1. Saarland

Zum Ersten, Zweiten und Dritten

Zum Ersten, Zweiten und Dritten

Bei einer Fundsachen-Versteigerung kann man so manches Schnäppchen machen. Die meisten Käufer kommen jedoch, um die Beute gewinnbringend weiter zu verkaufen.

Saarlouis. Was mehr als sechs Monate lang im städtischen Fundbüro im Saarlouiser Rathaus gelagert war, wird versteigert. Zuletzt am Freitag, im Vereinshaus in Fraulautern. Knapp 100 Leute sind gekommen, um zu ergattern, was vor Monaten gefunden wurde.Los geht es mit Fahrrädern, zwei junge Männer tragen sie aus dem Lagerraum hinein und hieven sie auf den Auktionstisch. Auktionsleiter Joachim Hitzelberger klopft gegen sein Mikrofon und legt los: "Zwei Fahrräder für einen Euro? Zwei? Fünf?" Jeder erhobene Finger erhöht den Preis um einen Euro. Vorsicht also beim Nase Putzen, Strecken oder Kratzen. Während zwei Frauen in Reihe vier noch darüber diskutieren, wie man wohl ein Fahrrad verliert, ist die erste Auktion auch schon zu Ende: Ein Herr aus der dritten Reihe zahlt 38 Euro für zwei Räder.

Gezahlt wird nur in bar. Stefan Rayer aus Berus bietet bei sämtlichen Fahrrädern mit. Warum? "Um sie weiter zu verkaufen", sagt er, möglichst gewinnbringend, versteht sich. Um die 400 Euro nimmt er zur Auktion stets mit.

Alles, was an diesem Morgen auf den Tisch kommt, geht sofort weg: Handys, Jacken, Fahrräder, Ringe, Uhren, PC-Spiele. "Es gibt auch Damenunterwäsche, neu, mit Kassenzettel. Bezahlt und im Laden vergessen", sagt Hitzelberger.

Im Raum sitzt kaum jemand, der für sich selbst ein Schnäppchen machen will; fast ausschließlich Flohmarktverkäufer und Besitzer kleiner An- und Verkauf-Lädchen. Das sieht man, wenn sie ihre Geldbörsen öffnen und pinkfarbene Fächer aus 500-Euro-Scheinen zum Vorschein kommen.

Dass ein ehrlicher Finder das Gefundene nach sechs Monaten behalten darf, ist kein Gerücht. Verzichtet er aber darauf, wird es versteigert, zusammen mit Dingen, die Polizisten gefunden oder beschlagnahmt haben. So etwa die sechs Flaschen Wodka, die plötzlich auf dem Auktionstisch stehen. "Die hat die Polizei bei 15-Jährigen gefunden. Sie sagten, sie hätten keine Ahnung, wem die gehören, da wurden sie als Fundsachen mitgenommen", sagt Hitzelberger. Neben Hochprozentigem findet sich auch allerlei Kurioses: ein Kofferhandy von 1992, ein Wechselschalter, Hörgeräte und eine Kiste mit 200 Exemplaren derselben Schallplattensingle.

Nur 40 Prozent der Fundsachen werden von ihren ursprünglichen Besitzern wieder abgeholt, sagt Christian Lonsdorfer. Er verwaltet die Fundsachen im Rathaus. "Die Versicherungen zahlen eben gut", so seine Erklärung. Außerdem würden Fundsachen vom Finder immer häufiger einfach behalten: Es wird weniger abgegeben, "aber ich glaube nicht, dass die Leute weniger verlieren", sagt Lonsdorfer.

Schmuck kommt auf den Tisch - die Händler stürzen sich darauf mit ihren Miniatur-Waagen, Lupen und kritischem Blick. Alles wird gekauft wie gefunden: schmutzig, defekt oder originalverpackt. Rund 1500 Euro hat die Stadt mit der Auktion in drei Stunden eingenommen. Was nicht verkauft wird, geht an Sozialkaufhäuser. Am Freitag bleibt nichts übrig. "Es gibt auch Unterwäsche. Bezahlt und vergessen."

Auktionsleiter Joachim Hitzelberger