Zwei Euro machen den Unterschied

Zwei Euro machen den Unterschied

Kochen, das macht Spaß. Kann aber auch manchmal zur Herausforderung werden. Nicht nur, wenn es sich um ein besonders kompliziertes Rezept handelt, sondern auch, wenn bei der Zubereitung Unverträglichkeiten gegenüber Nahrungsmitteln beachtet werden müssen. Wie viele Einschränkungen bei der Wahl der Speisen gibt es? Und müssen Lebensmittelallergiker beim Einkauf deutlich mehr bezahlen? Diesen Fragen wollten zwei Redakteurinnen der St. Wendeler Zeitung auf den Grund gehen. Als Menü wählten sie einmal den Klassiker Spaghetti Carbonara und einen ausgefallenen Nachtisch namens Oreo Dessert. SZ-Redakteurin Melanie Mai kaufte die gewohnten Produkte ein, SZ-Redakteurin Evelyn Schneider nur solche, die gluten- und laktosefrei sind. Beim gemeinsamen Einkaufsbummel haben sie spannende Erfahrungen gemacht.

Schon gleich am Eingang des Supermarktes habe ich Glück. 0,69 Cent für 500 Gramm - meine Lieblingsspaghetti sind im Angebot. Da greife ich doch gerne zu. Schließlich achte ich heute, wie übrigens auch bei meinen privaten Einkäufen, auf den Preis. So kaufe ich auch zehn Eier für weniger Geld als meine Kollegin für sechs Eier bezahlt. Die Sache mit den Angeboten geht weiter. Kochschinken ist mit 1, 29 Euro günstiger als normalerweise zu haben, und auch die Margarine hat einen Super-Preis - 79 Cent. Ich sehe schon vor meinem geistigen Auge den Preisunterschied zwischen den Zutaten für meine Kollegin und denen für mich wachsen. Allein der Preisunterschied bei den Nudeln ist enorm - da liegen 1,60 Euro dazwischen. Aber schnell macht sich Ernüchterung breit. Für meinen Lieblings-Nachtisch, das Oreo-Dessert (ein Rezept von amerikanischen Freunden) benötige ich 200 Gramm Frischkäse. Aber in einer Packung sind nur 175 Gramm drin. Jetzt muss ich wegen 25 Gramm eine weitere Packung für 1,29 Euro kaufen; meine Kollegin hingegen hat in ihrer Spezialabteilung eine 200-Gramm-Packung gefunden.

Teuer wird auch die Sache mit der Sahne. Eigentlich bräuchte ich eine Plastikdose Coolwhip, wie es im amerikanischen Rezept steht. Allerdings gibt es das in deutschen Geschäften nicht. Aber ich habe mir sagen lassen, dass die geschlagene Sahne, die es jetzt in ähnlichen Dosen gibt, auch verwendet werden kann. Die Dose ist jedoch viel kleiner als die des Coolwhips. Also nehme ich drei für je 1,05 Euro statt einer US-Dose. Meine Kollegin hingegen hat diese Wahl nicht; sie kauft herkömmliche Sahne, natürlich laktosefrei, die sie dann selbst steif schlägt. So hat sie mehr Arbeit - und ich habe den höheren Preis. Der Nachtisch hat mich also reingerissen. Mein Hauptgericht allein hätte gerade einmal 5,51 Euro gekostet. Zum Vergleich: Meine Kollegin zahlte gut zwei Euro mehr.

So aber staune ich an der Kasse, genau wie meine Kollegin Evelyn Schneider. Nur rund zwei Euro Unterschied - da hatten wir mit mehr gerechnet. Dafür habe ich jetzt aber noch Eier, Käse und Milch übrig - mal sehen, was sich daraus Leckeres zaubern lässt. Mit Zettel und Korb bewaffnet, geht es hinein in den Supermarkt. Während sich meine Kollegin von Angebotsschildern leiten lässt, steuere ich zielstrebig auf ein bestimmtes Regal zu. Denn dort gibt es gluten- und laktosefreie Produkte. Als erstes wandert eine Packung Spaghetti aus Mais in meinen Korb. Der stolze Preis: 2,29 Euro. Preislich gehe ich damit eindeutig in Führung.

Auch fernab des Spezialregals sind die Worte "glutenfrei" und "laktosefrei" immer häufiger zu lesen. Auch auf Wurstwaren. Und so entscheide ich mich auch hier für eine Firma, die Rücksicht auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten nimmt. Die Produkte für die Hauptspeise sind schnell gefunden. Das Dessert allerdings bereitet mir Schwierigkeiten. Während meine Kollegin lächelnd eine Packung Oreos-Kekse in ihren Einkaufskorb legt, stehe ich ratlos vor dem Regal. Zwar gibt es glutenfreie Kekse, die dem Klassiker aus Amerika zum Verwechseln ähnlich sehen, doch enthalten diese Milch und somit auch Laktose. Ich muss mich an dieser Stelle geschlagen geben und kann mit meiner Nachspeise nur Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit erfreuen. Dem Rückschlag folgt eine positive Beobachtung: Mir fällt auf, dass die angebotenen Mengen meiner Produkte perfekt zu unseren Rezepten passen. Bei mir reicht oft eine Packung, wo meine Kollegin zu einer zweiten greifen muss. Beim Showdown an der Kasse bin ich überrascht. Mein Korb voller besonderer Produkte kostet mit 17,30 Euro nur knapp zwei Euro mehr als der Einkauf meiner Kollegin.

Mein Fazit: Dass Supermärkte immer mehr Produkte führen, die gluten- und laktosefrei sind, macht für Menschen mit Unverträglichkeiten den Einkauf deutlich leichter. Und Geld lässt sich auch sparen, weil es nicht immer die Ware aus dem Reformhaus sein muss. Wer unter zwei oder mehr Unverträglichkeiten leidet, hat es schwer. Denn nicht alle Firmen produzieren ohne Gluten und ohne Laktose. Für all diejenigen, die komplett auf Milchprodukte verzichten und auf Soja zurückgreifen wollen oder müssen, wird es teuer. Zum Vergleich: ein Liter laktosefreie Milch ist ab 85 Cent zu haben, ein Liter Sojamilch kostet 1,79 Euro. Spaghetti Carbonara ohne Gluten und Laktose sind lecker und haben mich 7,55 Euro gekostet.

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HintergrundHaben auch Sie Erfahrungen mit Lebensmittelunverträglichkeiten gemacht? Dann lassen Sie uns daran teilhaben. Wie haben Sie es gemerkt? Was tun Sie dagegen? Haben sie die Unverträglichkeit überwunden? Schicken Sie uns Ihre Geschichte, gerne auch mit einem Foto. Wichtig sind Angaben wie Name, Alter, Wohnort. Unsere Adresse: Saarbrücker Zeitung, Mia-Münster-Straße 8, 66606 St. Wendel oder redwnd@sz-sb.de. Die schönsten Geschichten haben die Chance, Teil unserer neuen Serie "Essen ohne Reue" zu werden. In dieser Serie stellen wir viele verschiedene Facetten rund ums Essen vor. him

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StichwortGluten ist ein Klebereiweiß, das vor allem in Getreidearten wie Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und Hafer vorkommt. Manche Menschen entwickeln eine Unverträglichkeit gegenüber Gluten. Die Folge ist oft Zöliakie, eine chronische Erkrankung des Dünndarms. Laktose ist Milchzucker. Menschen mit einer Laktoseintoleranz mangelt es an dem Enzym Laktase. Fehlt dieses kann der Milchzucker nicht in seine Bestandteile zerlegt und verdaut werden. Nicht zu verwechseln ist eine Laktoseintoleranz mit einer Kuhmilchallergie. Dabei reagiert das Immunsystem auf körperfremdes Eiweiß. evy

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Auf einen BlickOreo-Dessert: Margarine (250 Gramm) erwärmen und mit den in winzig kleine Stücke zerkleinerten Oreo-Keksen (1 Pack) mischen; in höhere Auflaufform füllen, kühl stellen. Frischkäse (200 Gramm), eine Tasse Puderzucker und Coolwhip, alternativ steif geschlagene Sahne (etwa ein viertel Liter) mischen; in die Auflaufform füllen, kühl stellen. Die gleiche Menge Coolwhip - oder Sahne - kühl stellen. Schoko-Galettapudding (1 Päckchen) mit Milch (ein halber Liter) anrühren. Kaltes Coolwhip auf die Masse geben und mit Keks-Bröseln verzieren; kühl stellen. him

Die Standard-Produkte für die beiden ausgesuchten Rezepte.

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Auf einen BlickSpaghetti Carbonara: Schinkenwürfel (150 Gramm) in Öl anbraten. Die Spaghetti (200 Gramm) kochen, Eigelb (3 Eier) mit Sahne (eine halbe Tasse) und Parmesan (50 Gramm) verquirlen, salzen und gut pfeffern. Eimasse schnell mit den gekochten, abgetropften Spaghetti und den krossen Schinkenwürfeln mischen: alles im heißen Topf wieder auf die ausgeschaltete Kochstelle stellen und nur so lange vermischen, bis das Eigelb bindet. Noch einmal gut mit Salz und Pfeffer abschmecken. him