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Bauern und Landbesitzer protestieren
Zorn im Rastgebiet des Regenpfeifers

Am Renglischberg zeigen Landbesitzer Stefan Schmidt (links) und Landwirt Günter Weber auf das künftige Landschaftsschutzgebiet. Der Mornellregenpfeifer, der dort im August rastet,  ist jetzt bereits in Afrika.
Am Renglischberg zeigen Landbesitzer Stefan Schmidt (links) und Landwirt Günter Weber auf das künftige Landschaftsschutzgebiet. Der Mornellregenpfeifer, der dort im August rastet, ist jetzt bereits in Afrika. FOTO: Dietmar Klostermann
Mettlach-Faha/Saarbrücken. Bauern und Landbesitzer wehren sich gegen geplantes Landschaftsschutzgebiet Renglischberg bei Mettlach-Faha Von Dietmar Klostermann

Es ist wie mit dem kleinen gallischen Dorf im Nordwest-Zipfel des Römischen Reichs. So wie Asterix und Obelix im weltrühmten Uderzo-Comic wehren sich Bauern und Landbesitzer in Mettlach-Faha und Umgebung gegen die Entscheidungen der fernen Regierung. Doch im West-Zipfel des Saarlands geht es nicht um Wildschweine sondern um zarte Vögel. Und es sind sehr seltene Vogelarten, die Umweltminister Reinhold Jost (SPD) durch die Ausweisung eines Landschaftsschutzgebietes vor Schaden bewahren will. Besonders dem Mornellregenpfeifer, der schon im August und September dort auf dem  Rückflug von den Brutplätzen in den nordischen Tundren auf den Feldern am Renglischberg bei Faha rastet, ehe er nach Afrika weiterfliegt, soll mit dem Landschaftsschutzgebiet, das die EU-Kriterien des Natura-2000-Programms erfüllt, geholfen werden.

„Wenn man die Nutzung durch die Landwirte so lässt, wie sie war, hätten wir keinen Konflikt“, sagt Landbesitzer Stefan Schmidt von der Interessengemeinschaft (IG) der Landeigentümer und Landnutzer Renglischberg, die sich im Oktober gebildet hat. Der IG gehören nach Angaben des Fahaer Bauern Günter Weber etwa 60 Mitglieder an. Auf dem 220 Hektar großen Gebiet am Renglischberg müssen die Bauern nach den Plänen von Jost künftig bis zum 15. August die Felder abgeerntet haben. „Wir haben seit den 70er Jahren dort Mais angebaut für die Milchviehbetriebe. Vorher waren es Rüben, die wuchsen auch auf 60 Zentimeter hoch“, sagt Weber, der wie Jost Sozialdemokrat ist. Der Grund für die geforderte frühe Ernte bis Mitte August ist: Der Mornellregenpfeifer landet nach Ornithologen-Expertise nicht, wenn auf den Äckern hoher Bewuchs herrscht, der kleine Vogel braucht es platt. „Was sollen wir denn machen? Sollen die Landwirte etwa Glyphosat einsetzen, damit die Feldfrüchte bis Mitte August reif sind und abgeerntet werden können?“, fragt Weber. Landbesitzer Schmidt sagt, dass er und die anderen Landbesitzer fürchten, dass ihr Boden durch die Ausweisung zum Landschaftsschutzgebiet an Wert verliert. „Wir behalten uns vor, vor dem Verwaltungsgericht gegen das Landschaftsschutzgebiet Renglischberg zu klagen“, betont Weber. Und fügt hinzu, dass Jost wohl kein Interesse habe, mit ihm über das Thema persönlich zu sprechen. Er, Weber, sei immerhinn seit 30 Jahren in der SPD.

Wenn die IG klagen sollte, wären sie die ersten im Saarland, die  wegen der Ausweisung der Natura-2000-Gebiete die große juristische Axt auspacken würden. Bis Mitte November war kein Antrag auf ein Normenkontrollverfahren vor dem Oberwaltungsgericht Saarlouis eingegangen, teilte das Umweltministerium mit. Immerhin sind im Saarland 125 Natura-2000-Gebiete gemeldet und von der EU-Kommission anerkannt. Von diesen würden 111 mittels Ausweisung zu geschützten Teilen von Natur und Landschaft, so das Umweltministerium. Vier befinden sich noch im Ausweisungsverfahren, darunter der Renglischberg. Zudem gibt es im Saarland 14 Fledermaus-Quartiere, die vertraglich gesichert würden. „Die Fläche der bislang rechtskräftig ausgewiesenen Schutzgebiete sowie wirksam geschlossener Vertrage beträgte 30.181 Hektar, was etwa 11,75 Prozent der Landesfläche des Saarlands entspricht“, sagte Sabine Schorr, die Sprecherin von Minister Jost. Wenn Deutschland die vereinbarten Natura-2000-Gebiete nicht errichte, drohten Deutschland seitens der EU Strafen von etwa zwölf Millionen Euro, hieß es. Der Erntetermin 15. August beruhe auf der Hauptzugszeit des Mornellregenpfeifers, des Goldregenpfeifers und des Kiebietz auf dem Weg in die Winterquartiere. „Das Gebiet auf dem Renglischberg hat vor allem für den Mornellregenpfeifer eine essentielle und seit langem tradierte Funktion als Rast- und Ruhe-Habitat“, so das Umweltministerium. Zudem gebe es im Mais Verstecke für Beutejäger, die den Regenpfeifern auflauerten. Günstig seien Gerste und Weizen. Diese Sorten seien in „normalen Jahren“ Mitte August abgeerntet. In der so genannten Kernzone seien elf Landwirte und 42 Landbesitzer betroffen. Als Ausgleichszahlung könnten den Bewirtschaftern 250 Euro pro Hektar und Jahr zur Verfügung gestellt werden, hieß es. Eine Minderung des Bodenwertes entstehe nicht. „Umweltminister Jost hat unsere volle Rückendeckung, wenn er nunmehr die auf dem Tisch liegende Verordnung endlich in Kraft setzt“, so der Nabu- Landesvorsitzende Uli Heintz. Das Umweltministerium habe am Renglischberg „einen guten Job“ gemacht.