1. Saarland

Zeit für den deutschen Pass

Zeit für den deutschen Pass

Mases Bulut hat den Grund für ihren Einbürgerungsantrag auf dem Arm: Biyan Malvin, ein knappes Jahr alt. „Mein Sohn hat den deutschen Pass.

Da war es jetzt auch Zeit für mich", erzählt die 23-Jährige bei der kleinen Feierstunde für Neubürger im Landsratsamt in Ottweiler. Den türkischen Pass gibt sie damit ab. Mases Bulut wurde in Deutschland geboren, kam 2012 nach Illingen: "Ich lebe jetzt hier. Hier ist meine Heimat."

"Sich heimisch zu fühlen, in ein Gemeinwesen integriert zu sein und im besten Sinne eine ‚Heimat' gefunden zu haben - das ist der Wunsch wohl eines jeden Menschen", nimmt auch Cornelia Hoffmann-Bethscheider dieses Wort auf. 22 Neubürgern überreichte die Landrätin jetzt im Historischen Sitzungssaal ihre Einbürgerungsurkunden: "Heimat ist kein Ort, und es gibt auch mehr als eine Heimat. Heimat ist Verwurzelung, die einen hält. Menschen, die einen lieben. Erinnerungen, die uns begleiten. Sie selbst können definieren, was für Sie Heimat ist und wie Sie diesen Begriff mit Leben füllen." Die bisherigen Staatangehörigkeiten der 22 Neubürger waren algerisch, bosnisch-herzegowinisch, georgisch, italienisch, kirgisisch, polnisch, sri-lankisch, tunesisch, türkisch und vietnamesisch.

Nachwuchs hat wie bei Mases Bulut auch bei Francesca Wesolowski aus Ottweiler das Ja zum deutschen Pass beschleunigt: "Weil wir jetzt angekommen sind. Wir wollen uns hier als Familie zusammen heimisch fühlen", sagt die 27-jährige Italienerin. Ehemann Patrick hat seinen polnischen Pass bereits gegen den deutschen getauscht, Tochter Liliana kam vor gut einem Jahr auf die Welt, ist Deutsche.

Auch The Duy Hai Nguyen wurde in Deutschland geboren. "Ich bin hier aufgewachsen, fühle mich hier heimisch und möchte auch hier bleiben", erzählt der 19-jährige vietnamesischer Herkunft. Geburtsort war Trier. Wohnort ist jetzt Neunkirchen, Studienort Saarbrücken.

"Nein, ich darf noch nicht unterschreiben", schüttelt Anesa (9) den Kopf. Das erledigen die Eltern Amra und Abahudin Besic für sie. Anesa ist jetzt also Deutsche, die Eltern noch nicht: "Das ist rechtlich alles nicht so einfach", sagt das Paar aus Bosnien-Herzegowina, das 1994 seine Heimat verließ und jetzt in Ottweiler wohnt. Bei Heimat hier und Heimat dort sei manches zu bedenken.

Elif Irmak ist Kurdin und hat jetzt den türkischen Pass abgegeben. Als sie vier war, kam sie mit ihrer Familie nach Deutschland, über Lebach nach Neunkirchen. Die 18-Jährige baut nächstes Jahr ihr Fachabitur. "Eigentlich wollte ich zur Polizei, aber ich bin fünf Zentimeter zu klein", lacht Elif mit ihren 160 Zentimetern. Vielleicht wird sie studieren. "Der deutsche Pass ist für mich wichtig", sagt Elif. "Vieles wird einfacher, zum Beispiel arbeiten."

Elif hat ihren Vater Kudbetten Irmak als Begleitung mitgebracht, Salah-Eddine Bennai (18) seinen sechs Jahre älteren Bruder Abderrahmane. Salah wurde in Neunkirchen geboren, macht nächstes Jahr Fachabitur. Auch Salah mit den algerischen Wurzel denkt an die Vorteile des deutschen Passes: "Und ich bin hier aufgewachsen und werde wohl hier bleiben."

"Der deutsche Pass erleichtert viele Wege", sagt Halime Papagan aus Neunkirchen, die in der Türkei geboren wurde. Die Einbürgerungsurkunde erhalten auch ihr Mann Bashatin und der älteste Sohn Ibrahim. Ibrahim wurde 1998 in der Hüttenstadt geboren, besucht das Krebsberg-Gymnasium. Seine beiden kleineren Brüder sind während der Feierstunde zu Hause geblieben. Die große Schwester Semra begleitet ihre Familie. Die Studentin will sich mit einer Entscheidung über Antrag auf Einbürgerung noch Zeit lassen.