die Kabine gegangen. Der Telegramm-Empfänger Seel, der damals im DFB-Team stand, blickt 34 Jahre zurück: "Der spontane Glückwunsch von meinem Heimatverein hat mir viel mehr bedeutet, als wenn mir jemand die Prämie erhöht hätte." Zweiter Seel-Auftritt in Basel: 1979 war er zweifacher Torschütze im Finale des Europa-Cups der Pokalsieger bei der 3:4-Niederlage von Fortuna Düsseldorf gegen den FC Barcelona. Seel ist viel in der Fußballwelt herumgekommen, doch an die Werte der kleinen Ursprünge erinnert er sich noch heute mit Dankbarkeit. Seel über sein Seelenleben: "Ich bin ein heimatverbundener Mensch und lebe gern in Harmonie. Deshalb habe ich auch mit 50 noch in der ersten Mannschaft des SV Oberwürzbach gespielt. In solch einem kleinen Ort herrscht, wie früher bei uns in Kirkel auch, große Verbundenheit. Es gibt keinen Neid, keinen Hass. Das ist nicht nur Fußball; so etwas brauche ich." Die dörfliche Kirkeler Bescheidenheit hat den späteren Nationalspieler geprägt, ihm dieses Bewusstsein für das "Mehr als nur Fußball" mit auf den Weg gegeben. In jungen Jahren war Seel ein sportliches Multi-Talent. Beim Fußballspiel war er für alle Positionen zu haben, "auch als Torhüter", wie er sagt. Handball spielte er im Heimatort Kirkel auch, war dort zudem Turner und Leichtathlet (Sprint, Weitsprung). Einmal ist er als Waldlauf-Kreismeister geehrt worden. Manchmal hatte er am Nachmittag Fußball-, und am Abend Handball-Einsatz. Seine Fußball-Jugendliebe hieß Borussia Neunkirchen. Zu Bundesliga-Zeiten hatte der junge Wolfgang seinen Stammplatz im Fanblock beim legendären Borussen-Leo. Dort konnte er fahnenschwingend seiner Verbundenheit zum großen Nachbar-Club am besten Ausdruck verleihen. Neunkirchen hatte sein Trainingsquartier damals vor Heimspielen in Kirkel. Seels stille Hoffnung: "Vielleicht schaut mal einer von der Borussia vorbei, wenn ich meine privaten Trainingseinheiten auf unserem Sportplatz abspule." Doch es kam anders: Kurz bevor er 18 wurde, klingelte ein FCS-Beauftragter an der Haustüre in Kirkel. "Ich habe dann in Saarbrücken unterschrieben." Wenig später sei die Borussia bei ihm vorstellig geworden, "aber es war zu spät". Trotz seiner Fußball-Liebe zum Ellenfeld habe er den Wechsel in den Ludwigspark "nie bereut". Dem tiefen Absturz zum Trotz: Das Stadion in der Landeshauptstadt ist für ihn eine Art Kultstätte geblieben: "Ich fiebere auch in der Oberliga mit dem 1. FC Saarbrücken mit. Der Verein hat mir viel gegeben. Ich habe ihm als Spieler und als Jugendtrainer einiges zurückgeben können und werde ihm auch weiter zurückgeben." Dieses "Geben und Nehmen" überträgt er auf seinen Sohn Fabian. Der Filius hat für Saarbrücken sein Talent als Torhüter beweisen können, auch in der kommenden Saison gehört er zum Oberliga-Kader. Der Vater war auf dem Fußballplatz sozusagen ein "Zehnkämpfer": Auf allen Feldpositionen konnte er eingesetzt werden und stand überall seinen Mann. Auch heute noch hilft Sympathieträger Seel dem in Not geratenen Club mit Rat und Tat hinter den Kulissen. Während seiner Lauterer Zeit hatte der Saarländer ein Angebot von Bayern München abgelehnt. Bedingung: Seel sollte vertraglich auf der Außenstürmerposition "festgenagelt" werden, weil er aus dieser Position Paul Breitner schwindlig gespielt hatte. Der Grund für die Ablehnung: "Ich habe das Risiko gescheut und wollte nicht auf der Bank sitzen. Bei Fortuna Düsseldorf habe ich als Mittelfeldspieler den Sprung in die Nationalelf geschafft."

Auf einen BlickDie Bundesliga-Bilanz von Wolfgang Seel: 361 Einsätze - 65 für den 1. FC Kaiserslautern, 274 für Fortuna Düsseldorf und 22 für den FCS. 79 Tore hat er in der höchsten Klasse zwischen 1971 und 1986 erzielt. In der Nationalelf wurde er zwischen 1974 und 1976 sechs Mal eingesetzt. Der Außendienstmitarbeiter bei Saartoto ist inzwischen in Alters-Teilzeit. Seel arbeitet mit den Trainerkollegen Uwe Recktenwald und Michael Hepp am DFB-Stützpunkt in St. Ingbert. Vier Jahrgänge der C- und D-Jugend werden montags drei Stunden lang in zwei Gruppen mit je 25 Talenten geschult. Der frühere Nationalspieler wohnt in Oberwürzbach-Reichenbrunn. wb