Zum Ursprung zurückgekehrt

Idar-Oberstein. Der Vorgänger des Edelsteinmuseums, die Gewerbehalle, war in doppelter Hinsicht ein Schaufenster der Region

Idar-Oberstein. Der Vorgänger des Edelsteinmuseums, die Gewerbehalle, war in doppelter Hinsicht ein Schaufenster der Region. Zum einen konnte man die Kunstfertigkeit der heimischen Schmuck- und Edelsteinhandwerker bewundern, zum anderen diente dieses "Schaufenster" auch der Verkaufsförderung, in der Gewerbehalle standen auch Verkaufsvitrinen der hiesigen Betriebe - schließlich lebte die Industrie ja vom Verkauf ihrer Produkte. Natürlich war die Gewerbehalle auch ein besonderer Magnet für Reisende, die meisten dürften wohl auch damals schon wegen des Schmucks und der Edelsteine in die Region gekommen sein. Ein besonderer Anziehungspunkt war die Gewerbehalle um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert offenbar auch für den Kölner Kunstsammler Carl Merlo, der eine besondere Vorliebe für ostasiatische Kunst hatte. Er kaufte in der Gewerbehalle eine kunstvolle, um 1869 gefertigte Kanne aus Achat sowie eine große Achatschale mit einem spektakulären Farbenspiel. "Eine der schönsten Achatschalen, die ich je gesehen habe", wie Museumskurator Manfred Wild anerkennend anmerkt. Nachdem der Sammler verstorben war, wurde seine gesamte Kunstsammlung im Mai 1921 vom Kunsthaus Lampertz versteigert. Diese beiden Objekte wurden bei der Auktion von der Industrie- und Handelskammer für die Gewerbehalle zurückgekauft. Merlo hatte für die Achatschale ganz nach seinem persönlichen Geschmack einen Sockel im chinesischen Stil mit einer Holzplatte, einer natürlichen Kristallformation und floralen Metallelementen gestalten lassen. Die Schale wurde nach dem Rückkauf von dem Sockel abmontiert und auf einen Bergkristallsockel gestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörten die beiden spektakulären Teile zu den Exponaten des Edelsteinmuseums, ohne dass jemand von ihrem Schicksal wusste. Erst als Manfred Wild durch Zufall in einem Antiquariat den 70-seitigen Ausstellungskatalog entdeckte und durchblätterte, kam ihm die Schale sogleich bekannt vor. Durch diesen Fund ließ sich der Weg der Schale und der Kanne schließlich nachverfolgen. jst