1. Saarland

Zuwanderer haben spezielle Gesundheits-Nöte

Zuwanderer haben spezielle Gesundheits-Nöte

Völklingen. "Macht Migration krank?", fragte Dr. Murat Ozankan, Oberarzt für Psychiatrie und Psychotherapie in der Migrantenambulanz in Langenfeld bei Köln, in die Runde. Ja, lautet seine eigene Antwort

Völklingen. "Macht Migration krank?", fragte Dr. Murat Ozankan, Oberarzt für Psychiatrie und Psychotherapie in der Migrantenambulanz in Langenfeld bei Köln, in die Runde. Ja, lautet seine eigene Antwort. Und bei einer vom Verein Ramesch (siehe "Stichwort") veranstalteten Diskussion zum Thema "Psychosoziale Gesundheit und Migration" im Kongresszentrum der Völklinger SHG-Kliniken belegte er sie mit einer Fülle von Daten.Seine Ausgangs-These: "Migration ist ein Stress auslösendes Ereignis." In Deutschland, so der Mediziner, hätten es Zuwanderer immer noch schwerer als Menschen, die hier aufgewachsen sind. Dabei sei Deutschland längst ein Einwanderungsland; die Annahme, dass "Gastarbeiter" irgendwann in ihre Heimat zurückkehrten, treffe nicht zu. Probleme der Zuwanderer seien oft Analphabetentum, eine geringe Bildung und geringe Deutschkenntnisse. Sprachliche Einschränkungen, Überforderung am Arbeitsplatz, traumatische Erfahrungen, die Diskrepanz zwischen Erwartungen und erreichten Zielen, dazu schwach ausgeprägte Fertigkeiten zur Bewältigung dieser Probleme - all das bringe für Zuwanderer Erkrankungsgefahren mit sich. Und die seien ungleich größer als bei deutschen Arbeitnehmern. Die erste Migranten-Generation, so der Mediziner, sei früh gealtert. Ursachen: Diese Menschen seien im Herkunftsland medizinisch schlecht versorgt gewesen, hätten dann körperlich belastende Tätigkeiten ausgeübt und die medizinischen Dienste in Deutschland wenig genutzt. Zugangsbarrieren seien oft Sprach- und Verständigungsprobleme, Informationsmangel oder die Angst vor deutschen Institutionen. Und die Tatsache, dass Krankheit nicht selten als Schicksal oder Strafe angenommen werde. Auch magische oder religiöse Krankheitsvorstellungen spielten eine Rolle, etwa der Glaube an den "bösen Blick" oder den Einfluss von Zauber. "Wir müssen die Patienten dort abholen, wo sie stehen", meinten die Fachleute in der Diskussion. Und: "Wir müssen darauf achten, dass sich keine Ghettos bilden, weder bei Ärzten noch bei Patienten." Für erfolgreiche Behandlung sei zweisprachiges Personal nötig. Und der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses. hla

StichwortRamesch ist ein Forum für interkulturelle Begegnung mit Sitz in Saarbrücken. Der Verein wurde 1991 vor dem Hintergrund zunehmender ausländerfeindlicher Tendenzen gegründet. Ramesch engagiert sich für die Förderung, Akzeptanz und Integration von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Kultur. Präsidentin ist Ikbal Berber. hla