Air Berlin: Zum Abschied ein Lächeln für Ensheim

Air Berlin : Zum Abschied ein Lächeln für Ensheim

Die letzten Flüge der Air Berlin nach und von Saarbrücken lösten am Freitag viele Emotionen aus.

Stewardess Jane Szembek ist den Tränen nah. „Wenn wir jetzt Auf Wiedersehen sagen, dann wissen wir auch genau, dass wir nicht mehr nach Saarbrücken kommen werden.“ Eine Stadt, die Szembek mittlerweile besonders ans Herz gewachsen ist. „Unser Hotel war mitten in der City. Alles konnte  man fußläufig erreichen. Ich konnte ideal shoppen und auch gut essen gehen.“ Szembek ist sehr traurig darüber, dass die Air Berlin den Standort Saarbrücken, wie alle anderen Flugziele auch, aufgeben muss. Um 18.35 Uhr, exakt auf die Minute, trifft die Abendmaschine auf den Ensheimer Höhen ein, schon Minuten vorher durch die Landelichter am Himmel zu sehen. So als gelte es, zum Abschied und mit Stolz alles noch einmal daran zu setzen, unter Beweis zu stellen: „Wir können es.“

An den Flugkapitänen und Crews hat es ja auch nicht gelegen, dass die Airline, die Saarbrücken zehn Jahre lang angeflogen hat, am Schluss in wirtschaftliche Turbulenzen geriet. Ungewohnt viele Emotionen sind  am Freitagabend auf allen Seiten zu spüren: Gänsehaut-Momente. Auf der Besucherterrasse haben sich zahlreiche Menschen versammelt, die den bewegenden Abschied mit Smartphones und Kameras festhalten. Viele Flughafen-Beschäftigte stehen direkt am Rollfeld, Branca Cucic hält Blumen für die Crew in der Hand. „Ich bin traurig. Es ist schade. Die Air-Berlin-Mitarbeiter haben das nicht verdient“, sagt sie. Birgit Heuft und Claudia Gramsch schließen sich an. „Als die Air Berlin vor zehn Jahren an den Flughafen gekommen ist, hat sie uns dabei geholfen, den Airport zu stabilisieren. Sie ist viele Jahre hinweg zuverlässig geflogen“, sagt Gramsch. „Wir alle am Flughafen denken vor allem an die zahlreichen Mitarbeiter, die noch vor Weihnachten ihre Jobs verlieren.“

Als sich die Maschine auf dem Vorfeld des Terminals öffnet, laufen die Mitarbeiter mit ihren Blumen direkt zur Maschine. Einige haben auch ein Transparent mitgebracht. „Good Bye Air Berlin. Vielen Dank für zehn Jahre Berlin und Mallorca.“ Als prominentester Passagier verlässt die Grünen-Bundesvorsitzende Simone Peter den Flieger. Lust, was zu sagen, hat sie offensichtlich nicht und ist ganz schnell verschwunden. Axel Wahl aus Freisen ist da schon gesprächiger. Er hat die Air Berlin als Mitarbeiter des Bundeskanzleramtes regelmäßig genutzt. „Für mich ist der Abschied auch mit etwas Schwermut verbunden. Seit 2008 waren die Flüge, mit denen ich unterwegs war, zuverlässig. Erst 2017 hat sich das dann verändert.“

Als die Passagiere ausgestiegen sind, kommt die Crew inklusive Flugkapitän Reiner Schmitt aus der Maschine. Er lächelt und fühlt sich sichtlich wohl, auch als ,,Pälzer“ am Saar-Flughafen, sagt er. Auch an den Landeanflug in den vergangenen Jahren hat er sich längst gewöhnt. Saarbrücken sei schon speziell mit der Landebahn auf den Höhen. Aber er habe den Landeanflug immer wieder genossen. Dann verabschiedet sich die Crew, denn aus der Abflughalle kommen schon die endgültig letzten Passagiere, die von Ensheim aus mit der Air Berlin in die Bundeshauptstadt fliegen werden. Sie begleiten nicht nur den letzten Flug überhaupt dieser Airline, sondern sie werden zugleich noch Zeuge einer besonderen Wertschätzung, die Flughäfen nur in ganz besonderen Fällen einer Fluggesellschaft zukommen lassen. Zum Abschied fahren zwei „rote Panther“ der Flughafen-Feuerwehr vor. Sie platzieren sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Maschine. Dann schießen von beiden Seiten Wasserfontainen über den Flieger, der darunter hindurchfährt. Und dann rollt die Maschine endgültig zum letzten Mal an den Start. Sie wendet. Ein kurzer, bewegender Moment der Stille folgt. Dann heulen die Triebwerke auf. Reiner Schmitt beschleunigt die Maschine voll, und dann hebt sie ab. Zum allerletzten Mal. Nur noch die Erinnerung bleibt den Fotografen auf ihren Smartphones und Kameras. Bilder aus einer vergangenen Zeit. Jetzt schon. Und Christophe Weinacker aus Saargemünd hat eine Erinnerung aus Berlin mitgebracht, die Seltenheitswert hat: zwei der roten Schokoladenherzen der Air Berlin, die er seinen Kindern überreicht. Diese Schokoladenherzen sind jetzt fast schon zu schade, um sie zu essen. Sogar auf Ebay im Internet werden sie schon zu hohen Preisen versteigert.

Flughafen Ensheim: Letzter Flug der Air Berlin in Saarbrücken. Foto: Iris Maria Maurer
Flughafen Ensheim: Letzter Flug der Air Berlin in Saarbrücken. Foto: Iris Maria Maurer

Jetzt kehrt erst einmal unfreiwillige Ruhe am  Saarbrücker Flughafen ein. Bis Jahresende fliegt keine Maschine in die Bundeshauptstadt. Im Januar 2018 übernimmt dann Luxair die Verbindung. Alle Beschäftigten am Flughafen hoffen, dass Flugausfälle dann auch vorbei sind.